Investitionen trotz sinkender Kinderzahlen

Neue Horte für Ellrich und Heringen

Die Grundschulen in Ellrich und Heringen erhalten neue Gebäude für die Hortbetreuung. Die Fördermittel dafür wurden heute in Ellrich von Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU) übergeben. Wie die neuen Hortgebäude aussehen sollen...

Mit einer Holzfassade soll sich der Hortneubau in Ellrich in das Stadtbild einpassen. (Foto: Visualisierung: IGT Gebrüder Tölle) Mit einer Holzfassade soll sich der Hortneubau in Ellrich in das Stadtbild einpassen. (Foto: Visualisierung: IGT Gebrüder Tölle)
Noch parken Autos auf der grauen Schotterfläche der Baulücke in der Nordhäuser Straße in Ellrich. Früher stand hier ein NKD-Geschäft, das vor einigen Jahren abgerissen wurde. Schon bald soll dort jedoch ein modernes Hortgebäude entstehen.

Dass der Landkreis in den Ausbau der Schulstandorte investiert, ist angesichts der demografischen Entwicklung keine Selbstverständlichkeit. Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Thüringer Landesamtes für Statistik werden im Landkreis im Jahr 2045 rund 20 Prozent weniger Menschen leben als heute. Besonders stark betroffen vom Bevölkerungsrückgang sind die Kinder- und Jugendjahrgänge bis 20 Jahre.

Wie sich dieser Wandel bereits heute bemerkbar macht, zeigt sich an der zur Grundschule Ellrich gehörenden Klettenberger Grundschule. Aufgrund sinkender Schülerzahlen werden die acht Kinder aus Klettenberg ab August in Ellrich eingeschult. „Für eine ganze Klasse in Klettenberg reicht es nicht“, sagt Ellrichs Schulleiter Klaus Hoche.

Umso deutlicher sei die Investition in die beiden neuen Hortgebäude als Bekenntnis zu den Schulstandorten zu verstehen. „Das sind zwei starke Standorte. Die Schulen werden auch trotz des demografischen Wandels Bestand haben“, sagte Landrat Matthias Jendricke.

Mehr Raum für Kinder und Betreuung
Ein Grund für die beiden Bauvorhaben ist die hohe Auslastung der bestehenden Schulgebäude. Mit den neuen Hortgebäuden sollen nicht nur die Bedingungen für die Betreuung der Kinder verbessert werden. Gleichzeitig entstehen in den Schulhäusern zusätzliche Kapazitäten für den Unterricht.

Bildungsminister Christian Tischner überbrachte heute Landrat Matthias Jendricke eine Fördermittelbescheid für den Neubau zweier Hortgebäude in Ellrich und Heringen. (Foto: ssc) Bildungsminister Christian Tischner überbrachte heute Landrat Matthias Jendricke eine Fördermittelbescheid für den Neubau zweier Hortgebäude in Ellrich und Heringen. (Foto: ssc)
Die Grundschule Ellrich besuchen derzeit rund 200 Schülerinnen und Schüler, die Grundschule Heringen etwa 125. Hinzu kommen rund 270 Schülerinnen und Schüler der Regelschule Heringen, die im selben Gebäude untergebracht ist. An beiden Standorten nehmen mehr als 90 Prozent der Kinder das Hortangebot wahr. „Derzeit werden die Kinder auch am Nachmittag in den Unterrichtsräumen betreut“, erklärte Ellrichs Schulleiter Klaus Hoche. Mit eigenen Horträumen verbessere sich die Betreuungssituation dann deultich. „Die Kinder können auch einen klaren Schnitt zwischen Schule und Freizeit am Nachmittag machen“, sagte Heringens Grundschulleiterin Sylke Schmidt.

Millionenförderung für die Bauprojekte
So soll der Hortneubau in Heringen aussehen. Er wird direkt an das Bestandsgebäude anschließen.  (Foto: Visualisierung: IGT Gebrüder Tölle) So soll der Hortneubau in Heringen aussehen. Er wird direkt an das Bestandsgebäude anschließen. (Foto: Visualisierung: IGT Gebrüder Tölle)
Möglich werden die beiden Neubauten durch eine umfangreiche Förderung des Landes Thüringen. Die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben für beide Hortneubauten einschließlich der Ausstattung belaufen sich auf rund 2,325 Millionen Euro. Davon übernimmt das Land Thüringen im Rahmen der GanztagInvest-Richtlinie II Fördermittel in Höhe von rund 2,092 Millionen Euro.

Auf die Grundschule Ellrich entfallen dabei 1.288.800 Euro, auf die Grundschule Heringen 1.036.200 Euro. Der Eigenanteil des Landkreises beträgt lediglich zehn Prozent und damit rund 235.000 Euro. Einschließlich Planung, Bau und Ausstattung liegt das Gesamtvolumen der beiden Projekte nach Landkreisangaben bei mehr als 2,5 Millionen Euro.

Moderne Gebäude mit viel Licht und Flexibilität
Auf dem bis jetzt noch leeren Grundstück in der Ellricher Innenstadt soll der Hort gebaut werden. (Foto: ssc) Auf dem bis jetzt noch leeren Grundstück in der Ellricher Innenstadt soll der Hort gebaut werden. (Foto: ssc) Wie die neuen Gebäude aussehen sollen, stellte Architekt Karsten Tölle in Ellrich vor. Dort ist ein eingeschossiger Neubau mit Holzverkleidung geplant. „Wir befinden uns im Stadtsanierungs- und Denkmalschutzgebiet“, erklärte Tölle. Der Zugang zur benachbarten Grundschule werde rückseitig und ohne Straßenquerung möglich sein.

Vorgesehen sind drei variable Horträume mit einer Gesamtfläche von rund 280 Quadratmetern. Durch flexible Faltwände können entweder drei getrennte Räume oder ein großer gemeinsamer Raum entstehen. Im vorderen Teil des Gebäudes befinden sich außerdem Toiletten, eine Umkleide sowie eine Teeküche.

Große bodentiefe Fenster auf der Rückseite sollen für helle und freundliche Räume sorgen. Darüber hinaus sind eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie eine Wärmerückgewinnung geplant.

Auch das Außengelände könne durch das zusätzliche Gelände in der Nordhäuser Straße perspektivisch erweitert werden. Auf der Grünfläche hinter dem Hortgebäude ist ein weiteres Spielgerät vorgesehen. „Außerdem haben wir dann Platz, um unseren Schulgarten zu erweitern“, sagte Grundschulleiter Klaus Hoche.

Auch Heringen setzt auf flexible Räume
Ein ähnliches Konzept ist auch für den Standort Heringen vorgesehen. Dort entsteht ein rund 230 Quadratmeter großer moderner Flachbau, der direkt an das bestehende Schulgebäude angebaut wird, weil hierfür, anders als in Ellrich, auch der Platz vorhanden sei. Im Inneren kann der Bau durch flexible Wände in bis zu vier Horträume unterteilt werden.

Das Konzept ähnelt dem in Ellrich: flexible Möbel, gemütliche Sitzecken und moderne Räume für die Betreuung der Kinder. So sollen an beiden Standorten Orte entstehen, an denen sich die Kinder auch nach dem Unterricht gern aufhalten.

Der Baustart für beide Hortgebäude ist für diesen Herbst vorgesehen. Ende 2027 sollen die Gebäude fertiggestellt sein.
Susanne Schedwill