Festakt im Ratssaal in Nordhausen

WBG feiert 125 Jahre

Die Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG) feierte am Freitag ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Ratsaal in Nordhausen. Rund 150 Gäste erlebten eine besondere Würdigung des größten Vermieters in Nordthüringen. Nordhausens Oberbürgermeister sorgte mit seiner Rede für irritierte Gesichter...

Die Band "Rest of best" sorgte für die musikalische Umrahmung.  (Foto: ssc) Die Band "Rest of best" sorgte für die musikalische Umrahmung. (Foto: ssc)
Moderator Thomas Müller hatte eine ganze Karteikarte mit Nordhäuser Straßennamen gefüllt, in denen die WBG Häuser hat. „Und das sind bei weitem nicht alle Straßen. An der WBG kommt man in Nordhausen einfach nicht vorbei“, sagte Müller. Er stand auf einer Bühne, die ein roter Sessel und eine rote Couch mit Stehlampe symbolisch in ein Wohnzimmer in den 1920er Jahren verwandelten.

Die WBG-Vorstände Sven Dörmann und Steffen Loup (rechts) berichteten aus der Geschichte der Genossenschaft.  (Foto: ssc) Die WBG-Vorstände Sven Dörmann und Steffen Loup (rechts) berichteten aus der Geschichte der Genossenschaft. (Foto: ssc)
Es sollte genau das symbolisieren, worum es der Genossenschaft seit jeher geht: ein Zuhause zu schaffen. In dieser Atmosphäre blickten die beiden Vorstände Steffen Loup und Sven Dörmann auf die lange Geschichte zurück. Sie erinnerten daran, dass sich am 10. April 1901 engagierte Bürger in Nordhausen zusammenschlossen, um die teils katastrophalen Wohnverhältnisse für Arbeiter und Angestellte zu verbessern. Mit der Gründung des Nordhäuser Spar- und Bauvereins e.V. entstand die erste Wohnungsbaugenossenschaft der Region.

125 Jahre später ist daraus die Wohnungsbaugenossenschaft Südharz hervorgegangen. Mit rund 7.000 Wohnungen zählt sie heute nicht nur zu den größten Vermietern in Nordthüringen, sondern auch zu den größten Wohnungsbaugenossenschaften im Freistaat.

Minister Steffen Schütz hielt ein Grußwort.  (Foto: ssc) Minister Steffen Schütz hielt ein Grußwort. (Foto: ssc) In seinem Grußwort betonte Thüringens Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) die Bedeutung der über 100 Thüringer Wohnungsbaugenossenschaften. Angesichts angespannter Wohnungsmärkte in Großstädten stünden sie für eine faire Form der Marktwirtschaft, „einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“. Die Durchschnittsmiete liege bei der WBG in Nordhausen bei 5,67 Euro pro Quadratmeter. „Das ist ein Wert, von dem man in Metropolen wie Berlin nur träumen kann. Das ist ein Niveau, das bezahlbares Wohnen verlässlich sichert“, so Schütz.

Glückwünsche aus Berlin übermittelte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, per Videobotschaft. Er würdigte die WBG als tragenden Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft.

Auch Frank Emrich, Verbandsdirektor des Verbands der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, hob die Rolle der Genossenschaft hervor. Die WBG sei ein Taktgeber in Nordhausen und darüber hinaus. Sie habe in den vergangenen Jahren viel zur positiven Entwicklung des Wohnungsmarktes beigetragen. Die Herausforderung bestehe nun darin, diesen Weg fortzusetzen und bezahlbaren Wohnraum auch unter den Bedingungen der energetischen Transformation und einer älter werdenden Bevölkerung zu sichern.

Landrat Matthias Jendricke (SPD) würdigte das Engagement der Mitarbeitenden, von denen viele an der Feier teilnahmen. Die WBG habe sich immer wieder als verlässlicher Partner erwiesen, etwa bei der schnellen Bereitstellung von Wohnraum während der Flüchtlingsbewegung 2015/16 sowie nach Beginn des Ukraine-Krieges.

Für einen bemerkenswerten Moment sorgte Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos): Er bezeichnete die WBG als Maßstab in Nordhausen, um im nächsten Satz die eigene städtische Wohnungsbaugesellschaft gleich mitzudenken. Als Unternehmen, das sich durch die WBG „getrieben“ fühle und sich von ihr einiges abschauen könne. „Das Gute an der WBG ist, dass sie die SWG besser macht“, sagte Buchmann. Das hatte eine gewisse Ironie: Schließlich ist Buchmann auch Aufsichtsratsvorsitzender der SWG und die Stadt deren Gesellschafter. Dass er deren Leistungsfähigkeit ausgerechnet bei der Jubiläumsfeier des Konkurrenten in Zweifel zog, ließ so manchen etwas irritiert zurück. Zumal das kommunale Unternehmen in der Vergangenheit den städtischen Haushalt mit Millionenbeträgen bezuschusste.

Zu Wort kam auch Horst Petri, der seit 1979 in einer Wohnung der Genossenschaft in der Albert-Träger-Straße lebt. Der 79-Jährige war einst Objektleiter und gehört seit mehr als 30 Jahren der Vertreterversammlung an, ein Beispiel für die enge Bindung vieler Mitglieder an „ihre“ Genossenschaft.

Per Videobotschaft wurden zudem zwei langjährige Mieterinnen zugeschaltet: Elsa Streit, die seit 70 Jahren in der Löbnitzstraße wohnt, sowie Irene Großmann, die seit 75 Jahren Mitglied der Genossenschaft ist und in der Hardenbergstraße lebt.

Für die musikalische Umrahmung sorgte die A-Capella-Band "Rest of best". Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Moment, der zum Anlass passte: das Anschneiden einer großen Geburtstagstorte. Im Juni soll dann mit den Mietern auf dem Rathausplatz gefeiert werden.
Susanne Schedwill