Rente und Babyboomer

Jeder Zweite geht vorzeitig in den Ruhestand

2024 bekamen 1,1 Millionen Babyboomer vorzeitig eine Rente. Das untergräbt teilweise die Anhebung der Regelaltersgrenze, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)...

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Babyboomer (Symbolbild) (Foto: Rudy Anderson auf Pixabay)

Immer mehr Babyboomer verabschieden sich frühzeitig aus dem Berufsleben: 2024 bezogen 1,1 Millionen Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge ihre Rente vor der Regelaltersgrenze – Tendenz steigend. Grund dafür ist, dass die geburtenstarken Jahrgänge zunehmend ins Rentenalter nachrücken. Das geht aus einer IW-Auswertung auf Basis von Zahlen der Rentenversicherung hervor.

Von allen Babyboomern, die ihre Regelaltersgrenze bereits erreicht haben, ist damit mehr als jeder zweite vorzeitig in Rente gegangen. Von der Bevölkerung des Jahrgangs 1957 waren es rund 51,2 Prozent, beim Jahrgang 1958 zeichnet sich mit 51,7 Prozent ein höherer Anteil ab.

Frührente kostet die Gemeinschaft
Seit 2012 steigt die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Für den Jahrgang 1958 war sie 2024 mit 66 Jahren erreicht – also zwölf Monate später als vor der Reform. Das durchschnittliche Rentenzugangsalter kletterte jedoch nur um acht Monate. Der Grund: Die Frührente ist sehr attraktiv – dank kräftiger Mithilfe der Politik zu Lasten der Beitragszahler und der Steuerzahler.

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Grafik (Foto: IW)

Wer 45 Versicherungsjahre vorweist, kann bis zu zwei Jahre früher ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Und seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze 2023 können Frührentner neben ihrer Rente unbegrenzt hinzuverdienen. Diese Möglichkeit nutzen immer mehr.

Kommission will die Frührente einschränken
„Die Politik hat ihre eigenen Reformen im vergangenen Jahrzehnt konsequent untergraben“, sagt IW-Rentenexpertin Ruth Schüler. Nun drohten die Kosten aus dem Ruder zu geraten. Die Alterssicherungskommission will deshalb gegensteuern: Sie fordert, die abschlagsfreie Frührente zu streichen und den frühesten Ausstieg mit Abschlägen auf drei Jahre vor der Regelaltersgrenze zu begrenzen. „Entscheidend ist aber das Tempo: Bis 2029 erreichen weitere 6,4 Millionen Babyboomer ihre Regelaltersgrenze – es gilt also, so zeitnah wie möglich zu handeln und großzügige Übergangsregeln zu vermeiden“, sagt Schüler.

Zur Methodik:
Für die IW-Auswertung wurde der Rentenversicherungsbestand in der Vollerhebung zum Stichtag 31.12.2024 für Deutschland ausgewertet. Während 2023 der komplette Jahrgang 1957 anspruchsberechtigt war, gilt das für 2024 nur für die zwischen Januar und November 1958 geborenen Personen: Wer ab dem zweiten Tag eines Monats geboren ist, bezieht erst im Folgemonat eine Rente. Zu den Babyboomern zählen die geburtenstarken Jahrgänge 1954 bis 1969.
    
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