Nachgehakt

Sundhäuser Bürger sind entsetzt

Ich kann mich nicht erinnern, wann in Deutschland das Wort “Bürokratieabbau” kreiert wurde. So richtig merkt der normale Bürger, der von der Bürokratie eher als störend empfunden wird, das nicht. Doch in Nordhausen gibt es jetzt von der unteren Denkmalschutzbehörde ein “Lebenszeichen”...

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Links die Tafel mit dem alten Sockel, rechts mit dem neuen Sockel (Foto: privat)

Es war im November des vergangenen Jahres, exakt am Volkstrauertag. Da berichtete die nnz über einen besonderen Gottesdienst in der Sundhäuser Kirche. Im Mittelpunkt all dessen stand die Einweihung einer neu gestalteten Gedenktafel für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Die Tafel, die ausschließlich von Spenden gestaltet wurde, fand ihren Platz auf dem Sockel, der augenscheinlich “in die Jahre” gekommen war. Schon damals stand für die Initiatoren fest, dass der Sockel ebenfalls neu gestaltet werden musste. Wieder wurde die “Sammelbüchse herumgereicht”. Wieder wurde die gefüllt und der Sockel, um den sich rund 100 Jahre keine Bürokratie kümmerte, war nun plötzlich Gegenstand amtlicher Schreiben.

Zum bürokratischen Ablauf: Am 1. April 2026 wurde die Instandsetzung des Sockels des Kriegerdenkmals, das als Kulturdenkmal ausgewiesen ist, beantragt. Zwei Monate brauchte die Untere Denkmalschutzbehörde für die Bearbeitung des vermutlich komplexen Vorgangs. Soweit, so schlecht für die agilen Sundhäuser. Die hatten den bestehenden, sehr marode anzusehenden Sockel mit Fliesen durch einen Fachmann verblenden lassen. Insgesamt kamen 6.500 Euro an Spenden für Tafel und Sockel zusammen.

Dieser unerhörte Vorgang wiederum schreckte die Denkmalschützer im Nordhäuser Rathaus auf. Wer schon einmal mit der Bürokratie im Rathaus zu tun hatte weiß um den Umstand, dass eine aufgeschreckte Maschine so richtig in Gang kommen kann. Die im Rathaus kam in Gang. Das Ergebnis: Die Fliesen müssen ab.

“Ich wollte das alles nicht so richtig glauben”, berichtet der immer noch fassungslose Alfred Krause der nnz. 100 Jahre hat sich niemand um das Denkmal gekümmert, nun allerdings bekam die Denkmalschutzbehörde Kenntnis von der frevelhaften Umgestaltung. Und festgemeißelt wie die Namen der Kriegstoten stand fest: der Sockel muss verputzt werden. Und damit dann alles auch die nächsten 100 Jahre seine Richtigkeit hat, sollen die Sundhäuser eine Fotodokumentation vorlegen.

Ja, wenn sie einmal im Laufen ist, unsere Bürokratie. Die arbeitet derweil weiter an ihrem eigenen Rückbau, doch vielleicht gibt es ja - ausnahmsweise - einen Kompromiss, hoffen die Sundhäuser.
Peter-Stefan Greiner
    
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