Hochschule Nordhausen

Mit ZO.RRO gegen CO2

Klimaneutrale Produktion ist kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits heute wirtschaftlich planbar und umsetzbar. Das zeigen die Ergebnisse der Thüringer Verbundprojekte ZO.RRO II KMU und ZO.RRO 2 for Glass Industry auf der heutigen Abschlusskonferenz in der IHK Erfurt vor rund 100 Teilnehmenden aus Wirtschaft, Forschung und Politik...

Seit 2019 entwickeln Partner aus Wissenschaft und Industrie im Energieprojektverbund „ZO.RRO – Zero Carbon Cross Energy System“ mit Bundes- und Landesförderung Lösungen für eine klimaneutrale, sichere und wirtschaftliche Energieversorgung. Im Mittelpunkt stehen kleine und mittlere Unternehmen sowie energieintensive Branchen wie Glas, Metall, Chemie, Keramik, Maschinenbau und Elektronik.

„Die Ergebnisse des Projekts geben wichtige Impulse für Thüringen und darüber hinaus“, betont Thüringens Energieminister Tilo Kummer. „Eine verbesserte Energieeffizienz und eine möglichst krisenfeste und bezahlbare Energieversorgung ist eine Chance für die regionale Wirtschaft. Wer seine Energieversorgung strategisch umbaut, kann Kosten senken, unabhängiger von Preisschwankungen werden und damit Standorte und Arbeitsplätze sichern.“


Ein wesentliches Projektergebnis lautet: Es gibt keine pauschale Standardlösung für die Dekarbonisierung industrieller Standorte. Stattdessen benötigen Unternehmen maßgeschneiderte Transformationspfade, die technische Möglichkeiten, Investitionskosten, Produktionsprozesse und Energiebedarf zusammen denken. Genau dafür wurden im Projekt digitale Werkzeuge entwickelt – von der Bestandsanalyse über Simulationen bis zur konkreten Umsetzungsplanung.

Zum Einsatz kamen unter anderem Energiesystemsimulationen und KI-gestützte Analysewerkzeuge. Sie helfen Unternehmen, Investitionsentscheidungen faktenbasiert zu treffen, Anlagen effizient zu steuern und die Energieversorgung sowie Produktion besser aufeinander abzustimmen.

Auch über einzelne Unternehmen hinaus liefert ZO.RRO wichtige Erkenntnisse: Die Hochschule Nordhausen entwickelte mit der Energiesystemmodellierung ein leistungsfähiges Open-Source-Werkzeug, mit dem nicht nur Unternehmensstandorte, sondern auch ganze Regionen, wie der Freistaat Thüringen, Szenarien für die künftige Energieversorgung berechnen können. „Damit entstehen faktenbasierte Grundlagen für unternehmerische Entscheidungen, die mittels Parametervariationen in unterschiedlichen Szenarien abgesichert werden können“, so Professor Viktor Wesselak von der Hochschule Nordhausen.

Bild:
Fabian Hoppe (HM Heizkörper GmbH Heating Technology/ThEEN), Dr.-Ing. Steffen Schlegel (TU Ilmenau), Kristin Weiß (Stadtwerke Jena Netze GmbH/ ThEEN), Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dirk Westermann (TU Ilmenau), Tilo Kummer (TMUENF), Dr. Jana Liebe (ThEEN), Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak (HS Nordhausen) (Foto: ThEEN 2026)

Im Landesprojekt ZO.RRO II KMU, gefördert durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten, untersuchte zudem das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) e.V. Betriebe aus mehreren Thüringer Industriebranchen. Übergreifend zeigte sich: Der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere Photovoltaik –, der gezielte Einsatz von Speichern, flexible Produktionsprozesse und intelligentes Energiemanagement bieten erhebliche wirtschaftliche Potenziale. Ein zentraler Kostenhebel ist zudem die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Häufig erweisen sich Wärmepumpen dabei als besonders effiziente Lösung. Entscheidend ist eine belastbare Datengrundlage: Messtechnik und kontinuierliches Energiemonitoring machen Einsparpotenziale sichtbar und bilden die Basis für fundierte Investitionsentscheidungen.

Als konkrete Unterstützung für Unternehmen veröffentlicht ThEEN die kompakte Ergebnisbroschüre „Energiekosten senken. Zukunft sichern.“. Diese zeigt KMU praxisnah, wie sie den Weg zur klimaneutralen Produktion strukturiert angehen können – von der Analyse des Energieverbrauchs bis hin zur Entwicklung einer langfristigen Umsetzungsstrategie. Die Broschüre steht kostenfrei zum Download bereit: [LINK - https://zorro-thueringen.de/projekte/zo-rro-ii-kmu]

Im Bundesprojekt ZO.RRO 2 – Zero Carbon Cross Energy System for Glass Industry, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und unter Konsortialführung der Technischen Universität Ilmenau, wurden Lösungen insbesondere für die Glasindustrie und metallverarbeitende Industrie entwickelt. Mit der Untersuchung vollelektrischer Glasschmelzprozesse, der Entwicklung energieorientierter Produktionsplanungsverfahren, energetischer Digitaler Zwillinge sowie neuer AC/DC-Versorgungskonzepte konnte gezeigt werden, wie sich energieintensive Produktionsprozesse effizienter, flexibler und resilienter gestalten lassen. Ergänzt wurden diese Arbeiten durch KI-gestützte Analysewerkzeuge sowie BSI-konforme Mess- und Steuerungstechnologien für zukünftige industrielle Energiesysteme.

„Mit ZO.RRO 2 konnte gezeigt werden, dass die Elektrifizierung energieintensiver Industrieprozesse technisch realisierbar ist, wenn Energieversorgung, Produktionsplanung und Netzinfrastruktur gemeinsam betrachtet werden“, resümiert Professor Dirk Westermann vom Thüringer Energieforschungsinstitut der TU Ilmenau. „Durch digitale Zwillinge, energieoptimierte Produktionsplanung und hochauflösende Mess- und Steuerungssysteme konnten zusätzliche Effizienzpotenziale identifiziert werden. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Gleichstromtechnologien und resiliente Versorgungskonzepte wichtige Bausteine für die zukünftige Energieversorgung energieintensiver Industrien wie der Glasindustrie sein können.“

Das Fazit nach sieben Jahren Energieforschung im ZO.RRO-Verbund ist eindeutig. Eine klimaneutrale Industrie ist machbar und kann sich wirtschaftlich lohnen. ZO.RRO liefert dafür konkrete Werkzeuge, Praxisbeispiele und eine Blaupause für die Transformation der industriellen Energieversorgung weit über Thüringen hinaus.
    
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