Scherenschnitte sind viel interessanter als ihr Ruf
Von lustigen Limericks bis Erotik
Das Kunsthaus widmet sich aktuell der künstlerischen Technik des Scherenschnittes. Gezeigt werden 125 Arbeiten aus vier Jahrhunderten und von zwei Kontinenten. Obwohl Scherenschnitt weltweit verbreitet ist und von zahlreichen namhaften Künstlerinnen und Künstlern praktiziert wurde, wird diese so reizvolle Technik immer wieder und oft zu Unrecht ins Randgebiet der bildenden Kunst geschoben...
"Die Drei Damen" von Luise Neupert (Foto: Stadt Nordhausen)
Vor allem die Arbeiten von Luise Neupert (1926–2009) zeigen die künstlerische Qualität von Scherenschnitten bzw. Papierschnitten. Dank eines privaten Leihgebers aus Dresden können im Kunsthaus Meyenburg gleich 55 Arbeiten dieser außergewöhnlichen Künstlerin präsentiert werden, die in ihrem über 50-jährigen Schaffen auf dem Gebiet des Papierschnitts eine besondere Meisterschaft erreicht hat. Die in Chemnitz geborene Künstlerin Luise Neupert erblickte, wie Erika Schirmer, im Jahr 1926 das Licht der Welt und starb 2009 in Schmölln. Die Virtuosität ihrer Schnitte, ihre künstlerische Handschrift, verrät die geniale Begabung für dieses Genre. Ihre frühen Arbeiten sind durch eine eher romantische Darstellungsweise geprägt, manche mit Jugendstilelementen, manche mit expressionistischen Zügen.
Ihr Werk umfasst drei große Gruppen: freie Darstellungen, Illustrationen zur Weltliteratur und Märchen- bzw. Sagendarstellungen. Bei den Damenporträts ‚Elfriede‘ oder ‚Der neue Hut‘ beispielsweise hat Neupert sehr kühn die differenzierten Schwarz-Weiß-Flächen ins Format gesetzt und mit einigen wenigen feinen Linien kontrastiert. Man wird an Holzschnitte erinnert, die Assoziationen sowohl zum Expressionismus als auch zum Jugendstil hervorrufen. Die Reihe von ‚Musizierenden Damen‘ zeigt eine besonders temperamentvolle Linienführung, die eine unglaubliche Beschwingtheit erzeugt.
Zu ihren besonders faszinierenden künstlerischen Highlights zählen auch die Arbeiten zu ihren selbst geschriebenen Limericks, die zeigen, dass Scherenschnitte sehr witzig sein können. Die meisten Limericks sind lustig und skurril, manche sogar erotisch-frivol! Deshalb gibt es in der Ausstellung im Obergeschoss des Kunsthauses auch einen Raum mit erotischen Scherenschnitten!, sagte Susanne Hinsching, Leiterin der Städtischen Museen Nordhausen. Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Kunsthaus Meyenburg zu sehen. Öffnungszeiten: Di–So 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 6,50 Euro / ermäßigt 4,50 Euro. Kinder bis 18 Jahre haben freien Eintritt.