Rezension
Von äußerster Zartheit zu urwüchsigen Tanzrhythmen
Mit einem Programm, das Werke aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert umfasste, lud das Loh-Orchester letzten Sonnabend zum Sinfoniekonzert ins Haus der Kunst nach Sondershausen ein. Unter Leitung von Nicolas Pasquet, dem langjährigen Professor der Weimarer Musikhochschule, gelang ein begeisternder Abend...
Als Auftakt erklang Maurice Ravels ursprünglich für Klavier geschriebene Pavane für eine verstorbene Prinzessin im vom Komponisten selbst erstellten Orchesterarrangement. Eine von größter Zartheit und Durchsichtigkeit geprägte Interpretation beschwor die Welt Spaniens um 1600. Besondere Klangfarben brachten gleich zu Beginn Fagotte und Hörner hervor. Sie wurden von sanftem Streicherklang abgelöst. Den Holzbläsern fielen reizvolle Soli zu, umspielt durch duftige Harfentöne. Der Mittelteil brachte eine fast unmerkliche Steigerung in Tempo und Ausdruck, bevor sich am Schluss alle Register des Orchesters zusammenfanden.
Mit dem zweiten Violinkonzert op. 61 des polnischen Komponisten Karol Szymanowski folgte ein hierzulande nahezu unbekanntes Stück. Als Solistin konnte die niederländische Geigerin Isabelle van Keulen, derzeit als Professorin in Luzern wirkend, gewonnen werden. Sie wurde dem höchst anspruchsvollen Solopart auf beeindruckende Weise gerecht. Ein wichtiges Verdienst des Dirigenten war es, dass die Violine gegenüber dem reich besetzten Orchester stets mühelos durchdrang.
Das einsätzige Konzert brachte fast rhapsodischen Wechsel langsamer und schneller Abschnitte. Aus tiefster Tiefe entwickelte sich die langsame Einleitung. Isabelle van Keulen überzeugte sofort durch höchste tonliche Qualitäten. Als gleichwertiger Partner griff das Orchester in die musikalische Entwicklung ein. Rhythmisch betonte Episoden brachten deutliche Kontraste. An zentraler Stelle stand eine brillant musizierte Kadenz der Violine.
Danach folgten lebhafte Abschnitte mit reichhaltigem Einsatz des Schlagzeugs. Hier klangen die urwüchsigen Tanzrhythmen von Bergbewohnern der Hohen Tatra auf, die Szymanowski während seines Aufenthaltes im bekannten Kurort Zakopane studiert hatte. Eine weitere ruhigere Episode ließ neben der Violine auch mehrere Bläser solistisch hervortreten. Wahrhaft mitreißend präsentierte sich der Schluss, wo reizvolle Effekte der Streichergruppe aufhorchen ließen. Für den begeisterten Applaus bedankte sich die Geigerin mit der aus zahlreichen Wettbewerbsprogrammen bekannten Polnischen Caprice von Grazyna Bacewicz.
Mit der Sinfonie Nr. 1 D-Dur von Gustav Mahler folgte im zweiten Teil des Abends eines der bedeutendsten spätromantischen Orchesterwerke. Auf einer ursprünglichen Bezeichnung dieser Sinfonie beruhte das Konzertmotto Titanen. Der ruhige Beginn des ersten Satzes zauberte idyllische Morgenstimmungen herbei. Neben leisen Weckrufen in den Trompeten standen scharf akzentuierte Kuckucksrufe der Klarinette. Volksliedhaft schlicht zeigte sich das Hauptthema, bald zu kräftigen Steigerungen entwickelt.
In der Reprise führten schmerzliche Dissonanzen zu einer beeindruckenden Kulmination, bevor sich die frohgemute Wanderstimmung endlich durchsetzte. Der kraftvolle Ländler des zweiten Satzes, von Pasquet mit sichtlicher Begeisterung dirigiert, ließ tänzerische Klänge aus den Alpenländern aufscheinen. Die Musiker wurden regelrecht mitgerissen.
Als deutlicher Kontrast zeigte sich dann der dunkel getönte Totenmarsch. Ein Solo des Kontrabasses brachte die bekannte Volksweise Bruder Jakob. Im Mittelteil beschworen sanfte Klänge von Geigen und Flöten idyllische Glücksvisionen. Mit Urgewalt brach das Finale herein. Hier schien Mahler alle Kämpfe seiner frühen Jahre, die er zum Teil in untergeordneten Positionen verbrachte, zusammenzufassen.
