Meine Meinung

Wo sind die Wanderschutzhütten im Landkreis?

Urlaubszeit ist Wanderzeit. Was aber, wenn es plötzlich stark regnet oder stürmt? Wo können die Wanderer im Thüringer Südharz Schutz finden? – In den beliebten Finnhütten jedenfalls nicht mehr: Viele von ihnen wurden im Landkreis Nordhausen abgebaut, bedauert nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg...


Sollte es aber nach 1989 mit der Infrastruktur nicht bergauf gehen? In den Wäldern ist das, von Ausnahmen abgesehen, oft nicht passiert: Wege werden teilweise nicht mehr offengehalten, die Markierungen sind mitunter lückenhaft, und dann ist da noch die Hüttenproblematik: Zu DDR-Zeiten wusste ich ganz genau, wo ich geschützt pausieren konnte im Thüringer Südharz. Ich hatte alle wesentlichen Schutzhütten im Kopf. Aber kaum eine von denen gibt es noch im Landkreis:

Nicht die Hütte zwischen Rüdigsdorf und Neustadt oberhalb des Marktals, auch nicht die beiden Hütten am Weg zwischen Netzkater und dem Poppenberg und auch nicht die Hütte im Brandesbachtal zwischen Netzkater und dem Hufhaus. Eine weitere Hütte stand am Schwarzen Weg zwischen Himmelgarten und Steigerthal, sie wurde in den letzten Jahren gegen eine zugige nach einer Längsseite vollkommen offene Sitzwand ersetzt. Auch am Stein 100 im Alten Stolberg stand eine Hütte, die meine Wanderfreunde und ich während des Hunderters von Nordhausen nach Halle einst ab und an für eine kurze Pause nutzten.

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Symbol des Niedergangs der Wanderinfrastruktur: Mal sehen, wie schnell diese zwischen Sollstedt und Obergebra gelegene Ruine nach diesem Artikel "aus Sicherheitsgründen" abgerissen wird. Oder wird sie unter Denkmalschutz gestellt? (Foto: Bodo Schwarzberg)

Ein Sinnbild für den Verfall der Hüttenkultur steht noch zwischen Obergebra und Sollstedt am Südhang der Bleicheröde Berge (Foto). Diese jedoch ist so verfallen, dass sie als Schutzhütte eigentlich nicht mehr nutzbar ist.

Wanderschutzhütten waren in den DDR-Wanderkarten meist als wichtige Hinweiszeichen abgedruckt. Die Wanderer wussten, dass man dort bei jedem Wetter pausieren, sich umziehen oder einfach nur ausruhen konnte. Sie hatten eine Sicherungs- und im wahrsten Wortsinne Schutzfunktion.

Die meisten der oben genannten, einstigen Schutzhütten aber wurden im Landkreis durch zugige, allseits offene und lediglich mit einem spitzen Dach versehene Sitzbänke ersetzt, auf denen sich der Wanderer nicht einmal mehr anlehnen kann.

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Am 16. März 2018 konnte man sich in der Wanderschutzhütte auf dem Poppenberg noch vor kaltem Winterwetter schützen,.... (Foto: Bodo Schwarzberg)

Möchten der Landkreis, Forstämter und beispielsweise auch der Naturpark den recht niedrigen Übernachtungszahlen auf diese Weise etwas Positives entgegensetzen? So jedenfalls dürfte ein Sprung aus dem unteren Mittelfeld nach oben eher nicht gelingen.

Fragt man KI, warum es im Landkreis Nordhausen weniger feste Wanderschutzhütten als während der DDR-Zeit gibt, so sind die Auskünfte ein Spiegelbild des Versagens und der Kapitulation: Sie wurden demnach wegen Vandalismus‘, Vermüllung, fehlenden Mitteln und Kontrollen, aus Sicherheitsgründen und, man lese und staune, auch aus Gründen eines Konzeptwechsels abgebaut: Landkreis und Tourismusverbände hätten demnach „pflegeleichtere Konzepte“ mit „offenen Sitzgruppen“ favorisiert. Manchmal wünschte ich schon, dass KI weniger oft die Wahrheit sagt.

