NABU fordert Luchsstrategie

Deutschland auf dem Weg zum Luchsland

Luchse breiten sich bundesweit und insbesondere auch in Thüringen immer weiter aus - auch im Südharz. Nach Ansicht des NABU Thüringen ist Deutschland auf einem guten Weg, zu einem Luchsland zu werden...

Bild:
Der Luchs ist wieder auch im Südharz heimisch. (Foto: Marc Scharping)
Mit Beteiligung verschiedener Akteure, einzelner Bundesländer und Verbände wurden in den vergangenen Jahren unterschiedlich ausgerichtete Projekte zum Schutz und zur Förderung des Luchsbestandes gestartet.

Doch leider kann die Population ihren Bestand noch nicht selbst erhalten und ist auf Unterstützung durch den Menschen angewiesen. Deshalb braucht es aus Sicht des NABU Thüringen eine bundesweite Luchs-Strategie, in die sich die einzelnen Luchsprojekte der Bundesländer einbetten. Die Bundespolitik muss sich klar zum Luchs bekennen und die zügige Umsetzung geeigneter Maßnahmen sicherstellen, um den Luchsbestand in Deutschland zu stärken und auch langfristig zu sichern.

Trotz mehr Luchsen ist die Sterblichkeitsrate von Jungtieren sehr hoch
Aktuell sind die Luchsbestände im Harz und im Bayerischen Wald, sowie in den Waldgebieten von Hessen, im Pfälzerwald, im südlichen Thüringen und Sachsen von Bedeutung – sie bilden einen möglichen Ausgangspunkt für die zukünftige Luchspopulation in Deutschland und darüber hinaus. „In Thüringen streifen mittlerweile mindestens elf standorttreue Luchse durch die Landschaft. Die Gesamtzahl wird auf 25 bis 30 geschätzt, davon wurden bislang sieben Tiere ausgewildert. Wir gehen davon aus, dass es in ganz Deutschland aktuell etwa 200 bis 250 Luchse gibt, die bisweilen noch weitestgehend in isolierten Vorkommensgebieten existieren“, sagt Silvester Tamás, Koordinator des NABU-Luchsprojektes in Thüringen.

„Die oft nur kurzfristig angelegten Projekte zur Wiederansiedlung von Luchsen zeigen zwar Wirkung, sodass es immer mehr Luchse gibt, allerdings ist die Sterblichkeitsrate unter den Jungtieren mit 75 bis 80 Prozent sehr hoch. Hinzu kommen illegale Tötungen und Verkehrsunfälle.“ Teilweise wird beobachtet, dass die isolierten, noch recht kleinen Luchsvorkommen unter einer gewissen genetischen Depression leiden können. Das bedeutet, je weniger geeignete Tiere sich potenziell verpaaren können, desto größer ist die Anfälligkeit für genetisch bedingte Krankheiten einer Population. Dieses Problem kann mit dem Grad der Isolierung und der geringen Anzahl der Tiere innerhalb dieser Populationen deutlich zunehmen. „Das ist ein ernstzunehmendes Problem und kann nur durch eine bessere Vernetzung der bislang noch isolierten Populationen und mehr ausgewilderten Luchsen aus möglichst geografisch weit entfernten Gebieten vermieden werden.“

Ebenso braucht es eine Stabstelle zur Bekämpfung von Umweltstraftaten, um die illegale Tötung von geschützten Tieren, wie dem Luchs, nachhaltig einzudämmen. Noch immer gibt es in diesem Deliktbereich kaum Ermittlungserfolge in Deutschland. Das ist ein fatales Signal an die Straftäter. Die illegalen Tötungen von Luchsen sind keine Einzelfälle mehr und können sogar dazu führen, dass Luchse in Deutschland gänzlich wieder aussterben”, so Silvester Tamás.

Nabu: Zentrale Luchs-Strategie wichtig
Aus Sicht des NABU Thüringen braucht es von der Bundespolitik eine zentral koordinierte Luchs-Strategie, die das langfristige Überleben von mindestens 600 bis 1000 Tieren in Deutschland sichert. Silvester Tamás sagt: „Der Tag des Luchses ist für den NABU ein wichtiger Termin, die Politik daran zu erinnern, dass es beim Schutz und bei der Vernetzung der natürlichen Lebensräume für den Luchs noch sehr viel Handlungsbedarf gibt. Letztlich profitieren von unseren Bemühungen um den Schutz des Luchses auch andere Tier- und Pflanzenarten – und auch wir Menschen.“

Hintergrund
Der Internationale Tag des Luchses wurde vom Projekt „3Lynx“ ins Leben gerufen, um Akzeptanz und Förderung für den Luchs dort zu schaffen, wo er sich die Lebensräume mit den Menschen teilt oder zukünftig teilen könnte. Im Fokus des Projekts steht die länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien. Die Herausforderung besteht darin, die Schutzmaßnahmen, das Monitoring und das Management der Luchse in eine gemeinsame grenzübergreifende Strategie zu integrieren. Der Internationale Tag des Luchses richtet sich besonders an alle Politiker, Jäger, Förster und Naturschützer sowie an Bürger und Wissenschaftler.
    
nordthueringen.de bei Google bevorzugen