Die Kita-Matrix wird überarbeitet

Was den Eltern wichtig ist

Im Ausschuss für Generationen, Bildung und Sport ging es gestern neben der Anpassung der Hortgebühren auch um die Kindergärten und die „Matrix“, nach der über Wohl und Wehe der Einrichtungen entschieden werden soll…

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Das "Domschlösschen" fand sich im vergangenen Jahr auf der Streichliste det Stadt wieder, nun soll ergebnissoffen neu bewertet werden, welche Kindergärten Zukunft haben (Foto: agl)

Besagte „Bewertungsmatrix“ hatte im vergangenen Jahr für reichlich Wirbel gesorgt, anhand verschiedener Faktoren hatte man im Rathaus darüber befunden, welche Kindergärten in der Stadt noch eine Zukunft haben und welche nicht. Drei Einrichtungen fanden sich auf der Streichliste wieder, Eltern, Erzieher und Träger liefen Sturm, die Entscheidung wurde mit dem Versprechen vertagt, die Bewertungskriterien zu überarbeiten.

Doch ehe es im Ausschuss gestern um die Matrix gehen sollte, musste man erst einmal das Thema Hortgebühren diskutieren. Die Stadt orientiert sich bei der Gebühr traditionell am Landkreis und der hatte den Betrag in Erwartung einer Übernahme durch den Freistaat im vergangenen Jahr auf 40,- Euro angehoben. Allerdings mit der Maßgabe, dass die Erhöhung zurückgenommen wird, sollte aus Erfurt doch nichts kommen.


Wie befürchtet, so geschehen: im letzten Kreistag wurde das Thema erneut auf die Agenda gebracht, die Gebühren sollten wieder runter. 32,- Euro sollten es nun sein, so der Vorschlag der Verwaltung, der Kreistag beharrte aber darauf, den status quo ante wiederherzustellen und den Satz auf den alten Wert aus dem Jahr 2013 zurückzusetzen, also 25,- Euro.

Vor dem gleichen Dilemma steht nun die Stadt und so wurden im Ausschuss gestern gleich drei Varianten abgestimmt, mit durchmischtem Ergebnis. Der Haken an der Sache: nimmt man die Erhöhung zurück, müssen die fehlenden Einnahmen an anderer Stelle im Haushalt ausgeglichen werden. Ein klares Stimmungsbild fand sich nicht, zwei mal „Ja“ für 40,- Euro, vier mal „Nein“, je einmal „Ja“ für die anderen Varianten und diverse Gegenstimmen und Enthaltungen. Die Entscheidung fiel dann gute zwei Stunden später andernorts: im Finanzausschuss wurde die vollständige Rücknahme der Erhöhung favorisiert, ob das auch der Stadtrat so sieht, muss nun die Sitzung in der kommenden Woche zeigen. Die Mindereinnahmen würden sich laut Rathaus pro Jahr auf rund 100.000 Euro belaufen, wenn man zum alten Wert zurückkehren würde.

Was Eltern wollen
Im Schulausschuss konnte man zur „Matrix“ fortschreiten oder vielmehr zur Vorstellung des nächsten Schritts hin zur neuen Bewertungsgrundlage. Eine deutlichere Beteiligung der Eltern hatte der Stadtrat nach dem Debakel im vergangenen Jahr gefordert, umgesetzt wurde dies nun über eine Elternbefragung in den Einrichtungen, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule durchgeführt und ausgewertet wird.

Die erste, gute Nachricht: mit 476 Teilnehmern fiel die Beteiligung gut aus, die Datenlage kann als aussagekräftig gelten. Abgefragt wurden sechs Punkte:
  • Wohnortnähe
  • Arbeitsplatznähe
  • Baulicher Zustand
  • Ausstattung
  • Pädagogisches Konzept
  • Öffnungszeiten

Vier Wertungsbereiche von „sehr wichtig“ bis zu „unwichtig“ wurden vorgegeben, wobei „weniger wichtig“ und „unwichtig“ kaum angekreuzt wurden. Eine klare Gewichtung ist dennoch zu erkennen, die Pädagogik wurde von 357 Eltern als „sehr wichtig“ erachtet, gefolgt von der Nähe zum Wohnort, die für 308 der Befragten besonders schwer wog. Ausgeglichener fielen die Befragungsergebnisse in den anderen Kategorien aus, die Arbeitsplatznähe hielt sich mit 182 zu 178 Stimmen die Waage zwischen „sehr wichtig“ und „wichtig“.

Zudem konnten Eltern weiter für sie wichtige Punkte frei formulieren, hier finden sich Einträge zur Größe der Gruppen, zur Förderung individueller Interessen und des Spracherwerbs, der Kontakt zur Natur, Eingewöhnungskonzepte und eine ganze Menge mehr. Die Fülle an Antworten müsse hier aber noch aufgearbeitet werden, sagte Bürgermeisterin Alexandra Rieger, die Ergebnisse hatte man erst zu Beginn der Woche von der Hochschule erhalten.

Und Zeit kann man sich lassen, von der Hektik des Herbstes keine Spur mehr. Das liegt auch daran, dass die Landesseite ohnehin ein neues Kindergartengesetz verabschieden will und das lässt noch auf sich warten. „Wir sind nicht gewillt, jetzt ad hoc Entscheidungen zu treffen“, sagte Rieger, es gäbe noch viele Aspekte und Kennzahlen aufzuarbeiten und man müsse sehen, was das neue Gesetz bringt.

Von Seiten der auch gestern recht zahlreich erschienen Eltern und Kita-Mitarbeiter gab es für die neue Herangehensweise generell Lob. Der neue Prozess sei „wesentlich besser“ bedankte sich Holger Richter, der mit dem Jugendsozialwerk den größten Kindergartenträger der Stadt leitet. Eines müsse aber von Seiten der Stadt in Zukunft stärker unterstrichen werden: die Ergebnisoffenheit. Über den drei Einrichtungen, die im Herbst auf der Streichliste standen, hinge immer noch das „Damokles-Schwert der Schließung“ und man habe aus eben diesen Grund auch Absagen von Eltern erhalten, die ihr Kind eigentlich hier unterbringen wollten. Das müsse gerade gerückt werden, forderte Richter und erntete Applaus aus dem Publikum, ehe sich der Ausschuss in die Nicht-Öffentlichkeit verabschiedete.
Angelo Glashagel