Kenntnis, Vorsicht und Rücksichtnahme

Wie gefährlich sind Waldtiere?

Wie gefährlich sind Waldtiere? Diese Frage haben sich sicher schon viele Waldbesuchende gestellt. Es muss nicht immer ein großes Säugetier sein, was uns dabei möglicherweise in den Sinn kommt. Ein kleiner Überblick soll der Orientierung dienen...

Bild: Waldbesuchende aufgepasst: Ausgerechnet eines der kleinsten Waldtiere gehört zu den gefährlichsten
Waldbesucher aufgepasst: Ausgerechnet eines der kleinsten Waldtiere gehört zu den gefährlichsten (Foto: Andreas Knoll)


Rehwild ist häufig im Wald anzutreffen, ein ausgesprochen scheues Fluchttier und für den Waldbesuchenden völlig ungefährlich. Allein für einen Fahrzeugführenden können diese Tiere bei Kollisionen gefährlich werden, insbesondere im Sommer in der Brunft- bzw. Blattzeit des dann oft „liebestollen“ Rehbocks oder im Herbst bei widrigen Sichtbedingungen für Verkehrsteilnehmende. Wildschweine, insbesondere weibliche Tiere (Bachen) mit Jungen (Frischlingen), können aggressiv sein.

Insbesondere dann, wenn sie sich oder ihren Nachwuchs bedroht sehen. Waldbesuchende sollten Wildschweinkontakt meiden, keinesfalls auf Wildschweinrotten aktiv zugehen und besser die Tiere unbehelligt ziehen lassen. Zecken sind klein, aber gemein. Auf befestigten Waldwegen ist die Gefahr gering, mit den Tieren in Kontakt zu kommen. Wer im Unterholz nach Pilzen sucht oder Waldwiesen quert, sollte vorsichtig sein.

Beim einstechen in die Haut können Zecken gefährliche Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündung auf den Menschen übertragen, die schlimmstenfalls zum Tod führen. Der Eichenprozessionsspinner besitzt als Raupe giftige Härchen, die bei Kontakt mit Waldbesuchenden im Sommer starke allergische Reaktionen bis hin zu Schocks auslösen können.

Die Brennhaare sind extrem leicht und können auch durch geringe Windbewegung verfrachtet werden. Waldbesuchende sollten Befallsgebiete, insbesondere warm-trockene Eichenwälder, meiden und mögliche Wegesperrungen strikt beachten. Hornissen bauen ihre Nester vorzugsweise in Bodenlöcher oder Totholz. Nähert man sich diesen Nestern, werden aus den friedlichen Insektenjägern schnell Schwarmangreifer. Der sehr schmerzhafte Stich der schwarz-gelb gestreiften Hornisse ist zwar nicht gefährlicher als der einer Wespe oder Biene, kann bei Allergikern allerdings zu Herzrasen und Atemnot führen.

Luchse durchziehen in großen Jagdrevieren die heimischen Wälder, sind äußerst heimlich und für den Waldbesuchenden völlig ungefährlich. Einen Luchs überhaupt zu bemerken, dürfte den Wenigsten gelingen. Wölfe meiden den Menschen nicht immer. Waldbesuchende mit Hund oder auch Reiter sollten Vorsicht walten lassen. Derzeit ist der Wolfsbesatz in Thüringen ansteigend.

„Bei allen Einschätzungen gilt es speziell bei Säugern zu beachten, das geführte Jungtiere oder auch verletzte oder kranke Tiere, aber auch Beuteverzehr das Verhalten der Tiere sehr schnell aggressiv werden lassen kann“, erläutert Jörn Ripken, ThüringenForst-Vorstand. Selbst ein balzender Auerhahn kann einen unvorsichtigen Waldbesuchenden angreifen, wenn der Waldvogel sein Revier bedroht sieht. Die größte Gefahr geht aber von Zecken aus. Eltern sollten beim Waldbesuch, ähnlich wie im Straßenverkehr, besonders auf ihre Kinder achten, die ggf. Gefahrensituationen nicht erkennen oder beurteilen können. Mit etwas Kenntnis, Vorsicht und Rücksichtnahme steht dem erholsamen Waldspaziergang nichts mehr im Wege.
Dr. Horst Sproßmann
    
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