Ein weit geschwungenes lyrisches Seitenthema brachte einen wesentlichen Gegensatz. Höchst beeindruckend zeigte sich der Schluss, welcher alle Register des Orchesters zog. Im Stehen und dadurch besonders gut durchdringend musizierten die Hörner einen triumphalen Hymnus. Lang anhaltender starker Beifall dankte den Künstlern.
Ronald Uhlig
Als Auftakt erklang Maurice Ravels ursprünglich für Klavier geschriebene Pavane für eine verstorbene Prinzessin im vom Komponisten selbst erstellten Orchesterarrangement. Eine von größter Zartheit und Durchsichtigkeit geprägte Interpretation beschwor die Welt Spaniens um 1600. Besondere Klangfarben brachten gleich zu Beginn Fagotte und Hörner hervor. Sie wurden von sanftem Streicherklang abgelöst. Den Holzbläsern fielen reizvolle Soli zu, umspielt durch duftige Harfentöne. Der Mittelteil brachte eine fast unmerkliche Steigerung in Tempo und Ausdruck, bevor sich am Schluss alle Register des Orchesters zusammenfanden.
Mit dem zweiten Violinkonzert op. 61 des polnischen Komponisten Karol Szymanowski folgte ein hierzulande nahezu unbekanntes Stück. Als Solistin konnte die niederländische Geigerin Isabelle van Keulen, derzeit als Professorin in Luzern wirkend, gewonnen werden. Sie wurde dem höchst anspruchsvollen Solopart auf beeindruckende Weise gerecht. Ein wichtiges Verdienst des Dirigenten war es, dass die Violine gegenüber dem reich besetzten Orchester stets mühelos durchdrang.
Das einsätzige Konzert brachte fast rhapsodischen Wechsel langsamer und schneller Abschnitte. Aus tiefster Tiefe entwickelte sich die langsame Einleitung. Isabelle van Keulen überzeugte sofort durch höchste tonliche Qualitäten. Als gleichwertiger Partner griff das Orchester in die musikalische Entwicklung ein. Rhythmisch betonte Episoden brachten deutliche Kontraste. An zentraler Stelle stand eine brillant musizierte Kadenz der Violine.
Danach folgten lebhafte Abschnitte mit reichhaltigem Einsatz des Schlagzeugs. Hier klangen die urwüchsigen Tanzrhythmen von Bergbewohnern der Hohen Tatra auf, die Szymanowski während seines Aufenthaltes im bekannten Kurort Zakopane studiert hatte. Eine weitere ruhigere Episode ließ neben der Violine auch mehrere Bläser solistisch hervortreten. Wahrhaft mitreißend präsentierte sich der Schluss, wo reizvolle Effekte der Streichergruppe aufhorchen ließen. Für den begeisterten Applaus bedankte sich die Geigerin mit der aus zahlreichen Wettbewerbsprogrammen bekannten Polnischen Caprice von Grazyna Bacewicz.
Mit der Sinfonie Nr. 1 D-Dur von Gustav Mahler folgte im zweiten Teil des Abends eines der bedeutendsten spätromantischen Orchesterwerke. Auf einer ursprünglichen Bezeichnung dieser Sinfonie beruhte das Konzertmotto Titanen. Der ruhige Beginn des ersten Satzes zauberte idyllische Morgenstimmungen herbei. Neben leisen Weckrufen in den Trompeten standen scharf akzentuierte Kuckucksrufe der Klarinette. Volksliedhaft schlicht zeigte sich das Hauptthema, bald zu kräftigen Steigerungen entwickelt.
In der Reprise führten schmerzliche Dissonanzen zu einer beeindruckenden Kulmination, bevor sich die frohgemute Wanderstimmung endlich durchsetzte. Der kraftvolle Ländler des zweiten Satzes, von Pasquet mit sichtlicher Begeisterung dirigiert, ließ tänzerische Klänge aus den Alpenländern aufscheinen. Die Musiker wurden regelrecht mitgerissen.
Als deutlicher Kontrast zeigte sich dann der dunkel getönte Totenmarsch. Ein Solo des Kontrabasses brachte die bekannte Volksweise Bruder Jakob. Im Mittelteil beschworen sanfte Klänge von Geigen und Flöten idyllische Glücksvisionen. Mit Urgewalt brach das Finale herein. Hier schien Mahler alle Kämpfe seiner frühen Jahre, die er zum Teil in untergeordneten Positionen verbrachte, zusammenzufassen.
Ein weit geschwungenes lyrisches Seitenthema brachte einen wesentlichen Gegensatz. Höchst beeindruckend zeigte sich der Schluss, welcher alle Register des Orchesters zog. Im Stehen und dadurch besonders gut durchdringend musizierten die Hörner einen triumphalen Hymnus. Lang anhaltender starker Beifall dankte den Künstlern.
Ronald Uhlig
