Lichtblick zum Wochenende

Der Geist weht, wo er will…

Alle zwei Wochen trifft sich im Gefängnis in Arnstadt eine Gruppe von Männern mit mir oder meinem katholischen Kollegen, um über Glaubensthemen ins Gespräch zu kommen. Viele von ihnen hatten vor ihrer Inhaftierung kaum oder gar nichts mit Kirche am Hut...

In der Haft scheinen aber bei einigen Männern doch die Fragen in den Fokus zu rücken, auf die wir als Christen Antworten bieten können. Wie ist das mit der Vergebung? Was kommt nach dem Tod? Kann man Gott spüren oder gar sehen? Was macht das alles für einen Sinn?

In unserem Gesprächskreis haben wir zuletzt über den Heiligen Geist gesprochen. Bei dem Wort Geist denken viele erst an Gespenster. Oder an den Flaschengeist aus „Aladin“. Vielleicht kommt man beim ersten Überlegen auch auf den anderen „Geist aus der Flasche“, den Alkohol. Der Heilige Geist wiederum spielt bei vielen Menschen eine eher untergeordnete Rolle. In unserer Runde haben wir im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte nachgelesen, was die Bibel über den Heiligen Geist sagt. Dort wird vom sogenannten Pfingstwunder berichtet. Jesus hatte seinen Jüngern vor seinem Tod versprochen, dass er ihnen einen Tröster schicken würde. Dieser kam zu Pfingsten als Heiliger Geist über die Jünger, sodass sie die Fähigkeit bekamen in verschiedenen Sprachen zu sprechen und so in die Lage versetzt wurden, die Botschaft Gottes in die Welt zu tragen.


Gerade hier im Gefängnis wäre es genial, verschiedene Sprachen sprechen zu können. Immerhin: mein Schulenglisch bringt mich manchmal ein bisschen weiter. Allerdings mache ich daneben noch eine weitere Erfahrung: auch wenn mein Gegenüber meine eigene Sprache vielleicht nur in groben Zügen sprechen kann, ist es vor allem etwas anderes, was unsere Begegnungen als Gefängnisseelsorger mit den Inhaftierten ausmacht: die Sprache der Zugewandtheit. Die Annahme der Einzelnen in ihrer Situation – und ja: auch mit den Taten, für die sie ihre Strafe absitzen müssen. Ich finde, dass unser Gesprächskreis ein Ausdruck gelebter Empathie ist, die uns der Heilige Geist geschenkt hat. Wir hören einander zu, nehmen die Fragen des Gegenübers wahr und ernst. Und wir sind ein Stück gemeinsam auf dem Weg unterwegs, auf dem auch Gott mit dabei ist.
Helfried Maas,
Gefängnisseelsorger in der JVA Arnstadt
    
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