Hitzewellen, Sauerstoffmangel und schwindende Fischbestände zeigen immer deutlicher, wie stark Nord- und Ostsee bereits unter den Folgen der Klimakrise leiden. Laut EU-Klimadienst Copernicus war das Oberflächenwasser der Ostsee im Juni nie wärmer als aktuell...
Ostseestrand (nnz Archiv) (Foto: nnz)
Anlässlich der Vorstellung der Eckpunkte eines Aktionsplans Meer durch das Bundesumweltministerium fordert der NABU, die Widerstandsfähigkeit der Meere gezielt zu stärken und Meeresschutzgebiete zu echten Rückzugsräumen für die Natur weiterzuentwickeln.
Nord- und Ostsee leiden unter zu hohen Nährstoffeinträgen, nicht nachhaltiger Fischerei, Industrialisierung und immer stärker unter den Folgen der Erderwärmung. Besonders die Ostsee ist als Binnenmeer mit geringem Wasseraustausch ein Brennglas der Überlastung und Erhitzung der Meere. Während wichtige Fischbestände wie Dorsch und Hering eingebrochen sind, breiten sich lebensfeindliche, sauerstoffarme Regionen immer weiter aus. Die Ostsee ist an ihrer ökologischen Belastungsgrenze.
Meeresschutz ist Klimaschutz. Der Schutz von Nord- und Ostsee muss jetzt zur politischen Priorität werden, sagt Kim Cornelius Detloff, NABU-Meeresexperte. Intakte Meeres- und Küstenökosysteme schützen Arten, speichern Kohlenstoff und machen unsere Küsten widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise. Sie sind die Grundlage der Menschen, die von Fischerei und Tourismus leben und gerade in Zeiten von Hitzewellen unverzichtbarer Erholungsraum.
Der NABU unterstützt den Aktionsplan Meer des Bundesumweltministeriums als wichtiges Zeichen für eine meerespolitische Trendwende, um den überfälligen guten Umweltzustand nach EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zu erreichen. Jetzt kommt es darauf an, dass daraus über den Sommer ambitionierte Meeresschutzmaßnahmen werden, die von allen Ressorts gemeinsam getragen werden.
Rund 45 Prozent der deutschen Nord- und Ostsee stehen bereits unter Schutz. Jetzt müssen diese Gebiete zu wirksamen Ruhezonen werden, die eine Erholung von Fischbeständen und geschädigten Lebensräumen wie Riffen und Seegraswiesen ermöglichen.
In der Pflicht sieht der NABU jetzt insbesondere die Landwirtschaftsministerien in Bund und Ländern mit der Regulierung der Stellnetzfischerei und dem Ausschluss der grundberührenden Fischerei in Schutzgebieten sowie das Bundesverkehrsministerium. Die Schifffahrt beansprucht heute etwa die Hälfte der Nord- und Ostseefläche. Zu viel angesichts der Flächenkonkurrenz auf dem Meer. Das Bundesverkehrsministerium setzt die Natur mit seiner Beschleunigungsagenda massiv unter Druck. Jetzt muss es zeigen, dass es im Meer für Ausgleich sorgen will, Schifffahrtslinien neu plant und das Bundesumweltministerium darin unterstützt, Schutzgebiete wirksam zu machen, mahnt Detloff. Nur gesunde Meere können ihre unverzichtbaren Funktionen für Klima, Natur und Menschen dauerhaft erfüllen.