Jahresempfang von Stadt und Hochschule

Herzlich willkommen, bleiben Sie gern

Stadt und Hochschule laden traditionell gemeinsam zum Jahresempfang, so auch gestern. Im Ratssaal wurde sowohl von Präsident Wagner wie auch Oberbürgermeister Buchmann Optimismus und gute Nachrichten verbreitet…

Hochschulpräsident Wagner und Oberbürgermeister Buchmann luden gestern zum gemeinsamen Jahresempfang (Foto: agl) Hochschulpräsident Wagner und Oberbürgermeister Buchmann luden gestern zum gemeinsamen Jahresempfang (Foto: agl)

Eröffnet wurde die Runde mit knapp 250 geladenen Gästen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft allerdings mit Trauer. Gleich drei Verluste hatte die Stadt jüngst zu beklagen, Probst Jäger, Ehrenbürger und zentrale Figur der friedlichen Revolution in Nordhausen, den Ehrenbürger und KZ-Überlebenden Albrecht Weinberg und den langjährigen Stadtrat und Mediziner Dr. Maximilian Schönfelder.

Auf die Erinnerung folgte die Ermunterung, Oberbürgermeister Buchmann konnte seine Worte mit dem Verweis auf den „IW Gemeindecheck“ beginnen, der die Daseinsvorsorge in den 10.817 Gemeinden des Landes unter die Lupe genommen hat. Die Stadt Nordhausen landet hier auf Platz 522, führte Buchmann aus, ein beachtliches Ergebnis, das jahrelanger Arbeit geschuldet sei. „Die Daseinsvorsorge ist das Kerngeschäft der Stadtverwaltung“, sagte der OB, im Alltag werde vieles kleingeredet doch hier sei die Botschaft unmissverständlich: Nordhausen versorgt seine Bürger gut, das Ergebnis müsse nun Ansporn sein dieses Niveau zu halten und zu entwickeln.

Frei von Herausforderungen seien die Geschicke der Stadt damit nicht, insbesondere die demografische Entwicklung sei eine „fordernde Tatsache“, der man aber nicht hilflos entgegenstehe. Eine Stütze gegen die Überalterung könnte die Hochschule sein, die junge und gut ausgebildete Menschen nach Nordhausen bringt. Die Kunst liegt darin, sie auch zum Bleiben zu bewegen, ein Thema, das im Laufe des Abends noch vertieft werden sollte. „Wer hier Wurzeln schlägt ist gerne gesehen. Seien Sie herzlich Willkommen und bleiben Sie gern“, sagte Buchmann und warb um Optimismus. Die Zukunft gehöre denen, die an sie glaubten.

Seien Sie positiv, knetschen Sie nicht
Mit Zukunftsfragen befasst man sich an der Hochschule vom Amts wegen, der Campus sei eine wichtige Brücke für Innovation in der Region, begann Präsident Jörg Wagner und konnte, nach musikalischem Intermezzo der Nordhäuser Band "Herrenzimmer", ebenfalls mit guten Nachrichten beginnen: Die Zahl der Studierenden sei zuletzt wieder gestiegen. Rund 70 Prozent der Studierenden kommt aus Deutschland, etwa 30 Prozent sind internationale Studentinnen und Studenten, eine gute Mischung, meint Wagner.

Als Hochschule der angewandten Wissenschaft verstehe man sich auch in der Ausbildung neuer Lehrkräfte, ab dem kommenden Wintersemester wird die Hochschule erstmals einen Studiengang für Lehrkräfte im Regelschulbereich in Kooperation mit der Universität Erfurt anbieten, natürlich im Bereich „MINT“, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Ein Erfolgsmodell sei auch das „Studium Praxis Plus“ für Bachelor und Master, das in enger Anbindung an die lokalen Unternehmen angelegt wurde und inzwischen 40 Kooperationen zählt. Auch bei der für Hochschulen so wichtigen Einwerbung von Drittmitteln sei die Entwicklung positiv, rund 125.000 Euro pro Professor nehme man auf diesem Wege ein, im Vergleich ein guter Schnitt. Eines der größten Projekte ist die „Quantenverschlüsselung“, das diese Woche am Netzknoten in Frankfurt am Main eröffnet werden wird. Und noch ein letzter Lichtblick: die Hochschule hat einen Antrag für ein Promotionszentrum zum Thema Nachhaltigkeit gestellt, sollte dem stattgegeben werden, würde das lang ersehnte Promotionsrecht in greifbarer Nähe rücken.

Auch Wagner schloss mit einem Appell an den Optimismus. Nordthüringen sei eine weltoffene Region, der es gelinge, auch internationale Studierende in Thüringen in Arbeit zu bringen. Gemeinsam könne man die Region gestalten. „Seien Sie positiv. Knetschen Sie nicht.“, sagte Wagner und warb abschließend für den Tag der offenen Tür an der Hochschule, der am Samstag stattfinden wird: „Wir brauchen gute Leute. Sie kennen gute Leute. Schicken Sie sie gerne bei uns vorbei.“

WortNord
Um die klugen Köpfe auf dem Campus auch nach dem Studium für die Region zu erhalten werden an der Hochschule vielerlei Anstrengungen unternommen. Jüngstes Projekt ist das Projekt „WORT Nord“, das gestern von Projektkoordinatorin Simone Treiber vorgestellt wurde und in Kooperation mit der Uni Jena durchgeführt wird. Kernaufgabe ist die Fachkräftesicherung und Gewinnung insbesondere unter den internationalen Studierenden, indem Nordthüringen als zukunftsfähiger Lebens-, Lern- und Arbeitsraum für internationale Studierende und Fachkräfte gestärkt wird.

Dass dies nötig wird, macht ein Blick auf die nackten Zahlen deutlich. Rund 27 Prozent der knapp 118.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den vier Nordhäuser Kreisen ist aktuell über 55 Jahre alt. Die Zahl der Jüngeren, die nachfolgen könnten, liegt unter 10 Prozent.

Junge Studierende, die die Region wieder verlassen, gäben häufig an „nicht angekommen“ zu sein, führte Treiber aus. Wer junge Kräfte binden wolle, dürfe dabei nicht allein auf die Rahmenbedingungen verweisen, die Menschen blieben da, wo sie Perspektive sehen und eine „lebenswerte“ Region beginne nicht erst beim Arbeitsvertrag.

Positive Erfahrungen auf dem Weg in den Berufseinstieg ließen sich an diversen Stellen machen, wofür es aber auch ein entsprechendes Bewusstsein und offene Partner in der Region brauche. Das „WORT Nord“ Team will diesbezüglich für „passgenaues matching“ zwischen dem engagierten, motivierten und fachlich versiertem Nachwuchs und der Wirtschaft sorgen aber auch Angebotsräume in und Verbindungen zur Zivilgesellschaft schaffen, die das Leben lebenswert machen und es leichter machen, sich für Nordthüringen zu entscheiden. Das Projektteam hat im November vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen, nun könne man durchstarten, meint Treiber, im Oktober 2028 wird dann Bilanz gezogen.
Angelo Glashagel