Rezension zu Abu Hassan

Nicht aufregen, ist nur ein Märchen

Die Theaterwiese am Schloss Sondershausen gehört in den Sommermonaten zu den schönsten Spielstätten der Region. Dort feierte am Freitagabend Carl Maria von Webers Familienoper „Abu Hassan“ ihre Premiere...

Die neue Fassung von Regisseur Matthias Kitter richtet sich zwar in erster Linie an junge Besucher, bot aber sichtlich auch für die Erwachsenen im Publikum beste Unterhaltung.

Carl Maria von Webers 1811 uraufgeführtes Singspiel erzählt die Geschichte des Ehepaares Fatime und Abu Hassan. Die beiden lieben sich, doch das Geld ist knapp und die Schulden wachsen. Während der wohlhabende Omar glaubt, mit seinem Vermögen alles kaufen zu können – sogar Fatimes Liebe, setzen die beiden Hauptfiguren lieber auf Klugheit und Zusammenhalt. Aus dieser einfachen Geschichte entwickelt sich ein turbulentes Märchen über Liebe, Vergebung und die Erkenntnis, dass Geld allein nicht glücklich macht. Regisseur Matthias Kitter hat den Opernklassiker in einer neuen Textfassung modernisiert und dabei den Humor deutlich in den Vordergrund gestellt. Das gelingt überzeugend. Die Handlung bleibt jederzeit leicht verständlich und entwickelt ein angenehmes Tempo, sodass gerade das junge Publikum der Geschichte mühelos folgen kann.

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Szene aus "Abu Hassan" (Foto: Theater Nordhausen)

Großen Anteil am Gelingen des Nachmittags hat das spielfreudige Ensemble. Marian Kalus gestaltet den Titelhelden Abu Hassan mit Charme, Witz und der richtigen Portion Schlitzohrigkeit. Zusammen mit Yuval Oren als Fatime harmonieren beide hervorragend miteinander und machen das Ehepaar zum sympathischen Mittelpunkt der Aufführung. Zu den Publikumslieblingen des Abends dürfte Thomas Kohl gehören. Als seine Rolle als Omar, Finanzchef des Fürsten, führt er mit viel Humor durch die Handlung. Seine lockere Spielweise sorgt für zahlreiche Lacher. Christina-Mirl Rehm als Zemrud, verkörpert sichtbar nicht nur Hilfe als Reinmachefrau der Fatime, sondern auch als ihre Freundin mit klugen Ratschlägen. Zusätzlich als Moderatorin leitet sie das Publikum durch die Oper. Benjamin Prins als Fürst Karl Leaf der Erste sowie Joshua Lamm und Janyne Ward in der Statisterie komplettieren das Ensemble und tragen zum stimmigen Gesamtbild der Inszenierung bei.


Musikalisch überzeugte das Loh-Orchester Sondershausen unter der Leitung von Luca Marcossi aus der architektonisch einmaligen Rotunde. Die Musiker verliehen Webers Partitur Leichtigkeit und Schwung. Gerade im Freiluftambiente entstand ein ausgewogener Gesamtklang, der die Sänger nie überdeckte und die Musik angenehm transparent wirken ließ.
Auch optisch hat die Produktion einiges zu bieten. Die farbenfrohen Kostüme und das Bühnenbild von Anja Schulz-Hentrich schaffen eine märchenhafte Atmosphäre, die sich hervorragend in die Kulisse der Theaterwiese einfügt.

Nach rund einer Stunde endete ein kurzweiliger Opernnachmittag mit langanhaltendem Applaus. Die vielen lachenden Gesichter auf dem Heimweg zeigten, dass die Familienoper ihr Ziel erreicht hat.
Marie Böcke
    
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