Braucht es an der Kreuzung Dr.-Robert-Koch-Straße und Albert-Traeger-Straße in Nordhausen einen Kreisverkehr? Ein zweistufiger Verkehrsversuch soll darüber Klarheit bringen...
Die Kreuzung Dr.-Robert-Koch-Straße und Albert-Träger-Straße soll zum Kreisel umgebaut werden, sofern ein Verkehrsversuch zeigt, dass durch einen Kreisel die Fahrzeuge besser fließen.. (Foto: ssc)Seit fünf Jahren ist der Bau eines Kreisverkehrs an der Zufahrt zum Südharz Klinikum im Rahmenplan für die Quartiersentwicklung Nordhausen-Nord vorgesehen. Umgesetzt wurde das Vorhaben bislang nicht.
Nun hat die Stadtverwaltung im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss über den Stand der Vorplanung informiert. Wir planen erstmals einen zweistufigen Verkehrsversuch. Bevor wir etwas bauen, das in der Realität nicht funktioniert, wollen wir es testen, erklärte Norman Wagner, Sachgebietsleiter Tiefbau im Bauamt. Ziel sei es, zunächst zu prüfen, ob ein Kreisverkehr an dieser Stelle tatsächlich erforderlich ist und den Verkehrsfluss verbessert.
Die Kreuzung gilt aus verkehrstechnischer Sicht als anspruchsvoll: Sie vereint die Zu- und Ausfahrt zum Südharz Klinikum mit regelmäßigem Rettungsverkehr, sowie eine wichtige Nord-Süd-Verbindung sowie die Straßenbahntrasse. Entsprechend aufwendig wären spätere Bauarbeiten. Nicht zu vergessen das Verkehrschaos, das eine Sperrung dieses Knotenpunktes mit sich bringen würde.
Nach Einschätzung der Verwaltung liegt das Hauptproblem weniger in einer grundsätzlich hohen Verkehrsbelastung als vielmehr in bestimmten Verkehrssituationen. Die letzte Verkehrszählung stammt aus dem Jahr 2021. Damals wurden täglich rund 4.200 Fahrzeuge erfasst, die allein in und aus Richtung Krankenhaus unterwegs sind. Ähnlich viele fahren weiter in Richtung Stolberger Straße, die auf der Vorfahrtsstraße unterwegs sind. So kommt es regelmäßig zu Rückstaus aus Richtung Krankenhaus, wenn Besucher die Kreuzung passieren wollen. Auch Geradeausfahrer in der Albert-Traeger-Straße sorgen für Verzögerungen, da sie den Beethovenring nicht nutzen, sondern vorfahrtsberechtigt querenden Verkehr abwarten müssen. Laut Verkehrszählung von 2021 waren das rund 1200 Fahrzeuge pro Tag. Durch die derzeitige Sperrung der Wallrothstraße haben sich diese Verkehrsströme inzwischen noch einmal verändert. Zahlen liegen aber nicht vor.
Kreisverkehr soll simuliert werden Am Abzeig zum Beethovenring soll eine zweite Spur für Geradeausfahrer geschaffen werden. (Foto: ssc)Um die Auswirkungen eines Kreisverkehrs zu testen, soll die Kreuzung mit vergleichsweise geringem Aufwand umgestaltet werden. Mit wenigen Mitteln wolle man einen Kreisverkehr simulieren, so Wagner. Zusätzlich ist vorgesehen, in der Albert-Traeger-Straße eine zweite Fahrspur einzurichten. Dadurch könnten Fahrzeuge, die geradeaus fahren möchten, separat warten, während der Verkehr in Richtung Beethovenring ungehindert fließen kann.
Die Kosten für den Verkehrsversuch werden auf rund 50.000 Euro geschätzt. Das entspricht etwa fünf Prozent der veranschlagten Baukosten für einen dauerhaften Umbau. Angesichts der Größenordnung des Projekts sei dieser Aufwand vertretbar, um belastbare Erkenntnisse über die tatsächlichen Auswirkungen eines Kreisverkehrs zu gewinnen.
Der Versuch soll über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen laufen. Zur Auswertung sind Videoaufzeichnungen vorgesehen, mit deren Hilfe die Verkehrsabläufe analysiert werden sollen.
Breite Zustimmung für Idee im Ausschuss
Im Ausschuss stieß die Idee eines Verkehrsversuchs auf breite Zustimmung. Sowohl Barbara Rinke (SPD), Frank Kramer (AfD) als auch Pascal Leibbrandt (Grüne) begrüßten den Vorschlag der Verwaltung. Leibbrandt sprach sich dafür aus, den Untersuchungszeitraum möglichst schlau zu wählen und die Ferien unbedingt auszuklammern. Gerade in den Morgenstunden sei die Verkehrsbelastung besonders hoch, gab auch Rinke zu bedenken. Wann genau der Verkehrsversuch starten soll, ließ die Verwaltung allerdings noch offen. Im aktuellen Haushalt stehen zumindest 1,1 Millionen Euro für das Bauvorhaben bereit.
Für einen dauerhaften Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 26 Metern, vergleichbar mit dem Kreisel an der Stolberger Straße, werden Kosten von rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Selbst eine um vier Meter kleinere Variante würde nach Angaben der Verwaltung nur geringfügig günstiger ausfallen. Eine Ampelanlage wurde verworfen. Grund: Deutlich höhere Bau- und Unterhaltungskosten.
Die Ergebnisse des Verkehrsversuchs sollen nun die Grundlage für die weiteren Planungen bilden. Erst danach wird sich zeigen, ob der seit Jahren diskutierte Kreisverkehr tatsächlich die beste Lösung für den Verkehrsknotenpunkt am Klinikum ist. Susanne Schedwill