Nordhäuser Ehrenbürger stirbt mit 101 Jahren

Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg ist tot

Er war einer der letzten Überlebenden des KZ Mittelbau-Dora. Er war Nordhäuser Ehrenbürger, Mahner und Versöhner. Jetzt ist Albrecht Weinberg im Alter von 101 Jahren in seiner ostfriesischen Heimat Leer gestorben...

Albrecht Weinberg ist tot. Das Foto wurde 2017 bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes aufgenommen. 2025 gab er es aus Protest an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zurück, nachdem die Union einen Bundestagsantrag zur Migrationspolitik mit Stimmen der AfD durchgebracht hatte (Foto: Badmanontour/wikipedia) Albrecht Weinberg ist tot. Das Foto wurde 2017 bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes aufgenommen. 2025 gab er es aus Protest an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zurück, nachdem die Union einen Bundestagsantrag zur Migrationspolitik mit Stimmen der AfD durchgebracht hatte (Foto: Badmanontour/wikipedia)
Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist tot. Der Ehrenbürger der Stadt Nordhausen starb am gestrigen Dienstag im Alter von 101 Jahren in Leer. Wie der NDR berichtet, lebte Weinberg zuletzt mit seiner Mitbewohnerin Gerda Dänekas in einer kleinen Wohngemeinschaft in Leer. Dort sei er friedlich gestorben.

Vor fast genau einem Jahr, am 6. Mai 2025, reiste eine kleine Nordhäuser Delegation nach Leer. Ihre Mission: Albrecht Weinberg die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Weinberg schrieb zu diesem Termin auch in das Goldene Buch der Stadt Nordhausen folgende Worte: „Wer hätte das gedacht! Vor 80 Jahren ein KZ-Häftling, mehr tot als lebendig. Heute ein Ehrenbürger der Stadt Nordhausen! Vielen Dank für die Ehre, ich kann es kaum glauben. Möge es nie wieder geschehen!!“

Albrecht Weinberg wurde am 7. März 1925 im ostfriesischen Rhauderfehn geboren. Als Kind jüdischer Eltern erlebte er die Verfolgung und Entrechtung im nationalsozialistischen Deutschland. Im April 1943 wurde die Familie ins KZ Auschwitz deportiert. Dort wurden seine Eltern ermordet. Mit Räumungstransporten gelangte Weinberg Anfang 1945 ins KZ Mittelbau-Dora nach Nordhausen und leistete hier Zwangsarbeit. Nach einem weiteren Räumungstransport wurde er im KZ Bergen-Belsen befreit. Albrecht Weinberg wanderte mit seiner Schwester in die USA aus. Im hohen Alter, im Jahr 2011, kehrte er in seine ostfriesische Heimat nach Leer zurück.

Seit seiner Rückkehr nach Deutschland engagierte er sich unermüdlich in der Erinnerungsarbeit. Er besuchte regelmäßig Nordhausen, nahm an hiesigen Gedenkfeiern teil und berichtete über seine Erfahrungen, um das Bewusstsein für die Schrecken des Holocaust zu schärfen und gegen das Erstarken des Rechtsextremismus einzutreten.

Mit Albrecht Weinberg verliert Deutschland einen der letzten Holocaust-Überlebenden, der seine Erinnerungen über Jahrzehnte hinweg öffentlich teilte.
Susanne Schedwill