Wiener Tiergarten Schönbrunn übernimmt Nordhäuser Krokodil

Theofil hat ein neues zu Hause gefunden

Vor knapp zwei Jahren mussten Veterinäramt und Naturschutzbehörde zu einem besonderen Einsatz ausrücken: es galt eine Reptilienhaltung im Kleingarten aufzulösen. Zu den Bewohnern im Schrebergarten gehörte damals auch Theofil, das Beulenkrokodil…

Neben dem Krokodil wurden von Amts wegen auch mehrere Würge- und Giftschlangen sichergestellt. Über die kommenden Wochen konnte einige der Tiere vermittelt werden, zwei große Anakondas kamen in Zoo in Eskilstrup in Dänemark unter, eine Netzpython wurde vom Exotarium in Oberhof aufgenommen.

Nach zehn Jahren im Kleingarten ist Krokodil Theofil inzwischen in einem ordentlichen Domizil im Wiener Tiergarten Schönbrunn untergekommen (Foto: S. Dietzel/nnz-Archiv) Nach zehn Jahren im Kleingarten ist Krokodil Theofil inzwischen in einem ordentlichen Domizil im Wiener Tiergarten Schönbrunn untergekommen (Foto: S. Dietzel/nnz-Archiv)

Für Theofil sollte es zunächst nach Tschechien gehen, unter kam das Beulenkrokodil dann aber in einer Auffangstation für Reptilien in München. Mehrere tausend Tiere werden hier jedes Jahr aufgenommen, medizinisch versorgt und weitervermittelt.

Auch das Nordhäuser Krokodil kann sich hier jetzt einreihen und hat eine neue, permanente Bleibe gefunden. Die Reise sollte nicht zu weit führen - von München ging es nach Wien in den Tiergarten Schönbrunn.

Hier erwartete das Beulenkrokodil-Männchen auch ein passendes Weibchen, teilt der Tiergarten in einer eigenen Pressemitteilung mit. Nachdem im September des Vorjahres das alte Männchen verstorben war, sei man froh, wieder ein Pärchen halten zu können. „Beulenkrokodile sind nur in wenigen zoologischen Gärten zu finden. Für den Fortbestand der Zoopopulation ist dieses Paar genetisch besonders wertvoll“, so Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck.

Der Neuankömmling im Tiergarten Schönbrunn (Foto: Daniel Zupanc) Der Neuankömmling im Tiergarten Schönbrunn (Foto: Daniel Zupanc)

Welche Bedeutung der Aufbau von Reservepopulationen hat, zeigt die Geschichte der Beulenkrokodile. „Wegen ihres Leders wurden die Beulenkrokodile in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet – im Süden Mexikos, in Guatemala und Belize – vor 40 Jahren fast ausgerottet. Der Zoo Atlanta und weitere Institute züchteten viele Tiere und wilderten sie erfolgreich aus, sodass die Art heute nicht mehr als gefährdet gilt.“ 
 
Der Transport des Tieres nach Wien wurde vom Tiergarten selbst durchgeführt: Kurator Anton Weissenbacher holte das Beulenkrokodil gemeinsam mit einer Tierpflegerin und einem Tierpfleger in München ab. In einer speziellen Transportkiste wurde es in einem Klein-LKW in den Tiergarten Schönbrunn gebracht. Dort verbrachte das Männchen zunächst einige Tage vom Weibchen getrennt in der Anlage, um sich in Ruhe eingewöhnen zu können. „In der Zeit konnten die Tiere bereits Kontakt miteinander aufnehmen, sich sehen und riechen und miteinander kommunizieren“, so Weissenbacher. Anschließend wurden die beiden Tiere zusammengeführt, was sehr gut verlief: Sie tauchten sofort gemeinsam ab, unternahmen sogar erste Paarungsversuche und liegen seither sowohl an Land als auch im Wasser gerne eng beieinander.