Dies aber ist mal wieder ein Armutszeugnis: Denn bereits der Nachbarlandkreis Harz macht es anders. Mir fallen sofort zwei intakte, historische Wanderschutzhütten kurz hinter der Kreisgrenze zu Nordhausen ein: eine an der Dammbachswiese bei Rothesütte und eine in der Nähe des Haltepunkts Birkenmoor. Beide Hütten sind in Top-Zustand. Aber auch in anderen Landkreisen kümmert man sich mehr um die Bedürfnisse der Wanderer. Beispielsweise ist bei Eisenach Online am 15.Juli 2025 vom Neubau der stabilen Schutzhütte „Ruhlaer Häuschen“ durch das Forstamt Marksuhl zu lesen.

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...am 25.06.2023 wäre das in Ermangelung einer Schutzhütte kaum noch möglich gewesen. Glücklicherweise war an diesem Tage ruhiges Wetter. (Foto: B. Schwarzberg)

Oder wandern Sie mal durch die Wälder des Thüringer Vogtlandes im Landkreis Greiz: Dort gibt es geradezu eine Flut von stabilen Blockwanderhütten unterschiedlichster Bauart, die wahrscheinlich auch teuer waren. Geben Sie mal in eine Suchmaschine „Wanderschutzhütten Landkreis Greiz“ ein, dann offenbart sich Ihnen diese unglaubliche Vielfalt.

Nicht vergessen werden sollte natürlich, dass wir im Landkreis Nordhausen glücklicherweise einige Menschen haben, die sich hingebungsvoll um die wenigen verbliebenen „echten“ Wanderschutzhütten bemühen. Die Schutzhütten am Roten Schuss bei Ellrich und bei Appenrode in Richtung Steinmühlental sind etwas ganz Besonderes und laden zum Verweilen ein. Sie zeugen auch von viel Liebe zum Detail, vor allem aber von Eigeninitiative gegen einen traurigen Abwärtsrend.

Den sanften Tourismus zu fördern aber, dem sollten sich die Verantwortlichen, von Naturpark, über Forst- bis hin zum Landratsamt bitte nicht so entziehen, wie es nach außen mitunter in Erscheinung tritt.

Der 17 Millionen Euro teure Hexenbesen bei Rothesütte oder auch der ich glaube 200.000 Euro teure Aussichtsturm des Landschaftspflegeverbandes Südharz-Kyffhäuser bei Rüdigsdorf sind aber leider solche Erscheinungen: Während die Wanderinfrastruktur abgesehen von Ausnahmen vernachlässigt wird und nicht einmal genügend Geld für die Erhaltung mancher Wege und von vor Wetterunbilden schützende Holzhütten vorhanden ist, werden Millionen in nur punktuell wirksame Vorzeigeobjekte gesteckt.

Bitte fragen Sie doch in den genannten Landkreisen nach, wie die es so erfolgreich hinbekommen und bauen Sie die alten Hütten wieder auf. Vielleicht wirft ja der Hexenbesen ein wenig Geld dafür ab.

Das wegen Vandalismus oder fehlendem Kontrollpersonal nicht zu tun, ist eine traurige Ausrede, denn diese Probleme gibt es nicht nur im Landkreis Nordhausen. Ein Nebeneinander der alten Finnhütten und der neuen offenen Sitzgelegenheiten wäre doch ideal?

Ich selbst mag mich einfach nicht mehr schämen wollen, wenn ich mit Wanderfreunden aus vielen Teilen Deutschlands durch unsere Region wandere und sie zum Beispiel erinnern muss: „Wisst ihr noch, hier haben wir mal bei scheußlichem Wetter im Trockenen gesessen und eine tolle Pause gemacht.“
Bodo Schwarzberg
    
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