Aufzeichnungen vom Nabu bestätigen

Weißstorchpopulation steigt weiter an

In Deutschland brüten so viele Weißstörche wie noch nie seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Für die aktuelle Saison rechnet der NABU mit bundesweit mehr als 15.000 Brutpaaren. „Selbst vor hundert Jahren gab es nicht so viele Störche“, freut sich Bernd Petri von der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorch...

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Weißstorch im Baum (Foto: Eva Maria Wiegand)


„Im Gegensatz zu vielen anderen Arten haben wir beim Storch jetzt einen guten Erhaltungszustand.“ Der Weißstorch galt lange als Sorgenfall. In den 1980ern sank der Bestand in beiden deutschen Staaten unter 3000 Paare, in vielen Regionen waren die Störche komplett verschwunden.

Vor allem Nahrungsmangel durch die intensivierte Landwirtschaft und Trockenlegungen sowie Gefahren auf den Zugwegen machten den Vögeln zu schaffen. Die Trendwende leiteten Naturschutzmaßnamen wie Wiedervernässung und auf den Weißstorch abgestimmte Grünlandbewirtschaftung ein.

Der größte Teil des Aufschwungs ist aber der Anpassungsfähigkeit der Störche zu verdanken. „Alle unsere Weißstörche fliegen im Herbst nach Afrika, das weiß jedes Kind. Nur stimmt das nicht mehr“, erläutert Petri. „Durch Deutschland verläuft eine sogenannte Zugscheide. Östlich davon ziehen die Störche im Winter wie eh und je über den Balkan und Nahen Osten nach Afrika. Westlich der Zugscheide dagegen geht es nur noch bis Spanien. Auf Reisfeldern und Mülldeponien finden die Störche reichlich Nahrung, den Flug via Gibraltar nach Nord- und Westafrika sparen sie sich.“

Die verkürzte Zugstrecke ist ein großer Vorteil. Die Überlebensrate steigt, die Westzieher kommen früh und fit zurück. „Vor 30 Jahren waren drei Viertel unserer Störche Ostzieher, heute ist das Verhältnis umgekehrt: Drei Viertel ziehen nach Westen. Der Schwerpunkt der Storchenvorkommen hat sich grob gesagt von der Elbe an den Rhein verlagert“, so Petri. Der Weißstorch brütet in allen 16 Bundesländern. Waren lange Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die storchenreichsten Regionen, sind es heute Niedersachsen und Baden-Württemberg. Die größte Storchendichte hat Hessen.

Bevor es auf den Zug geht, kurz oder lang, bilden sich größere Rastgruppen. Auf Wiesen und Stoppeläckern sieht man die Vögel jetzt zusammenstehen. In den ersten Augusttagen beginnt der Abflug, zunächst machen sich die Jungen auf den Weg. Die Storcheneltern sind noch von der anstrengenden Aufzucht gezeichnet, oft wiegen die Altstörche weniger als ihr Nachwuchs. Sie futtern sich jetzt erst mal wieder Reserven an und starten später nach Süden.

Zusätzliche Informationen:
Vogelgrippe schlägt nicht durch: Im Dezember schreckten Meldungen aus Spanien auf, wonach allein im Großraum Madrid hunderte überwinternde Weißstörche der Vogelgrippe zum Opfer gefallen sind. Ein halbes Jahr später steht fest, dass es hie und da Verluste bei angestammten Brutpaaren gab, der Gesamtbestand in Deutschland aber kaum in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Bruterfolg mit Fragezeichen: Die Zahl der Paare wächst, aber wie viel Nachwuchs haben sie dieses Jahr großgezogen? Endgültige Zahlen liegen noch nicht vor. Von Schleswig-Holstein bis Niedersachsen sieht es sehr gut aus, teils auch im Südwesten. Den Storchenpaaren kam die feuchtwarme Witterung ohne lange Regenperioden und eine gute Nahrungsgrundlage zugute. In der Mitte und im Osten läuft es dagegen auf ein eher durchschnittliches Jahr hinaus. Mancherorts war es so trocken, dass die Störche im harten Boden nur schlecht nach Regenwürmern stochern konnten, der wichtigsten Nahrung für die Küken. Die große Hitze Ende Mai und Ende Juni machte dem Nachwuchs dagegen wenig aus. Weißstörche brüten auch in Südeuropa und Nordafrika, wo Hitzeperioden keine Seltenheit sind. Solange sie ihren Jungen genug Wasser einflößen können, sind sie bestens angepasst.

Jungstörche erkunden die Welt: Die Jungstörche können schon gut fliegen, das sichere Landen müssen sie noch üben. Deshalb kommt es in dieser Zeit vermehrt zu Unfällen. Auch die erfolgreiche Jagd nach Würmern, Heuschrecken, Fröschen und Mäusen will gelernt sein. „Das Leben außerhalb des elterlichen Horstes ist voller Gefahren“, erläutert Bernd Petri. „Wenn von den Jungstörchen, die jetzt das Nest verlassen, im nächsten Frühjahr jeder Vierte heil aus dem Süden zurückkommt, ist das schon viel.“

Storchen-Hotspots: Nach wie vor ist die Mittlere Elbe eine der storchenreichsten Regionen. Mittlerweile hat ihr aber der Oberrheingraben den Rang abgelaufen. Eine Dichte von sechs bis sieben Storchenpaaren je 100 Quadratkilometer gilt als gut, im südhessischen Kreis Groß-Gerau sind es 90 Paare je 100 Quadratkilometer. Weitere Storchen-Hotspots liegen in Mittelfranken und Oberschwaben.

Brutzahlen nach Bundesländern: Von Bayern über den kompletten Südwesten bis nach NRW liegen die Storchenbestände teils deutlich über den Werten des Jahres 1900. In Thüringen und Sachsen-Anhalt verzeichnet man ebenfalls Rekorde, was mit an der Ausdehnung des Westzieherareals liegt. Die Größenverhältnisse zeigen die Brutpaarzahlen des Vorjahres (2025): Baden-Württemberg 2602, Bayern 1629, Berlin 3, Brandenburg 1293, Bremen 19, Hamburg 60, Hessen 1563, Mecklenburg-Vorpommern 747, Niedersachsen 2737, Nordrhein-Westfalen 1027, Rheinland-Pfalz 701, Saarland 57, Sachsen 495, Sachsen-Anhalt 784, Schleswig-Holstein 584, Thüringen 212.
    
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