Meine Meinung:
Armutszeugnis für OB und Stadtrat
Die Kuh ist vom Eis: Das national und international überaus erfolgreiche Bowteam hat einen neuen Trainingsplatz gefunden – allerdings in Harztor. Glückwunsch dazu von nnz-Kolumnistin Andrea Kallweit...
Zielscheibe (Foto: Alexandra_Koch auf Pixabay)
Damit endet ein Drama, das in Nordhausen seinesgleichen sucht. Die Stadt hatte den langjährigen Trainings- und Turnierplatz der Bogenschützen verkauft, woraufhin der Verein plötzlich ohne Obdach dastand. Erst durch den Druck der Medien wurde die prekäre Situation öffentlich – die Existenz des Vereins stand auf dem Spiel.
Die Stadt sah sich erst unter diesem Druck genötigt, nach Alternativen zu suchen. Und hier beginnt das Versagen des Oberbürgermeisters: Der ihm unterstehende Fachbereich im Rathaus präsentierte ein Grundstück in Salza. Die böse Überraschung folgte auf dem Fuß: Das Areal war derart zugewuchert, dass es mittlerweile als Biotop eingestuft wurde und sich als völlig ungeeignet erwies. Die Stadt hatte dem Verein ein vergiftetes Geschenk gemacht.
Das Erschreckende daran: Weder der OB noch seine Mitarbeiter kannten offensichtlich den Zustand des Geländes, das sie dem Verein so großzügig überlassen wollten. Man hatte offenbar versäumt, diejenigen im Rathaus zu fragen, die fachliche Kenntnis hatten. Das wäre Variante eins: Unwissenheit durch schlechte Organisation.
Variante zwei: Der OB wusste um den Zustand der Liegenschaft und bot sie dennoch an, weil ihm schlichtweg egal war, wie der Verein damit klarkommen sollte. Nach dem Motto: Friss oder stirb.
Ab diesem Zeitpunkt stand der Verein perspektivlos da
Doch nach diesem Tritt vor das Schienbein folgte der nächste Akt der Verhöhnung: Funkstille aus dem Rathaus. Nur auf massives Drängen erhielten die Sportler spärliche Informationen.
Sogar der MDR nahm sich des Falles an, um eine Lösung herbeizuführen. Das Bild vor Ort war jedoch bezeichnend: Abfuhr für das Fernsehteam und die Vereinsmitglieder auf der Rathaustreppe. Keine Stellungnahme, keine Lösungsvorschläge – auch nicht im Nachgang, obwohl dies eigentlich zugesagt war. Es kam, wie es kommen musste: Die entsprechende TV-Sendung lieferte ein verheerendes Bild der Nordhäuser Lokalpolitik, das thüringenweit über die Bildschirme flimmerte.
Doch damit nicht genug: Ein offensichtlich in seiner Eitelkeit gekränkter OB knallte schließlich einen neuen Beschlussvorschlag auf den Tisch. Nach dem Motto: Bitteschön, wir richten das Grundstück in Salza her, aber dann seid ihr schuld, wenn der Stadtkasse mehr als 100.000 Euro fehlen.
Damit war die Sache für ihn erledigt, da der Verein die Größe besaß, angesichts dieser gigantischen Summe an Steuergeldern dankend abzulehnen. So abgefertigt und verspottet begaben sich die Vereinsmitglieder schließlich allein auf die Suche – mit schnellem Erfolg in Harztor und dem damit verbundenen Abschied aus Nordhausen.
Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Dieser Einzelfall ist nicht bloß ein Ausrutscher in der Tagesform des OB; er offenbart strukturelle Kommunikationsfehler, Informationsdefizite, Unprofessionalität, Überforderung und ein tiefes Desinteresse an der Vereinsarbeit und damit an den Bürgern.
Doch dieser Vorwurf trifft den OB nicht allein: Bis auf zwei öffentliche Wortmeldungen (Herr Rossmann und Frau Düben-Schaumann) gab es kein nennenswertes Engagement der Stadträte. Die Sache wurde schlicht ausgesessen.
Das ist besonders pikant, wenn man bedenkt, wie sich dieselben Damen und Herren über Monate in unzähligen Sitzungen und Ausschüssen etwa mit dem Thema Seelano beschäftigen, um eine Lösung zu erzwingen. Das Bowteam erfuhr deutlich weniger Wertschätzung. Eine Aufarbeitung der krassen Fehler gegenüber den Bürgern wurde nie eingefordert, der OB nie zur Rechenschaft gezogen. Gnade Gott, wenn dieser Umgang Schule macht und demnächst auf einen ansiedlungswilligen Investor trifft.
Der OB und die Stadträte sollten sich an eine alte Weisheit erinnern: Es gibt Menschen, die werden erst wahrgenommen, wenn sie fehlen. Spätestens, wenn im Rathaus bei Sekt und Häppchen wieder Sonntagsreden auf das Ehrenamt geschwungen werden, oder wenn man Vereine zur Ausgestaltungsgestaltung des Rolandsfestes oder des Thüringen tages sucht, sollte man sich peinlich genau daran erinnern, dass man einen Vorzeigeverein gerade mit einem gewaltigen Tritt aus der Stadt befördert hat.
