Nach Leitzinsanhebung:

Festgeld hui, Tagesgeld pfui

Eine deutliche Mehrheit aller Banken und Sparkassen hat die jüngste Leitzinserhöhung im Juni bislang nicht an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben. Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Angebote stiegen leicht auf 1,38 Prozent. Die Festgeldzinsen liegen über alle Laufzeiten hinweg oberhalb des EZB-Niveaus. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox...

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Zinsen (Symbolbild) (Foto: RoboAdvisor auf Pixabay)

Nur jede sechste Bank hat die jüngste Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) zumindest teilweise an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben. Von insgesamt 823 ausgewerteten Banken und Sparkassen in der Verivox-Auswertung haben 138 seit der letzten EZB-Sitzung am 11. Juni ihre Tagesgeldzinsen erhöht. Das entspricht einem Anteil von 17 Prozent. Im Schnitt wurden die Zinsen bei den betreffenden Geldhäusern um 0,18 Prozentpunkte angehoben.

Ausgewertet wurden die unbefristeten Standardzinssätze der Geldhäuser. Sonderkonditionen, die nur für Neukunden oder Neuanlagen und auch nur für weniger Monate gültig sind, blieben unberücksichtigt.

„Anders als beim Festgeld gelten Zinserhöhungen beim Tagesgeld nicht nur für künftiges Geschäft, sondern auch für alle Gelder, die bereits bei den Kreditinstituten angelegt sind“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Deshalb wirken sich steigende Zinsen für die Banken hier besonders stark auf ihre Kosten aus und die Banken geben das höhere Zinsniveau bislang nur zögerlich an ihre Tagesgeldanleger weiter.“

Durchschnittszinsen bislang nur moderat gestiegen
Aufgrund dieser Zurückhaltung wirken sich die höheren Leitzinsen bislang nur in begrenztem Umfang auf die Durchschnittszinsen aus: Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen im Schnitt aktuell 1,38 Prozent. Vor dem letzten Notenbanktermin lagen sie bei 1,33 Prozent, die Durchschnittszinsen sind seitdem somit um 0,05 Prozentpunkte gestiegen.

Bei den regionalen Geldhäusern müssen sich Tagesgeldanleger im Schnitt mit wesentlich niedrigeren Zinsen begnügen: Die Sparkassen zahlen durchschnittlich 0,41 Prozent aufs Tagesgeld. Bei den regionalen Genossenschaftsbanken, also insbesondere den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken, liegen die Zinsen im Schnitt bei 0,47 Prozent. In beiden Bankengruppen ging es bei den Durchschnittszinsen seit dem EZB-Termin im Juni um 0,03 Prozent nach oben. Im Schnitt bieten die überregionalen Banken rund drei Mal so hohe Tagesgeldzinsen wie die örtlichen Sparkassen und Volksbanken.

Einzelne Banken zahlen bis zu 4 Prozent aufs Tagesgeld
Wer Angebote vergleicht, kann sich aber noch wesentlich höhere Zinsen sichern. In der Spitze zahlen Banken derzeit bis zu 4 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. So hohe Zinsen bieten die Geldhäuser allerdings lediglich Neukunden und denen auch nur für einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten. Danach greifen deutlich niedrigere Bestandskundenzinsen. Wer dauerhaft sehr hohe Zinsen einstreichen möchte, muss sich dann eine andere Bank mit attraktiven Neukundenzinsen suchen und dort erneut ein Tagesgeldkonto eröffnen.

Sparer, die nicht regelmäßig wechseln wollen, achten beim Zinsvergleich am besten auf gute Standardkonditionen. Unter den deutschen Banken liegt der höchste Bestandskundenzins aktuell bei 2,5 Prozent, bei Banken mit Sitz im europäischen Ausland gibt es bis zu 2,6 Prozent.

Festgeldzinsen höher als EZB-Einlagezins
Im Gegensatz zum Tagesgeld hat der Zinsanstieg beim Festgeld bereits vor einigen Monaten begonnen. „Durch den Irankrieg sind die Preise für Energie und zahlreiche andere Güter deutlich gestiegen“, sagt Oliver Maier. „Darum war es nur eine Frage der Zeit, bis die Währungshüter zur Eindämmung der Inflation die Leitzinsen anheben. Das haben die Banken in ihren Festgeldkonditionen bereits mit einigem Vorlauf eingepreist.“

Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Festgeldanlagen mit einem Jahr Laufzeit standen zu Kriegsbeginn Anfang März bei glatt 2 Prozent und liegen aktuell bei 2,35 Prozent. Zweijährige Anlagen sind im selben Zeitraum von 2,07 auf 2,44 Prozent gestiegen. Die Zinsen der sehr langfristigen Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit kletterten von 2,51 auf aktuell 2,9 Prozent.

Damit liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen in allen ausgewerteten Laufzeiten oberhalb des aktuellen EZB-Einlagezinssatzes von 2,25 Prozent. Das bedeutet, dass die Banken Festgeldanlegern im Schnitt höhere Zinsen bieten, als sie selbst einstreichen, wenn sie Spargelder ihrer Kundinnen und Kunden bei der EZB parken. Das gab es zuletzt unmittelbar nach dem Ende der Nullzins-Ära im zweiten Halbjahr 2022.

„Die Banken nutzen Spargelder zur Finanzierung ihres Kreditgeschäfts und verdienen an der Zinsdifferenz. Wenn sie sich das Geld für die Kreditvergabe am Kapitalmarkt besorgen, sind ihre Zinskosten derzeit ebenfalls sehr hoch. Spareinlagen sind für Banken also nach wie vor lukrativ. Entsprechend groß ist der Wettbewerb und das sorgt für attraktive Konditionen“, sagt Oliver Maier. „Zudem rechnen die meisten Banken im Laufe des Jahres mit mindestens einer weiteren Leitzinserhöhung und berücksichtigen das bereits in ihren Festgeldzinsen.“

Methodik
Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Ausgewertet wurden die Zinsen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro.

In die Durchschnittszinsauswertung beim Tagesgeld sind die Bestandskundenkonditionen der Banken eingeflossen. Hohe Aktionszinsen, die nur befristet und ausschließlich für Neukunden oder Neuanlagen gelten, sind hier nicht eingegangen.

Im regionalen Sektor wird zwischen Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken unterschieden. In beiden Institutsgruppen gibt es einzelne Häuser, die ihre Sparprodukte deutschlandweit anbieten und in der Auswertung deshalb den überregionalen Banken zugeordnet wurden.
    
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