Naturschutzpreise für vier Harzklubzweig-Vereine

Die Hüter des Harzes rund um Nordhausen

Fledermauskästen bauen, alte Eichen dokumentieren, Kinder für die Natur begeistern oder Kranichzüge erlebbar machen: Vier Harzklub-Zweigvereine aus dem Landkreis Nordhausen sind beim 28. Naturschutztag in Neustadt mit dem Naturschutz-Förderpreis ausgezeichnet worden...

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Andreas Volkmann, Jan Dittmann, Andreas Schmidt, Andreas Krumpholz, Carmen Spiegel, Christel Meyer sowie Sabine und Jürgen Mehne erhielten in Neustadt heute den Naturschutzpreis. (Foto: ssc)
Zu den Preisträgern gehört der Harzklub-Zweigverein Ilfeld/Wiegersdorf. Die Mitglieder betreuen rund 120 Kilometer Wanderwege, 20 Bänke, zahlreiche Schutzhütten und etwa 500 Wanderwegsschilder. „Wir haben das größte zusammenhängende Gebiet aller Thüringer Harzklub-Zweigvereine. Es erstreckt sich im Norden Ilfelds bis zur Ländergrenze nach Niedersachsen und Sachsen-Anhalt“, sagt Vorsitzender Andreas Schmidt.

Ausgezeichnet wurde der Verein für ein Projekt zum Schutz von Fledermäusen. Ehrenamtliche bauten und installierten mehrere Fledermauskästen am Grillplatz. Natürlich wird nicht gut gearbeitet, sondern auch gewandert. Die Ilfelder bieten 24 geführte Touren im Jahr ab. Wie in vielen Vereinen verteilt sich die Arbeit jedoch auf wenige Schultern. Nur rund 20 aktive Mitglieder engagieren sich derzeit in Ilfeld und Wiegersdorf.

Mit ähnlichen Herausforderungen kämpft auch der Harzklub-Zweigverein Nordhausen. Dort gehören Sabine und Jürgen Mehne zu den Aktivposten des Vereins. „Wir brauchen dringend Nachwuchs. Wir sind in Nordhausen nur noch etwa 15 Leute“, sagt Sabine Mehne. Veranstaltungen wie der Naturschutztag seien deshalb wichtig, um die Arbeit der Vereine überhaupt sichtbar zu machen. „Viele Jüngere wollen durchaus wandern, aber nicht mehr in festen Vereinsstrukturen“, ergänzt Jürgen Mehne.

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Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin a.D., übergab in ihrer Funktion als Präsidentin des Thüringer Wanderverbandes, gemeinsam mit Bundesumweltminister Carsten Schneider die Naturschutzpreise. (Foto: ssc )
Der Nordhäuser Verein erhielt den Förderpreis für das Projekt „Vergesst die alten Eichen nicht“. Dabei werden besonders markante und alte Eichen im Raum Nordhausen mit Informationstafeln versehen. Die Ehrenamtlichen sehen sich dabei jedoch immer wieder mit Vandalismus konfrontiert. „Zuletzt wurde eine neue Beschilderung zerstört. Da verliert man dann auch die Motivation“, sagt Sabine Mehne. Gleichzeitig werde die Pflege des Wanderwegenetzes in der Nordhäuser Gemarkung für die wenigen Aktiven zunehmend zur Belastung. „Wir brauchen Unterstützung bei der Pflege der Wanderwege durch die Stadt Nordhausen“, fordert sie.

Bild: Eine Sonderstempelstelle der Harzer Wandernadel gab es auch.
Eine Sonderstempelstelle der Harzer Wandernadel gab es auch. (Foto: ssc)
Erfolgreiche Nachwuchsarbeit betreibt dagegen der Harzklub-Zweigverein Neustadt/Osterode. Gemeinsam mit dem Naturpark Südharz organisiert er seit mehreren Jahren die Kindergruppe „Harztor-Trolle“. Einmal wöchentlich treffen sich Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren zu Wanderungen und Naturerkundungen. Die Themen orientieren sich an den Jahreszeiten und reichen von heimischen Tierarten bis zu ökologischen Zusammenhängen. Für dieses Engagement erhielt auch der Neustädter Verein einen Naturschutz-Förderpreis.

Ein weiterer Preis ging an den Harzklub-Zweigverein Auleben in der Goldenen Aue. Ausgezeichnet wurden die geführten Kranichwanderungen im Frühjahr und Herbst, die zahlreiche Naturfreunde anlocken.

Insgesamt wurden beim Naturschutztag elf Naturschutz-Förderpreise vergeben. Zu den Gästen gehörten Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sowie die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, mittlerweile Präsidentin des Thüringer Wanderverbandes. Schneider hatte bereits am Vortag die sogenannte Flehmüllers Eiche bei Krimderode als Nationalerbe-Baum ausgerufen.

Der Naturschutztag fand in diesem Jahr zum 28. Mal statt, erstmals in Neustadt und zugleich erstmals in Thüringen. Vertreter von elf Harzklubs aus Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt präsentierten sich an Informationsständen. Darüber hinaus waren auch viele regionale Vereine und Einrichtungen vor Ort. Insgesamt zählt der Harzklub in den drei Harzländern 78 Zweigvereine mit rund 11.000 Mitgliedern.

Mit dem Naturschutz-Förderpreis erhielten die Vereine neben der öffentlichen Anerkennung auch eine finanzielle Unterstützung. Die Hermann-Reddersen-Stiftung stellte 2800 Euro für alle elf Preisträger zur Verfügung. Das Geld können die Ehrenamtlichen gut gebrauchen, denn die Arbeit der Harzklub-Zweigvereine wird nahezu ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert.

Rund 500 Besucher kamen nach Angaben der Veranstalter nach Neustadt. Dabei wurde deutlich, dass viele Vereine vor derselben Herausforderung stehen: Sie suchen dringend Menschen, die sich auch künftig für Wanderwege, Naturschutz und Umweltbildung engagieren. „Die Ehrenamtlichen leisten einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz in unserer Region“, würdigte Annett Drache, Geschäftsführerin des Harzklub-Vereins, das Engagement der vielen Vereinsmitglieder.
Susanne Schedwill
    
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