Andrea Kallweit
Zielscheibe (Foto: Alexandra_Koch auf Pixabay)
Damit endet ein Drama, das in Nordhausen seinesgleichen sucht. Die Stadt hatte den langjährigen Trainings- und Turnierplatz der Bogenschützen verkauft, woraufhin der Verein plötzlich ohne Obdach dastand. Erst durch den Druck der Medien wurde die prekäre Situation öffentlich – die Existenz des Vereins stand auf dem Spiel.
Die Stadt sah sich erst unter diesem Druck genötigt, nach Alternativen zu suchen. Und hier beginnt das Versagen des Oberbürgermeisters: Der ihm unterstehende Fachbereich im Rathaus präsentierte ein Grundstück in Salza. Die böse Überraschung folgte auf dem Fuß: Das Areal war derart zugewuchert, dass es mittlerweile als Biotop eingestuft wurde und sich als völlig ungeeignet erwies. Die Stadt hatte dem Verein ein vergiftetes Geschenk gemacht.
Das Erschreckende daran: Weder der OB noch seine Mitarbeiter kannten offensichtlich den Zustand des Geländes, das sie dem Verein so großzügig überlassen wollten. Man hatte offenbar versäumt, diejenigen im Rathaus zu fragen, die fachliche Kenntnis hatten. Das wäre Variante eins: Unwissenheit durch schlechte Organisation.
Variante zwei: Der OB wusste um den Zustand der Liegenschaft und bot sie dennoch an, weil ihm schlichtweg egal war, wie der Verein damit klarkommen sollte. Nach dem Motto: Friss oder stirb.
Ab diesem Zeitpunkt stand der Verein perspektivlos da
Doch nach diesem Tritt vor das Schienbein folgte der nächste Akt der Verhöhnung: Funkstille aus dem Rathaus. Nur auf massives Drängen erhielten die Sportler spärliche Informationen.
Sogar der MDR nahm sich des Falles an, um eine Lösung herbeizuführen. Das Bild vor Ort war jedoch bezeichnend: Abfuhr für das Fernsehteam und die Vereinsmitglieder auf der Rathaustreppe. Keine Stellungnahme, keine Lösungsvorschläge – auch nicht im Nachgang, obwohl dies eigentlich zugesagt war. Es kam, wie es kommen musste: Die entsprechende TV-Sendung lieferte ein verheerendes Bild der Nordhäuser Lokalpolitik, das thüringenweit über die Bildschirme flimmerte.
Doch damit nicht genug: Ein offensichtlich in seiner Eitelkeit gekränkter OB knallte schließlich einen neuen Beschlussvorschlag auf den Tisch. Nach dem Motto: Bitteschön, wir richten das Grundstück in Salza her, aber dann seid ihr schuld, wenn der Stadtkasse mehr als 100.000 Euro fehlen.
Damit war die Sache für ihn erledigt, da der Verein die Größe besaß, angesichts dieser gigantischen Summe an Steuergeldern dankend abzulehnen. So abgefertigt und verspottet begaben sich die Vereinsmitglieder schließlich allein auf die Suche – mit schnellem Erfolg in Harztor und dem damit verbundenen Abschied aus Nordhausen.
Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Dieser Einzelfall ist nicht bloß ein Ausrutscher in der Tagesform des OB; er offenbart strukturelle Kommunikationsfehler, Informationsdefizite, Unprofessionalität, Überforderung und ein tiefes Desinteresse an der Vereinsarbeit und damit an den Bürgern.
Doch dieser Vorwurf trifft den OB nicht allein: Bis auf zwei öffentliche Wortmeldungen (Herr Rossmann und Frau Düben-Schaumann) gab es kein nennenswertes Engagement der Stadträte. Die Sache wurde schlicht ausgesessen.
Das ist besonders pikant, wenn man bedenkt, wie sich dieselben Damen und Herren über Monate in unzähligen Sitzungen und Ausschüssen etwa mit dem Thema Seelano beschäftigen, um eine Lösung zu erzwingen. Das Bowteam erfuhr deutlich weniger Wertschätzung. Eine Aufarbeitung der krassen Fehler gegenüber den Bürgern wurde nie eingefordert, der OB nie zur Rechenschaft gezogen. Gnade Gott, wenn dieser Umgang Schule macht und demnächst auf einen ansiedlungswilligen Investor trifft.
Der OB und die Stadträte sollten sich an eine alte Weisheit erinnern: Es gibt Menschen, die werden erst wahrgenommen, wenn sie fehlen. Spätestens, wenn im Rathaus bei Sekt und Häppchen wieder Sonntagsreden auf das Ehrenamt geschwungen werden, oder wenn man Vereine zur Ausgestaltungsgestaltung des Rolandsfestes oder des Thüringen tages sucht, sollte man sich peinlich genau daran erinnern, dass man einen Vorzeigeverein gerade mit einem gewaltigen Tritt aus der Stadt befördert hat.
Andrea Kallweit