Verbraucherschutz

Gesucht: Der Goldene Windbeutel 2026

Dreiste Werbelügen, versteckter Zucker oder geschrumpfte Packungen: Die Verbraucherschützer von foodwatch küren ab heute wieder den Goldenen Windbeutel. Fünf Kandidaten buhlen um den Negativpreis für die dreisteste Verbrauchertäuschung im Supermarkt...

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Das sind die fünf Kandidaten für den diesjährigen Negativpreis Goldener Windbeutel. (Foto: Foodwatch)
Verbraucher können ab heute online über den Goldenen Windbeutel 2026 abstimmen. Der Negativpreis zeichnet die dreisteste Werbelüge im Supermarkt aus. foodwatch hat fünf Produkte wegen irreführender Werbung nominiert: das Airfryer Backin Backpulver von Dr. Oetker, die Airwaves-Kaugummis von Mars, der Bio-Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur, das „Mikronährstoffkonzentrat“ LaVita und die Libido-Gummibärchen von Beautybears.

„Von Shrinkflation über Gesundheitsschwindel bis zu Zutatentricksereien – die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel haben eines gemeinsam: Sie ziehen Verbraucher mit gewieften Maschen das Geld aus der Tasche. In Zeiten ohnehin schon hoher Lebensmittelpreise ist die Abzocke besonders dreist. Da stecken plötzlich nur noch zehn statt zwölf Kaugummis in der Packung, zuckrige Gummibärchen werden als vermeintliche Libido-Booster zu überhöhten Preisen verkauft, und Hersteller bewerben wertvolle Zutaten groß auf der Verpackung, obwohl sie nur in homöopathischen Mengen enthalten sind. Die Bundesregierung muss die Verbrauchertäuschung durch die Lebensmittelindustrie stoppen – etwa mit einem Anti-Shrinkflation-Gesetz”, sagte Alina Nitsche von foodwatch in einer Presseinformation.

Das sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2026:
  • Kandidat Nr. 1: Airfryer Backin Backpulver von Dr. Oetker. Dr. Oetker bewirbt sein „Airfryer Backin Backpulver“ als Innovation für das Backen im Trendküchengerät Airfryer. Doch wer fluffigere Muffins erwartet, wird enttäuscht. Das Backergebnis unterscheidet sich nicht vom deutlich günstigeren Standardbackpulver. Dafür zahlen Verbraucher:innen aber mindestens den doppelten Preis.
  • Kandidat Nr. 2: Airwaves Cool Cassis von Mars. Die Airwaves sind ein typischer Fall von Shrinkflation. Hersteller Mars hat den Packungsinhalt der Kaugummis von zwölf auf zehn Stück verkleinert – der Preis ist bei vielen Händlern jedoch gleich geblieben oder hat sich nur minimal verringert. Eine Preiserhöhung von bis zu 20 Prozent für die Verbraucher:innen!
  • Kandidat Nr. 3: Bio-Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur. Die Bio-Molkerei Andechser wirbt auf ihrem Joghurt groß mit der Trendzutat Matcha. Enthalten ist aber nur 0,1 Prozent des Grüntee-Pulvers, eine Messerspitze auf 500 Gramm. Im Kontrast dazu sind 60 Gramm Zucker drin. Für die grünliche Farbe des Joghurts sorgt auch das Algenpulver Spirulina.
  • Kandidat Nr. 4: LaVita von LaVita GmbH. 50 Euro verlangt LaVita für die Halbliterflasche seines „Mikronährstoffkonzentrats“. Es besteht hauptsächlich aus Fruchtsaftkonzentrat. Prof. Dr. Diana Rubin, Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin und Diabetologie des Vivantes Humboldt Klinikums kritisiert, dass die Werbung für das Produkt suggeriere, LaVita sei die natürliche Rundum-Formel für ein fittes, gesundes Leben: „Die tägliche Basis der Gesundheit ist aber eine ausgewogene Ernährung. Wenn man einen Nährstoffmangel vermutet, sollte man zunächst ärztlichen Rat einholen, statt zu hochdosierten und teuren Mitteln wie LaVita zu greifen.”
  • Kandidat Nr. 5: Oh Yeah Bear Libido Vitamin von Beautybears GmbH. Die Libido-Bärchen sollen „extra Spice in dein Liebesleben” bringen. Das hat seinen Preis: Für 60 Stück verlangt die Beautybears GmbH rund 25 Euro. Dafür bekommt man vor allem Zucker – mehr als in Haribo-Bären – sowie zugesetzte Vitamine und Pflanzenstoffe, deren Wirkung nicht belegt ist.


Bis 5. Juli können Verbraucher online abstimmen und aus den fünf Kandidaten ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen.

foodwatch engagiert sich seit langem gegen Verbrauchertäuschung und fordert verbesserte Kennzeichnungsregeln. Seit 2009 wird der Goldene Windbeutel verliehen. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und das „Smart Water“ von Coca-Cola (2018). Vergangenes Jahr gewann die Milka Alpenmilch für ihre geschrumpfte Tafel den Negativpreis. Viele Hersteller reagierten auf die foodwatch-Kritik. 2022 etwa stoppte Rewe eine irreführende „klimaneutral“-Werbung auf Hähnchenfleisch.
    
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