VR Bank schließt weitere SB Filiale

Von Grün bis dunkelrot

Vor gut zwei Jahren beschloss man bei der Nordthüringer Volksbank künftig gemeinsame Sache mit den Kollegen aus Westthüringen zu machen. Die neu entstandene „VR Bank in Thüringen“ kann auf solide Zahlen verweisen, kommt aber auch nicht umhin, in der Fläche reinen Tisch zu machen…

Bild:
v.l. Kathrin Stürmer und Marco Schmidt sehen die VR Bank gut gerüstet für die Zukunft (Foto: agl)

Anfang dieses Jahres wurde aus Gerücht Tatsache: im März verabschiedete sich die VR Bank von ihrer Filiale in Niedersachswerfen. Ende September wird der nächste Schritt folgen, auch in Wolkramshausen wird die Selbstbedienungs-Filiale geschlossen. Für die Bank ein notwendiger Schritt, sagt Marco Schmidt, einer der drei Vorstände des Geldhauses, bei der Zusammenführung habe man sehr genau auf die Strukturen und das Nutzerverhalten geschaut. „Es gibt Bereiche, die sind Grün und gesetzt. Das gilt vor allem für unsere Kompetenzzentren, in denen wir unsere Expertise und Leistungen bündeln, da gehört zum Beispiel Nordhausen dazu. Und es gib Bereiche, die sind Rot bis Dunkelrot. Alle zehn Kilometer eine Filiale mit Personal zu besetzen ist heute einfach nicht mehr möglich. Die Kundschaft geht immer weiter in Richtung Online-Banking, immer mehr Leute zahlen mit Karte oder Handy, Bargeld kann man auch Rewe, Edeka und Co. abheben und die Zahl der Transaktionen sinkt gerade im ländlichen Bereich signifikant und stetig“, sagt Schmidt.


Die Entwicklung trifft auch Wolkramshausen, Ende September wird hier der Betrieb eingestellt. „Wir schließen natürlich nicht von heute auf morgen die Türen ab. Wie in Niedersachswerfen auch haben wir uns die Entwicklung eine ganze Weile lang angesehen und das Angebot angepasst. Aus Filialen mit Personal vor Ort wurden zunächst die SB-Filialen und so lange die noch kostenneutral betrieben werden können, bleiben sie auch. Selbst wenn wir in rote Bereiche hineinrutschen, lassen wir Filialen mitunter noch über Querfinanzierung laufen. Aber wir sind eine Genossenschaftsbank und müssen wirtschaftlich irgendwann Grenzen ziehen, die sind hier inzwischen erreicht sind“, erklärt Katrin Stürmer, die bei der VR Bank für Filialnetz und Personal verantwortlich ist.

Ein breiter Rückzug aus der Fläche, wie er sich bei den Großbanken abzeichnet oder schon im Gange ist, werde es aber nicht geben, vielmehr versucht man, die Angebotspalette zu zentralisieren. „Wir können eigentlich fast alles, außer Raumfahrt“, sagt Stürmer, wer Geld in der Schweiz anlegen, Gold und Silber erwerben will oder andere Bedarfe Abseits des Alltäglichen hat, finde bei der Bankenfamilie die passende Expertise, aber eben nicht überall. Man will zukünftig zweigleisig fahren, erläutern Schmidt und Stürmer, konzentrierte Fachkompetenz an zentralen Stellen wie der Filiale am Nordhäuser Taschenberg und die Alltagsberatung in kleineren Dependancen die sich über das inzwischen recht große Einzugsgebiet der VR-Bank verteilen.

Zwischen Nordhausen im Norden und Tambach-Dietharz im Süden, Mühlhausen und Bad Langensalza, Gotha und Sömmerda betreibt man aktuell 21 Filialen mit insgesamt 253 Mitarbeitern die etwa 111.500 Kunden betreuen. Die Entwicklung seit der Fusion in 2024 bleibt stabil, berichtet Schmidt, fast zwei Milliarden Euro stehen in der Bilanz, die Kundeneinlagen stiegen in 2025 auf rund 1,5 Milliarden Euro. Im Kreditgeschäft hat man konsolidiert und will sich stärker auf den regionalen Mittelstand fokussieren, so Schmidt weiter, im Zuge der Neuordnung gingen die Zahlen hier leicht zurück von 923 Millionen Euro in 2024 auf rund 878 Millionen in 2025.

Mit den Gewohnheiten der Kunden und mit der Zeit müsse man gehen, meint man bei der VR Bank, rein digitale Angebote wie in jüngster Zeit aus dem Boden sprießende „Neobanken“ müsse man skeptisch betrachten. Die klassische Beratung von Angesicht zu Angesicht werde für das eigene Haus ein Eckpfeiler bleiben, um dieses Versprechen halten zu können brauche es aber nicht nur Raum, sondern auch Personal. Für den nötigen Nachwuchs sorgt man am besten selbst, knapp 10 Prozent der Belegschaft befinden sich aktuell in Ausbildung. Zudem hat man in Kooperation mit der Hochschule Nordhausen einen dualen Studiengang ins Leben gerufen, in dem zur Zeit vier Nachwuchskräfte auf ihren Abschluss hinarbeiten.

Auch das ein gutes Zeichen für Nordhausen als Standort, weitere Veränderungen im Filialnetz seien für den Landkreis erst einmal nicht zu erwarten, versichert Schmidt. Das gilt auch die Filiale in Salza, die Zeichen hier stehen ebenfalls auf „Grün“.
Angelo Glashagel
    
nordthueringen.de bei Google bevorzugen