Schülerverhalten ist größte Belastung für Lehrkräfte
Für Lehrkräfte in Deutschland wird es immer schwieriger, eine gute Lernatmosphäre im Klassenzimmer zu schaffen. Der Umgang mit dem Verhalten ihrer Schüler ist für fast jede zweite Lehrkraft (46 Prozent) die größte berufliche Belastung – ein Wert, der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist (2024: 35 Prozent; 2025: 42 Prozent). Das ist ein Ergebnis des heute veröffentlichten Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung. Wir haben die Einzelheiten...
Schule Stress (Foto: kp yamu Jayanath auf Pixabay)
Hinter dem Verhalten der Kinder und Jugendlichen steckt den Ergebnissen zufolge mehr als bloße Disziplinlosigkeit. Viele Schüler haben demnach Mühe, sich in eine Gruppe einzufügen (25 Prozent) oder können sich nur schwer zum Lernen motivieren (13 Prozent). Die Lehrkräfte wissen, so die Studie, dass sie zunehmend auch Fähigkeiten fördern müssen, die über reines Fachwissen hinausgehen. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählen Einfühlungsvermögen, Selbstorganisation oder kritisches Denken. Die Bereitschaft, hier anzusetzen, ist groß: 82 Prozent der Befragten würden sich gerne in genau diesem Bereich weiterbilden. Allerdings fühlt sich mehr als ein Drittel (36 Prozent) dabei auf sich allein gestellt.
Lehrkräfte leisten heute weit mehr als reinen Fachunterricht – und damit dürfen wir sie nicht allein lassen", sagt Dr. Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung. Das große Interesse an Fortbildungen ist eine echte Chance, die wir nutzen sollten, um Lehrkräfte beim Umgang mit schwierigen Unterrichtssituationen gezielt zu stärken. Aber das reicht nicht aus. Schulen brauchen dringend multiprofessionelle Teams – also mehr Fachleute wie Sozialarbeiter oder Schulpsychologen, aber auch Unterstützung durch Verwaltungskräfte und IT-Spezialisten –, damit Lehrkräfte sich wieder voll auf das konzentrieren können, was ihre eigentliche Aufgabe ist: guten Unterricht."
Demokratiebildung: Zwischen hohem Anspruch und viel Unsicherheit
Demokratiebildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Schule. Viele Lehrkräfte sehen hier jedoch noch Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) findet, dass ihre Schule in diesem Bereich mehr tun sollte – an Schulen in sozial schwierigen Lagen sind es sogar 54 Prozent. Als Hauptgründe dafür nennen sie fehlende Zeit und zu wenig Fachwissen im Kollegium.
Erstmals zeigt das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, wie unsicher Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen sind: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt. Irrtümlicherweise glaubt ein Viertel der Befragten (27 Prozent), die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen.
Schule ist der Ort, an dem junge Menschen Demokratie nicht nur lernen, sondern auch erleben, so Dr. Katharina Thoren. Lehrkräfte müssen hier eine klare Rolle einnehmen können. Ihr Auftrag ist es nicht, neutral zu sein, sondern auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Haltung zu zeigen. Dafür brauchen sie Rückendeckung – von Schulleitung, Schulaufsicht und Schulbehörde. Und natürlich auch gutes Lehrmaterial und professionelle Beratung, die ihnen im Alltag weiterhilft.
Künstliche Intelligenz: Vom Experiment zur Routine
KI-Anwendungen gehören im Lehrerzimmer zunehmend zum Arbeitsalltag. Der Anteil der Lehrkräfte, die mehrmals pro Woche mit KI arbeiten, hat sich auf 25 Prozent mehr als verdoppelt (2025: 11 Prozent). Fast die Hälfte (48 Prozent) fühlt sich inzwischen sicher im Umgang mit den KI-Tools. Besonders beliebt ist KI als digitaler Helfer beim Erstellen von Aufgaben (64 Prozent) und bei der Unterrichtsplanung (58 Prozent). Dennoch äußert mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (52 Prozent) Bedarf an Fortbildungen.
Trotz hoher Zufriedenheit: Wechselbereitschaft bei Lehrkräften bleibt hoch
Wie in den Vorjahren steht der großen beruflichen Zufriedenheit (83 Prozent) eine unverändert hohe Wechselbereitschaft gegenüber: Etwas mehr als ein Viertel der Lehrkräfte (28 Prozent) würde den Beruf aufgeben, wenn sich eine Alternative böte. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch an Grundschulen sowie an Haupt-, Real- und Gesamtschulen.
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