Nachgehakt

Kommt die Verwaltung ihrer Pflicht nicht nach?

Schön arbeitet, lebt und wohnt es sich in den alten, liebevoll sanierten Bürgerhäusern entlang der Grimmelallee. Doch zwischen Grimmel und Zillestraße macht das Arbeiten, Leben und Wohnen seit Jahren nicht mehr so richtig Spaß und Freude...

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Diese große Platane bereitet den Anliegern große Sorgen (Foto: nnz)

Der Grund: eine riesige Platane. Wunderschön anzusehen, überragt der Baum mittlerweile die bis zu? Meter hohen Häuser von Manuela Letzel oder der Familie Schieke. Die Schönheit der Platane hat jedoch - vor allem für Mieter und Vermieter - auch ihre Schattenseiten. Jährlich müssen die Eigentümer Reinigungsfirmen beauftragen, die mit Hubsteigern oder gar Gerüsten die Platane-Hinterlassenschaften entfernen. Vierstellige Beträge kommen da zustande, die auf die Mieter umgelegt werden.

In einem Schreiben an das Nordhäuser Rathaus machte Stefan Schieke auf diese Tatsache aufmerksam und bat um - laienhaft ausgedrückt - Zurückstutzen des Baumes, der unter anderem auch in das Lichtraumprofil der “Fahrradstraße” hineinragt.

Die Platane ist nicht nur imposant, sie “produziert” auch jede Menge biologische Stoffe (Blätter und Früchte), die sich auf städtischen Grund und Boden, aber direkt vor den privaten Grundstücken ansammelt und - so die Meinung der Anlieger - von der Stadtverwaltung nicht beräumt werden, obwohl eine Straßenreinigungsgebühr von den Grundstückseigentümern erhoben wird.

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Fordern die Stadtverwaltung zum Handeln auf: Stefan Schieke, Sebastian Bauerhin, Manuela Letzel, Marko Fische und Alfons Lins (Foto: nnz)
Die fünf Hauseigentümer, auch die in Richtung Zillestraße schildern im Gespräch mit der nnz nicht nur ihre Probleme, sondern erwarten vom Rathaus eine Besserung wie das Pflegen der Gehölze, eine regelmäßige Straßenreinigung und ein Zurückschneiden der über die Dächer ragenden Bäume. Und vor allem das regelmäßige Entfernen des Totholzes, das ihrer Meinung nach auch eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer in diesem Bereich darstellt. Im Klartext, es geht nicht nur um die Platane, sondern um die nötige Sauberkeit, die von der Stadtverwaltung auf öffentlichen Grundstücken herzustellen ist. Dazu gehöre auch die Entsorgung der Blätter und Blüten sowie das Freimachen von verstopften Wassereinläufen vom Grimmel bis zur Zillestraße.

Die Antwort aus dem Rathaus von Stadtförster Axel Axt war ernüchternd: “Sehr geehrter Herr Schieke, Ihrem Anliegen an der Platane, auf Grund der von Ihnen angeführten Beeinträchtigungen, umfangreiche Baumpflegearbeiten (Reduzierung des Kronenvolumens) kann nicht entsprochen werden. Diese Maßnahme führt zur Schädigung des Baumes … Das führt zu erhöhten Aufwand in der Baumpflege und der Baumkontrolle”.

So weit, so schlecht für die “Bittsteller”. Doch die Antwort des Herrn Axt sollte hinterfragt werden. Allein der Teil zur Schnittverträglichkeit. Die allgegenwärtige KI danach befragt, gibt zur Antwort: “Platanen vertragen selbst radikale Rückschnitte problemlos. In Städten sieht man sie daher häufig als kastenförmig oder flach ("Dach-Platane") erzogene Schattenspender.”

Doch es kommt noch schlimmer. In der Familie Schieke leiden einige Personen am sogenannten “Platanenhusten”. Der ist “keine klassische Pollenallergie, sondern eine mechanische Reizung der Atemwege. Verursacht wird er durch winzige Sternhärchen (Trichome) an den jungen Blättern und Knospen der Platane. Bei Trockenheit und Wind brechen diese feinen Härchen ab, gelangen in die Luft und reizen Augen, Nase und Hals”, stellt die hessische Landesärztekammer fest.

Doch wie nun weiter? Wir haben den Biologen und nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg befragt und seine Antwort könnte zwar nicht die Lösung aller Probleme in der Grimmelallee sein, aber dem Rathaus eine Brücke bauen: “Der Fall mit der Platane ist auch aus anderen Gründen aus meiner Sicht ungeschickt: Man stößt offensichtlich Unternehmer und Grundstückseigentümer vor den Kopf, ohne die die Stadt in summa ziemlich dumm dastehen würde wegen der Steuern, dem Arbeitsmarkt und dem Wohlfühlgefühl der Leute. Der Schaden, der hier seitens der Stadt angerichtet wird, ist wohl größer, als wenn sie den Baum stärker stutzen würde. Hier stimmt die Verhältnismäßigkeit in vielerlei Hinsicht aus meiner Sicht nicht”, schreibt uns Bodo Schwarzberg und zeigt einen möglichen Weg auf: “Man hätte ja auch sagen können: Gut, wir kümmern uns um die Platane in eurem Sinne. Und dafür finanziert ihr zwei oder drei hochstämmige Ersatzbäume in der Stadt.”
Peter-Stefan Greiner
    
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