Rezension

Klassische Heiterkeit: Original und verfremdet

Ein buntes Programm erwartete das Publikum beim Loh-Konzert letzten Mittwoch im Achteckhaus. Unter dem Motto „Zeitreisen“ stand hier Musik des 18. Jahrhunderts neben ihrer Rezeption durch Komponisten der frühen Moderne...

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Das Loh-Orchester begeisterte im Achteck-Haus in Sondershausen. (Foto: Marco Kneise)
Das Loh-Orchester musizierte diesmal unter der Leitung seines Ersten Kapellmeisters Julian Gaudiano. Als Auftakt erklang die Ouvertüre zur Oper „L’Olimpiade“ des Italieners Giovanni Battista Pergolesi, welcher als einer der Schöpfer der Opera buffa am Anfang der frühen Klassik steht. Das Stück zeigte sich als charakteristische dreiteilige Opernsinfonie. Ein höchst lebendig musiziertes Allegro, erfüllt von virtuosen Trompetenklängen, erklang zu Beginn. Gut arbeitete der Dirigent die dynamischen Kontraste heraus. Starken Gegensatz brachte das Andante, nach Moll gewendet, mit ausdrucksstarken Seufzermotiven der Streicher. Ein schwungvoll gestaltetes Menuett bildete den Abschluss, kraftvolle Heiterkeit ausstrahlend.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Prager Sinfonie“ D-Dur KV 504 folgte eines der bedeutendsten Werke der klassischen Epoche. Hochspannung verbreitete die langsame Einleitung. Dem energischen Orchestereinsatz folgten warmherzige Violinkantilenen. Mollwendungen ließen schon an die wenig später komponierte Oper „Don Giovanni“ denken. Bratschen und Celli stellten das Allegrothema vor, von vorwärts drängenden Synkopen begleitet. Bald führte Gaudiano das Orchester zu festlich glänzenden Steigerungen. Der lyrische Seitengedanke erfuhr überraschend eine nachdenkliche Mollwendung. Sprühende Heiterkeit sprach aus einer Schlussgruppe. Großen harmonischen Reichtum zeigte die Durchführung. Gekonnt machte der Dirigent das kunstvolle polyphone Stimmengeflecht hörbar. Ein mitreißender Satzschluss animierte das Publikum zu vorzeitigem Applaus.

Ruhig fließend präsentierte sich der langsame Mittelsatz. Die Streicher führten, bald mit den Bläsern in klanglich reizvolles Wechselspiel tretend. Auch hier überraschten kühne harmonische Wendungen, gelegentlich zu plötzlichen Eintrübungen führend. Höchst flott musizierte das Orchester den Finalsatz. Virtuos präsentierte Soloepisoden der Bläser ließen besonders aufhorchen. Der Abschluss wurde zu einer wahren Apotheose strahlender klassischer Heiterkeit.

Nach der Pause folgten zwei Werke des frühen 20. Jahrhunderts, die ältere Musik wieder aufnahmen und dabei gleichsam in ein aktuelles Klanggewand „übersetzten“. Der italienische Komponist Ottorino Respighi griff in seiner 3. Suite aus den „Antiche danze ed arie“ auf Lautenstücke des Frühbarock zurück. Das nur für Streicher geschriebene Werk beschwor die Welt des historischen Zupfinstruments durch häufigen Einsatz des Pizzicato. Eine bunte Melodienfolge präsentierte der zweite Satz, vom dezent aparten Bratschenklang bis hin zu virtuosen Episoden mit solistischen Einlagen der Stimmführer reichend. Die Passacaglia am Schluss der Suite stellte das altertümliche Material dann in einer breiten spätromantischen Klangwelt vor.

Neuerlichen Bezug zu Pergolesi stellte zum Schluss des Abends Igor Strawinskys Ballettsuite aus „Pulcinella“ her. Grundlage dieser Musik bilden Stücke des Italieners nebst einigen Werken seiner Zeitgenossen. Die frühklassische Heiterkeit erhält durch die Motorik und glasklare Präzision Strawinskys eine neue, leicht augenzwinkernde Note. Nahezu jedes Instrument des relativ klein besetzten Orchesters trat solistisch hervor. Besonders fielen neben der großen Oboenkantilene der „Serenata“ die humoristischen Posaunenglissandi im „Duetto“ auf. Das Finale stellte schließlich ein in seiner übertriebenen Gravität ironisch zu nehmendes Menuett gegen die rasante Coda.

Mit viel Beifall dankte das leider nicht sehr zahlreiche Publikum Dirigent und Orchester.
Ronald Uhlig
    
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