Nordhausen

Be-Flügelt begeistert rund 100 Gäste im Jugendclubhaus

Be-Flügelt im Jugendclubhaus (Foto: Sven Tetzel) Be-Flügelt im Jugendclubhaus (Foto: Sven Tetzel)
Ein Klavierabend der besonderen Art: Das Duo Be-Flügelt, bestehend aus den Pianisten Andreas Güstel und Julian Eilenberger, hat am Dienstagabend im Jugendclubhaus Nordhausen rund 100 Besucherinnen und Besucher für knapp 90 Minuten in seinen Bann gezogen...

Mit kraftvollen und zugleich zarten Kompositionen, gewürzt mit charmanten Anekdoten aus einem Leben auf Reisen mit dem Klavier, schufen die beiden eine Atmosphäre, die das Publikum tief berührte. Die beiden Pianisten nahmen ihre Gäste dabei nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich mit auf eine Reise durch ihre Karriere – von den Anfängen als Straßenmusiker bis hin zu außergewöhnlichen Abenteuern, die kaum zu übertreffen sind. Im Mittelpunkt dabei stets ihr treuer Begleiter: ein 42 Jahre altes Klavier, das die beiden durch mehr als 26 Länder Europas begleitet hat. Ob hängend in Bäumen, auf zugefrorenen Seen, vor Gletschern und Höhlen oder an den wildesten und schönsten Orten in der Natur – Güstel und Eilenberger haben ihrem Instrument und ihrem Publikum immer wieder aufs Neue das Außergewöhnliche abgerungen.

Ihr wohl spektakulärstes Abenteuer war das „Tastdem" – eine eigens konstruierte Verbindung aus Tandem und Klavier, mit der die beiden im Sommer 2021 rund 1.300 Kilometer die Elbe entlang fuhren, von der Quelle bis zur Mündung, mit 21 Naturkonzerten entlang des Weges, angetrieben allein durch Muskelkraft und die Leidenschaft für ihre Musik.

Für Andreas Güstel und Julian Eilenberger war es bereits der zweite Auftritt in Nordhausen – und beide Gastspiele haben ihre ganz eigene Geschichte. Der erste Besuch vor einigen Jahren ist den Musikern fest im Gedächtnis geblieben, allerdings aus zunächst unglücklichen Umständen: Das Konzert fiel auf einen regionalen Feiertag, was im Vorfeld niemandem aufgefallen war. Als das Duo am Veranstaltungstag vor verschlossenen Türen stand und auch keine verantwortliche Person zu erreichen war, drohte der Abend ins Wasser zu fallen.

Doch als die ersten Gäste eintrafen, bewies Be-Flügelt Improvisationstalent: Kurzerhand wurde das Konzert ans Zorge-Ufer verlegt. Was als Notlösung begann, wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis unter freiem Himmel. Noch Tage später erreichten die Künstler Nachrichten von Besuchern, die von diesem besonderen Open-Air-Moment schwärmten.

Nun also die Rückkehr – diesmal mit geöffneten Türen und einer Atmosphäre im Jugendclubhaus, die auf die beiden sichtlich Eindruck gemacht hat. Andreas Güstel und Julian Eilenberger haben bereits angedeutet, dass sie sich gut vorstellen könnten, vielleicht schon im nächsten Jahr wieder nach Nordhausen zu kommen.

Be-Flügelt steht für Musik mit Seele und dem Mut zum Außergewöhnlichen. Der Dienstagabend im Jugendclubhaus hat einmal mehr bewiesen: Alles ist möglich.
Sven Tetzel