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Ellrich verwildert und mit der Stadt ihre Ortsteile

Wer heute mit offenen Augen durch Ellrich geht, sieht es überall. Unkraut an Straßen und Gehwegen, ungepflegte Grünanlagen und Wiesen, die inzwischen so hoch stehen, dass man Sitzbänke kaum noch erkennen kann. Auch in den Ortsteilen zeigt sich dieses Bild, besonders in Sülzhayn, schreibt uns eine nnz-Leserin…

Viele Bürger ärgern sich darüber. Und sie haben Recht. Doch die Ursachen liegen tiefer, als nur auf den Bauhof oder die Stadtverwaltung zu zeigen.
Der Bauhof leistet, was möglich ist. Doch mit einer dauerhaft zu geringen Personaldecke können Ellrich und seine Ortsteile nicht in dem Maße gepflegt werden, wie es notwendig wäre. Wo Menschen fehlen, bleiben Aufgaben liegen.

Gleichzeitig ruht immer mehr Verantwortung auf den Schultern weniger Ehrenamtlicher. Es sind seit Jahren dieselben Menschen, die Veranstaltungen organisieren, Grünflächen pflegen, Bänke streichen oder sich um das Ortsbild kümmern. Sie tun das aus Liebe zu ihrer Heimat und nicht, weil sie müssen.


Gerade Sülzhayn trägt seit 2015 eine besondere Last und übernimmt damit Verantwortung für die gesamte Region. Die Gemeinschaftsunterkunft wird seit Jahren immer wieder neu belegt, ohne dass eine langfristige Perspektive erkennbar ist. Viele Bürger fragen sich deshalb, wie lange dieser Zustand noch andauern soll. Es braucht endlich Konzepte, die über eine reine Unterbringung hinausgehen. Wer dauerhaft hier lebt, sollte die Chance erhalten, sich zu integrieren, Deutsch zu lernen und einer Beschäftigung nachzugehen. Integration gelingt nicht durch Stillstand, sondern durch Teilhabe und davon profitieren am Ende alle.
Immer wieder haben Bürger Verantwortung übernommen, Ideen entwickelt und Projekte auf den Weg gebracht. Doch wie lange soll das noch so weitergehen, wenn man bei Zukunftsfragen immer wieder das Gefühl hat, vom Landkreis und anderen Verantwortlichen allein gelassen zu werden? Woher soll die Motivation kommen, wenn Einsatz und Ideen kaum Unterstützung erfahren?

Viele Menschen in Sülzhayn fragen sich inzwischen, warum andernorts investiert wird, während man selbst immer wieder vertröstet wird. Dieser Eindruck muss ernst genommen werden. Denn Ehrenamt lebt von Wertschätzung und die zeigt sich nicht nur in Worten, sondern auch darin, dass Orte eine echte Perspektive erhalten.

Hinzu kommt, dass früher viele einfache Arbeiten von Ein-Euro-Jobbern übernommen wurden. Diese Unterstützung gibt es nicht mehr. Die Aufgaben sind geblieben, doch die helfenden Hände fehlen.
Was zusätzlich nachdenklich stimmt: Immer weniger Menschen sind bereit, Verantwortung für ihre Heimat zu übernehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand seit Generationen hier lebt oder erst vor wenigen Jahren nach Ellrich oder in einen Ortsteil gezogen ist. Wer hier lebt, profitiert von einer funktionierenden Gemeinschaft und kann auch selbst einen Beitrag dazu leisten. Gemeinschaft entsteht nicht von allein. Sie lebt davon, dass möglichst viele mitmachen.

Natürlich muss die Politik ihren Teil leisten. Der Bauhof braucht endlich die personellen Möglichkeiten, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Gleichzeitig brauchen Ellrich und seine Ortsteile eine faire Entwicklungsperspektive. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass manche Orte immer wieder bedacht werden, während andere um jede Kleinigkeit kämpfen müssen.

Ellrich ist mehr als seine Kernstadt. Zu Ellrich gehören starke Ortsteile wie Sülzhayn, die über Jahre bewiesen haben, was Gemeinschaft bewirken kann. Dieses Engagement darf nicht selbstverständlich sein. Es braucht Anerkennung, Unterstützung und vor allem das Gefühl, dass sich Einsatz lohnt.

Wenn wir zulassen, dass die wenigen Engagierten irgendwann aufgeben, verlieren wir weit mehr als gepflegte Grünflächen. Wir verlieren den Zusammenhalt, der unsere Stadt und ihre Ortsteile lebenswert macht.
Deshalb ist jetzt die Zeit, Verantwortung neu zu verteilen. An die Politik, an die Verwaltungen, aber genauso an uns alle. Denn Heimat lebt nicht von Zuschauern. Heimat lebt von Menschen, die bereit sind, gemeinsam Zukunft zu gestalten.

Heimat beginnt vor der eigenen Haustür. Wenn jeder bereit wäre, ein kleines Stück Verantwortung zu übernehmen – sei es durch das Kehren des Gehwegs, das Entfernen von Unkraut oder das Pflegen eines Grünstreifens, würde sich das Ortsbild von Ellrich und seinen Ortsteilen sichtbar verändern. Gemeinschaft lebt nicht davon, dass wenige alles machen, sondern dass viele ein bisschen beitragen
I. Kalbitz
    
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