In Thüringen gibt es immer weniger Mehlschwalben

Der NABU Thüringen gibt eine Zwischenbilanz zur Schwalbensaison 2026 ab und zeichnet einen Landwirtschaftsbetrieb bei Erfurt als schwalbenfreundlich aus. Einzelheiten in Ihren Nordthüringer On line-Zeitungen...

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Die Mehlschwalbe (Foto: Matthias Schäf/NABU)

In Thüringen gibt es vielerorts immer weniger Mehlschwalben. Dies verkündete heute der Schwalbenbeauftragte des NABU Thüringen, Tino Sauer, und gab dabei eine Zwischenbilanz über das Schwalbenjahr 2026 ab. Anlass war die Auszeichnung schwalbenfreundlicher Häuser in Erfurt.

„In unseren Mehlschwalbenkolonien kamen die Vögel in diesem Jahr zwei bis drei Wochen später als sonst aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück. Im Gegensatz zum sonstigen Mittelwert von 50 bis 60 Brutpaaren, die jährlich an unseren Schwalbenhäusern brüten, wurden diesmal nur 25 bis 30 Prozent der Nester besetzt“, resümiert Sauer. „Ähnliche Meldungen erreichten uns aus dem ganzen Freistaat.“

Warum brechen die Mehlschwalbenbestände zusammen?
Eine der Ursachen, warum die Mehlschwalbenbestände so stark zurückgehen, könnte mit den Schneefällen und kalten Regenperioden in den Alpen auf dem Weg in ihre Winterquartiere 2025 zusammenhängen. Durch solche Wetterverhältnisse werden die kleinen Vögel stark geschwächt und finden kaum Nahrung. Bei den Rauchschwalben sieht die Situation nicht ganz so schlecht aus.

„Dies hängt auch mit ihrem Jagdverhalten zusammen. Rauchschwalben jagen eher bodennah und Mehlschwalben eher in der Luft. Bei regnerischem und kaltem Wetter sind Insekten lieber in Bodennähe unterwegs und weniger in großen Höhen. Rauchschwalben kommen daher bei schlechtem Wetter besser an Nahrung als Mehlschwalben“, erklärt der NABU-Schwalbenbeauftragte. Für den Rückgang der Schwalben sind aber auch die industrielle Landwirtschaft und der Verlust von Brutstätten mitverantwortlich.

Engagierte Menschen braucht das Land
Umso wichtiger sind Menschen, die sich aktiv für den Schwalbenschutz einsetzen. Einer von ihnen ist Christian Möller aus Erfurt. Er betreibt in der Brühlervorstadt einen landwirtschaftlichen Betrieb, der sich der Aufzucht von Fasanen und anderen Hühnervögeln widmet. „Auf seinem Hof am Stadtrand von Erfurt brüten schon seit vielen Jahren etliche Mehl- und Rauchschwalben. Diese und andere Vogelarten dürfen sich dort ausbreiten und wohlfühlen“, sagt Tilo Sauer.

„Derzeit zählt jedes Nest, das von Hauseigentümern geduldet wird. Denn wir erleben es leider viel zu oft, dass die Nester einfach zu Beginn der Schwalbensaison von der Hauswand entfernt werden, um die Sommerboten zu vertreiben.“ Seit 2011 hat der NABU in Thüringen über 2.170 Menschen mit einer Plakette für schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet. „Damit würdigen wir das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Schwalbenschutz einsetzen.“

Für die Plakette bewerben kann man sich unter: www.NABU-Thueringen.de/schwalben
    
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