Opern-Doppelabend in Sondershausen

Schlossfestspiele starten mit zwei auf einen Streich

An diesem Freitag feiert in der Jubiläumssaison der Thüringer Schlossfestspiele der Opern-Doppelabend „Der Bajazzo“ („I Pagliacci“) von Ruggero Leoncavallo und „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni in Sondershausen Premiere...
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Anja Daniela Wagner und Kyounghan Seo in CAVALLERIA RUSTICANA. (Foto: Marco Kneise)

Seit zwei Jahrzehnten steht unser Open-Air-Highlight im Areal des Schlosses Sondershausen für beste Unterhaltung mit hohem künstlerischem Niveau. Die Festspiele haben sich über die Thüringer Landesgrenzen hinaus zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Mit dem Opern-Doppelabend lädt das TN LOS! das Publikum – in diesem Jahr im Lustgarten von Schloss Sondershausen – zu unvergesslichen Momenten unter freiem Himmel ein.

Die beiden Opern „Der Bajazzo“ und „Cavalleria rusticana“ gehören zu den bekanntesten Vertretern des Verismo, einer Stilrichtung der italienischen Oper zwischen 1890 und 1920, die das echte Leben auf der Bühne zeigen wollte. Der oft drastische Realismus sorgte seinerzeit für kalkulierte Theaterskandale. Eifersucht, Rache, Verrat und Mord – das sind die Zutaten für beide Opern.
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Szene aus der Oper Cavalleria Rusticana. (Foto: Marco Kneise)

„Cavalleria rusticana“ („Sizilianische Bauernehre“) erzählt eine tragische Dorfgeschichte. Dass eine Oper sich mit Ehebruch beschäftigte, war zu Zeiten der Uraufführung ein echter Fauxpas. Cosima, die Frau von Richard Wagner, jedenfalls „widerte es an“ – so schrieb sie 1891 an H. Stewart Chamberlain, zumal auch noch vor- und außereheliche Sexualbeziehungen eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen. Was passiert?

Santuzza ist in Turiddu verliebt. Er verspricht ihr die Ehe, lässt sie aber wegen der schicken Lola sitzen, die mit Alfio verheiratet ist. Santuzzas Liebe schlägt in Hass um. In rasender Eifersucht klärt sie Alfio über den Seitensprung seiner Frau auf, was in ein verhängnisvolles Duell – nach sizilianischer Sitte auf Leben und Tod – mündet.

Regisseur Benjamin Prins belässt die Handlung der Geschichte in der Zeit der Entstehung in einem typischen sizilianischen Fischerdorf. Die Bühne mit dem Dorfplatz hat Bühnenbildner Wolfgang Kurima Ruschning entworfen. Kostümbildnerin Emma Gaudiano gestaltete die Kostüme zeitgemäß traditionell düster. Nur die elegante Lola fällt mit ihrem Schick aus dem Rahmen.

Der Komponist Pietro Mascagni (1863–1945) schrieb den Einakter, um sich an einem Wettbewerb zu beteiligen, den er gewann. Der Erfolg war ohnegleichen. Das Ensemble musste am Uraufführungstag (17. Mai 1890) nicht weniger als 60-mal zum Applaus vor den Vorhang. „Niemals hätte ich eine solche Begeisterung vorhersehen können. Alle Welt applaudierte. Im Orchester standen alle, alle Damen, sogar die Königin, klatschten …“ (Mascagni an seinen Vater)

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Ewandro Stanzowski spielt den Bajazzo in der gleichnamigen Oper. (Foto: Marco Kneise)
Generalmusikdirektor Gábor Hontvári hat die musikalische Leitung des Opern-Doppelabends. Auch die Musik von „Der Bajazzo“ bringt die Tragik des Geschehens mitten ins Herz der Zuhörenden.

„Der Bajazzo“ ist so spannend wie ein packender Thriller – mit einem Doppelmord auf offener Bühne. Den realistischen Text und die effektvolle Musik dazu schrieb Ruggero Leoncavallo, der damit sein Meisterstück schuf, das bis heute ein Welterfolg ist.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Canio, der als Clown die Menschen unterhält, doch in seinem Herzen von Eifersucht und Schmerz zerfressen wird. Als er entdeckt, dass seine Frau Nedda eine Affäre hat, verwischt die Grenze zwischen Bühnenrolle und Realität.

Der berühmte Tenor Enrico Caruso hat mit der Arie des Canio die Zuschauer zu Tränen gerührt, das TN LOS! konnte den Tenor Ewandro Stanzowski vom Hessischen Staatstheater Wiesbaden für die Rolle des Canio verpflichten, der Caruso nacheifern wird.

Die Regie macht mit „Der Bajazzo“ im selben Bühnenbildrahmen einen Zeitsprung um hundert Jahre in die Ära der sexuellen Revolution. So werden auch die Kostüme in den 1970ern angelegt sein. Hier gibt es freilich die Besonderheit des Theaters im Theater. Die Schauspieltruppe tritt im Stile der Commedia dell'Arte auf.

Seit der Uraufführung 1892 schwankt die Meinung der Kritiker zu „Der Bajazzo“ zwischen radikaler Ablehnung und überschwänglicher Begeisterung. Das Publikum kümmerte sich wenig um die ästhetischen Einwände der Fachleute – so gehört Leoncavallos Werk bis heute zu den erfolgreichsten Opern.
    
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