Alles neu bei Wacker: der zu Beginn der Woche neu gewählte Vorstand stellte sich gestern im Albert-Kuntz-Sportpark der neuen Mannschaft vor. Bis zum Ende des Jahres will man das Vereinsschiff wieder in sicheres Fahrwasser bringen, nach den ersten Tagen ist aber auch klar: Die Aufgabe wird größer als gedacht…
Der neue Wacker-Vorstand stellte sich gestern der 1. Mannschaft vor (Foto: agl)
Antrittsbesuch im AKS: der frisch gekürte Wackervorstand aus Mario Goldberg, Sebastian Watterodt, Michael Meier, Julia Adam und Dr. Mihai Mociran besuchte gestern die 1. Mannschaft vor dem Training und stellte sich in der Kabine vor.
Mit dabei war auch die Presse, nur ein kurzes Kennen-Lernen, Zeit für ein paar Fotos aber immerhin: Das hat es so bei Wacker in den letzten Jahren nicht gegeben. Den neuen Vorsitzenden bekommt man einen Tag später ohne weiteres ans Telefon, Goldberg spricht wie in der Kabine frank und frei über das, was auf den Verein zukommt.
Man kann mich auch Goldi nennen, offeriert er gestern den Spielern der Ersten und verbreitet Zuversicht. Ja, die Zeiten seien schwer und der neue Vorstand bewege sich nach den ersten Tagen noch auf unbekanntem Terrain, aber einem Neustart wohne immer auch etwas Gutes inne. Offene und mitunter schwierige Fragen gelte es zu lösen und weiteren Schaden vom Verein abzuwenden, bis Ende des Jahres hoffe man, die Geschicke Wackers wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Nordhausen habe Riesenpotential, mit weniger internem Stress und neuen Spielern werde man in Zukunft auch wieder oben angreifen können.
Das wird eine Aufgabe
Hätte er vor vier Wochen gewusst, was auf ihn zukommt, hätte er wahrscheinlich dankend abgelehnt, meint Goldberg im Gespräch mit der nnz, nach den ersten Tagen habe sich gezeigt, dass es im Verein zuletzt an Struktur gefehlt habe und mehr im Argen liegt, als gedacht. Wir müssen gerade das eine oder andere böse Telefonat führen, die Übergabe ist bisher nicht sauber gelaufen. Da sind Vorgänge dabei, teilweise schon sehr alt, die dringend gelöst werden müssen. Aber ich bin guter Dinge, das wir Lösungen finden werden. Das Ganze wird eine Herkulesaufgabe, aber wenn alle an einem Strang ziehen, ist das zu schaffen, sagt Goldberg.
Aktuelle Sorge: dem Verein wurde wegen offener Forderungen vom Finanzamt ein Konto gepfändet und das ist nur eine Baustelle von vielen. Es gibt auch Leute, die einem gratulieren. Nordhausen und Wacker haben immer noch einen guten Namen. Wir müssen jetzt sauber und transparent aufarbeiten, was passiert ist, uns ein Bild von der Lage machen und offen und ehrlich miteinander umgehen, sagt Goldberg. Die Übergabe des Staffelstabes mit dem alten Vorstand hätte besser anlaufen können, man müsse aber auch würdigen, das es vor allem Torsten Klaus war, der nach der Insolvenz die Fahne des Vereins hochgehalten und Verantwortung übernommen hat.
Völlig unbeleckt in Sachen Vereinsführung ist auch Goldberg nicht, bei seinem Heimatverein, dem FC Union Mühlhausen, hat der Unternehmer sechs Jahre lang in verschiedenen Positionen Verantwortung übernommen, obwohl er selber nicht aus dem Fußball, sondern der Leichtathletik kommt. Angefangen hat das damit, dass ich für die Nachwuchsmannschaft meines Sohnes das Training übernommen habe. Dann kam eins zum anderen, erzählt Goldberg, der Verein hat jemanden gebraucht, der auch mal auf den Tisch haut und so ein Typ bin ich. Bei Union gibt es inzwischen gute Strukturen und als ich dann von einem Bekannten nach Wacker gefragt wurde und mich ein bisschen informiert hatte, dachte ich: Das wäre noch einmal eine Aufgabe.
v.l.: Sebastian Watterodt, Michael Meier, Mario Goldberg, Julia Adam, Dr. Mihai Mociran (Foto: agl)
Das die nun größer ausfällt, als gedacht ist nicht mehr zu ändern, mit dem vergleichsweise kleinen Vorstand werde sich aber gut arbeiten lassen. Mit Sebastian Watterodt würde Goldberg gerne eine Doppelspitze bilden, dazu muss die Satzung geändert werden, ehe dass passieren kann fordert die Bürokratie an anderer Stelle Tribut - es gibt viel zu tun und man wird Zeit brauchen um die Dinge so zu richten, wie man sie haben will. So ein Verein steht und fällt nicht mit dem Vorstand, sondern mit Spielern, Trainern, Eltern und auch den Sponsoren. Wenn wir einen Schritt nach dem anderen machen, dann bin ich guter Dinge, das wir bis Ende des Jahres alles wieder einigermaßen rund haben, sagt Goldberg. Worte, die der Neue am Donnerstag auch für seine Spieler findet, neben einer Portion Zuversicht und Hoffnung gab es außerdem zwei Kästen Bier für Wackers Erste. Für den Anfang sicher nicht verkehrte Geste. Angelo Glashagel