Seit 650 Jahren wacht Flehmüllers Eiche über Krimderode und gehört nun offiziell zu den bedeutendsten Bäumen Deutschlands. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zeichnete den knorrigen Riesen heute auf dem Liethberg aus...
Die dicke Eiche auf dem Liethberg bei Krimderode steht dort seit 650 Jahren. (Foto: ssc)Vor rund 650 Jahren fiel eine Eichel von einer der zahlreichen Eichen des damaligen Hutewaldes oberhalb von Krimderode zu Boden. Aus ihr wuchs um das Jahr 1376 ein kleiner Baum heran. Als die junge Eiche ihre ersten Blätter trug, war Nordhausen noch eine Freie Reichsstadt. Heute gilt der Baum als ältester bekannter Baum im Landkreis.
Seit heute gehört Flehmüllers Eiche offiziell zu den bedeutendsten Bäumen Deutschlands. Der rund 35 Meter hohe Baum auf dem Liethberg wurde im Beisein von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zum 61. Nationalerbe-Baum Deutschlands ausgerufen. Zahlreiche Gäste verfolgten die Auszeichnung des Naturdenkmals.
Mit der Ernennung ist nicht nur eine besondere Würdigung verbunden. Künftig wird die Eiche nicht mehr von der Stadt Nordhausen, sondern von der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung fachlich, aber auch finanziell betreut. Die dafür notwendigen Mittel stellt das Bundesumweltministerium bereit. Ziel ist es, den Erhalt des Baumriesen langfristig zu sichern. Wer einen 650 Jahre alten Baum auszeichnet, übernimmt auch Verantwortung für seine Zukunft, sagte Schneider.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (zweiter von links) hatte Flehmüllers Eiche aus vier Thüringer Vorschlägen ausgewählt und kam am Freitag, dem Tag der Umwelt, zur Eiche, um diese als National-Erbe-Baum auszurufen.. (Foto: ssc)Hinter dem Programm steht das Nationalerbe-Baum-Komitee unter Leitung des Dresdner Forstwissenschaftlers Andreas Roloff. Bundesweit werden besonders alte und bedeutende Bäume ausgewählt, deren ökologische, kulturhistorische und landschaftsprägende Bedeutung herausragend ist. Mit Flehmüllers Eiche zählt nun auch ein Nordhäuser Baum zu diesem exklusiven Kreis. "Es ist möglich, dass Bäume bis zu 1000 Jahre alt werden können", sagte Roloff. Doch die deutsche Gründlichkeit bei der Verkehrssicherungspflicht sei für solch alte Bäume wie diese in Krimderode tödlich. "Wir pflegen mit Fingerspitzengefühl und Handsägen", machte Roloff den Unterschied zur landläufigen Baumpflege deutlich.
Die Krimderöder nennen den Baum schlicht die Dicke Eiche. Im Volksmund ist er als Flehmüllers Eiche bekannt. Seit Jahrhunderten prägt er das Landschaftsbild oberhalb des Ortes. Er überstand die Reformation, Kriege und Herrscherwechsel, die Abholzung des Eichenwaldes, in dem sie einst stand, die Industrialisierung sowie die Zerstörung Nordhausens im Zweiten Weltkrieg. Gewitter, Stürme und lange Trockenperioden konnten ihm ebenso wenig anhaben. Bereits seit 1935 steht die Eiche unter Schutz.
Birgit Scholz hat Flehmüllers Eiche für den Titel Nationalerbe-Baum vorgeschlagen. Ihr Grundstück grenzt an das Wahrzeichen. (Foto: ssc)Die Initiative für die Bewerbung als Nationalerbe-Baum geht auf die Stadträtin Birgit Scholz zurück, die in Krimderode wohnt. Vor mehr als drei Jahren hatte sie angeregt, Flehmüllers Eiche für die Auszeichnung vorzuschlagen. Ihr Anliegen stellte sie anschließend auch im Nordhäuser Stadtrat vor.
Die weitere Bearbeitung übernahm daraufhin die Stadt Nordhausen. Federführend war Baumkontrolleur Dirk Küchenthal, der die erforderlichen Unterlagen zusammenstellte und die Bewerbung fachlich begleitete. Mit Sicherheit ist es der älteste bekannte Baum im gesamten Landkreis, sagte Küchenthal bei der Feierstunde.
Unabhängig davon war auch Rolf Kehr aus Göttingen auf die Eiche aufmerksam geworden. Der Baum-Pathologe von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) entdeckte den Baum bei einer Wanderung auf dem Karstwanderweg. Aufgrund seines Alters und seiner außergewöhnlichen Erscheinung setzte auch er sich für eine Aufnahme in das Nationalerbe-Baum-Programm ein.
Da Oberbürgermeister Kai Buchmann krankheitsbedingt verhindert war, vertrat Stadtratsvorsitzender Christian Lautenbach (CDU) die Stadt Nordhausen bei der Feierstunde. Er würdigte die Auszeichnung als Anerkennung für ein Naturdenkmal, das seit Jahrhunderten die Geschichte der Region begleitet.
Viele Krimderöder kennen den Baum seit ihrer Kindheit. Für sie gehört die Eiche genauso zum Ort wie der Blick vom Liethberg über Nordhausen. Seit Freitag trägt die alte Eiche einen Titel, den bislang nur wenige Bäume in Deutschland erhalten haben.