WEKO Informatik zieht um

35 Jahre Informatik aus Nordhausen

Die IT-Welt ist schnelllebig, in 30 Jahren kommen und gehen in der Informationstechnik ganze Zeitalter. Das Nordhäuser Unternehmen Weko hat sich im großen Datenozean nicht nur halten können, sondern ist stetig gewachsen. Demnächst steht ein Umzug an, doch Nordhausen bleibt man dabei treu…

Werner und Martina Kopmann lernen sich beim Studium in Köln kennen, er kommt aus dem Rheinischen, sie aus Bad Sachsa. Mit dem Fall der Mauer will das junge Paar etwas wagen und sich in den neuen Bundesländern selbstständig machen. Lange sucht man nach dem richtigen Ort, fündig wird man in der Wilhelm-Nebelung-Straße 28 in Nordhausen, nur eine kurze Fahrt von der alten Heimat entfernt. Das schmucke alte Stadthaus ist etwas in die Jahre gekommen, wird aber über die nächsten 35 Jahre auf Vordermann gebracht und zur Heimat des IT-Dienstleisters.


Viel Zeit ist seitdem ins Land gegangen, das Ehepaar freut sich heute auf die Geburt des zweiten Enkelkindes, die Nachfolge wird einmal der Sohn übernehmen. Wie die Familie ist auch das Unternehmen gewachsen, mit 45 Mitarbeitern an fünf Standorten zählt man in Thüringen schon zu den größeren Dienstleistern für die kleineren und mittelständischen Unternehmen, berichtet Werner Kopmann. Man entwickelt Anwendungen im Wirtschafts- und Rechenwesen, für Produktionsabläufe und sorgt dafür, dass man technisch am Ball bleibt. „Man muss ständig dran bleiben und sich auch die Freiräume schaffen, Neues zu lernen und anzuwenden. Auch wenn das im Alter manchmal schwerer fallen kann, anders geht es nicht“, sagt der 65 Jahre alte Programmierer. Im Großraum Berlin hat man zuletzt mehrere KI-Projekte für Kunden umgesetzt und auch im eigenen Arbeitsalltag hat der jüngste Trend der Branche Einzug gehalten, vor allem als Werkzeug, dass Programmierer unterstützt aber nicht ersetzen kann.

Werner und Martina Kopmann arbeiten seit 35 Jahren in der IT. Das alte Logo, das 2020 abgelöst wurde, hat ein Kunde vor Jahren als Gehäuse für einen funktionierenden PC  zum Vorbild genommen, heute ist die "High-Tech" von damals vor allem Erinnerungsstück.  (Foto: agl) Werner und Martina Kopmann arbeiten seit 35 Jahren in der IT. Das alte Logo, das 2020 abgelöst wurde, hat ein Kunde vor Jahren als Gehäuse für einen funktionierenden PC zum Vorbild genommen, heute ist die "High-Tech" von damals vor allem Erinnerungsstück. (Foto: agl)

Stolz sind Kopmanns und Kollegen aber vor allem auf die Sicherheitszertifizierung, die es dem Unternehmen seit anderthalb Jahren erlaubt, auch Kunden im Bereich kritische Infrastruktur zu betreuen. „Mit der Sicherheit im Netz ist es ein bisschen wie früher mit dem anschnallen im Auto. Heute mag das selbstverständlich sein, aber ich komme noch aus einer Zeit, als man da mitunter diskutieren musste.“, sagt Werner Kopmann. Mit der Zeritifizierung findet man sich in einem kleinen Kreis kompetenter Dienstleister wieder, die auch mit Einrichtungen wie Krankenhäusern, Stromversorgern oder Banken Sicherheitsfragen bearbeiten dürfen. Der Aufwand sei riesig gewesen, für WEKO aber auch ein großer Wurf, berichtet das IT-Ehepaar heute.

National und international unterwegs
Die Kunden der Nordhäuser finden sich inzwischen in ganz Deutschland und mitunter auch im europäischen Ausland, es wurde eine Tochterfirma gegründet, die mit europäischen Marktführern wie „sage“ aus Großbritannien und „DocuWare“ aus Deutschland arbeitet. Außerdem ist man seit 2025 Teil der „software partners group“ und strebt europäische Kooperationen an. „Wir sind viel in Deutschland unterwegs, aber hören auch bei den internationalen Kollegen hin. Die Dinge laufen da häufig anders, während man in Deutschland am liebsten gleich beim ersten Anlauf alles richtig machen will, wird andernorts mehr ausprobiert. Wo man hierzulande bei einem Fehlschlag gleich eine Niederlage sieht, betrachtet man so etwas im Ausland oft eher als Erfahrungsgewinn. Wir haben da manchmal, glaube ich, einfach zu viel Angst. Und zu viel Bürokratie, nicht nur in den Behörden, sondern auch in den Unternehmen“, sagt Kopmann.

In Nordhausen kümmert man sich seit Anbeginn um den eigenen Nachwuchs, die ersten Auszubildenden begrüßt man kurz nach der Unternehmensgründung in den 90er Jahren. Im nächsten Jahr will man noch einen Schritt weiter gehen und wird mit der Hochschule Nordhausen im dualen Studium zusammenarbeiten.

Umzug mit Hürden
Zwar kann man in der IT-Branche heutzutage vieles im Home-Office erledigen, das alte Haus in der Nebelung-Straße platzt nach 35 Jahren trotzdem aus allen Nähten. Bei WEKO hat man sich deswegen schon vor einigen Jahren für einen Umzug entschieden, wollte Nordhausen trotz des dezentralen Business-Modells treu bleiben und hat sich die Grimelallee 21 direkt gegenüber dem Badehaus als neue Heimstatt auserkoren.

Die Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden bei der Suche nach der passenden Immobilie und den nötigen Baugenehmigungen sei reibungslos verlaufen, Steine habe man dafür vom Landratsamt in den Weg gelegt bekommen, erzählt Kopmann. „Wir wollten den nötigen Rettungsweg im Brandfall über die freie Fläche in Richtung Wiedigsburghalle legen, aber da war kein ran kommen. Wir haben dann zum Glück eine nachbarschaftliche Lösung mit dem Sanitätshaus Jüttner gefunden“, so der altgediente IT’ler weiter.

Im neuen Haus muss noch viel getan werden, mit Umzug und Inbetriebnahme rechnet man erst gegen Ende 2026. Wenn es soweit ist, wird es aber eine große Party geben, versprechen Kopmanns, so wie schon 1991, als man das erste mal nach Nordhausen zog.
Angelo Glashagel