NNZ-Forum: Höchste Eisenbahn für den Südharz

10-Punkte-Programm für den Harz

Die Initiative "Ein Harz" will den Schienenverkehr revolutionieren: Ein 10-Punkte-Programm soll das Mittelgebirge endlich besser an Fernzüge anbinden. Doch neue Bundesregierungs-Pläne und eine EuGH-Entscheidung bedrohen ausgerechnet jetzt die Bahnverbindungen zwischen Goslar, Herzberg und Co...

Seit einigen Jahren macht sich die Initiative "Ein Harz" für die Verbesserung der Anbindung des Harzes an den bundesweiten Schienenfernverkehr stark. Nach weiteren Analysen des aktuellen Zustands des Bahnverkehrs und der finanziellen wie baulichen Perspektiven sowie Gesprächen mit Aufgabenträgern wurde dem Beirat auf seiner jüngsten Tagung in Herzberg ein konkretes 10-Punkte-Programm vorgelegt, das einhellige Zustimmung fand und für dessen Umsetzung man sich gegenüber Bund, Ländern und Aufgabenträgern stark machen wird.

„Wir haben bei der Erarbeitung sehr genau geschaut, wie realistisch die Umsetzungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund sehr knapper Finanzmittel sind und was man für den Harz in den kommenden 5 bis 10 Jahren erreichen kann. Unsere Vorschläge berücksichtigen zudem den ganzen Harz und setzen ein Zusammenwirken der unterschiedlichen Aufgabenträger rund um unser Mittelgebirge voraus“ erläutert Michael Reinboth, der die 10 Punkte für Ein Harz entwickelt hat.

Gefordert werden:

  • 1. Durchgehende Züge Hannover – Goslar – Halle (Saale), ggf. bis und ab Leipzig, bei Beibehaltung der Anbindung von Bad Harzburg mittels Kupplung und Flügelung in Goslar
  • 2. Verdichtung des Zugverkehrs zwischen Hannover, ggf. Hildesheim und Goslar mit dem Ziel wesentlich besserer Anschlüsse an den ICE-Verkehr in Hildesheim und zur Entlastung des RE10 Hannover – Bad Harzburg
  • 3. Eine durchgreifende Verbesserung der Betriebsverhältnisse auf der Strecke Braunschweig – Seesen – Herzberg mit dem Ziel garantierter Anschlüsse in Braunschweig und Herzberg
  • 4. Zweistündlich durchgehende Züge Paderborn – Kreiensen – Goslar – Bad Harzburg und zurück
  • 5. Mehrfach täglich, am Wochenende verstärkt durchgehende Züge Paderborn – Bodenfelde – Northeim – Nordhausen und zurück
  • 6. Verlängerung der RE8 und/oder RE9 (Kassel – Nordhausen - Halle) über Halle hinaus nach Leipzig und zurück
  • 7. Beibehaltung der durchgehenden Züge Nordhausen – Herzberg – Göttingen und Bad Harzburg – Kreiensen – Göttingen zur umsteigefreien Erreichbarkeit des ICE-Bahnhofs Göttingen
  • 8. Kupplung und Flügelung der Züge Braunschweig – Herzberg mit den Zügen Nordhausen – Göttingen und umgekehrt im Bahnhof Herzberg zur Erreichung zweistündlich umsteigefreier Verbindungen Gittelde-Bad Grund – Osterode - Göttingen (bei Beibehaltung der jeweiligen Taktfrequenzen)
  • 9. Einrichtung einer Schnellbuslinie Goslar – Clausthal-Zellerfeld – Osterode – Northeim mit Anbindung an den RE2 nach und von Göttingen und Erzielung eines dichten Angebots zwischen Osterode und Göttingen
  • 10. Verdichtung der Buslinie Wernigerode – Braunlage auf einen Stundentakt auch unter der Woche mit guten Anschlüssen Magdeburg – Schierke – Braunlage bzw. Halle – Schierke – Braunlage über den Bahnhof Wernigerode


Die Vorschläge setzen u.a. in Goslar und Herzberg Investitionen in sogenannte „Beifahranlagen“ voraus, verzichten aber auf teure Neubauabschnitte bzw. Kurven, deren Finanzierung gegenwärtig völlig offen ist. Da bis auf Hildesheim – Goslar und Halle – Leipzig keine Takterweiterungen vorgesehen sind, sondern nur die Zusammenlegung ohnehin schon vorhandener Linien, hält sich auch die Anzahl der zusätzlichen Fahrzeuge in machbaren Grenzen. Zum Teil war deren Beschaffung ohnehin im Zuge der Umstellung auf batterieelektrischen Betrieb vorgesehen.

Die Weiterführung des derzeit einzigen umsteigefreien Angebots für den Harz, des „Harz-Berlin-Express“, sowie ohnedies geplanter Maßnahmen wie der Beschleunigung Nordhausen – Erfurt werden hierbei vorausgesetzt.

„Mit den 10 Vorschlägen würde die Anbindung des Harzes an wichtige Aufkommensgebiete deutlich verbessert. Der Harz würde umsteigefrei und schlank an wichtige Destinationen bzw. Fernverkehrsknoten wie Leipzig, Hildesheim, Göttingen sowie Paderborn als Mittler zum Ruhrgebiet entweder neu angeschlossen oder angeschlossen bleiben. Drohende massive Verschlechterungen wie zusätzliche Umstiege werden vermieden, ohne dass die nach wie vor engen Finanzrahmen des ÖPNV überfordert werden. Und es würde ein deutliches Signal dafür gesetzt, dass man den Harz als Tourismusdestination und attraktive Wohngegend für Pendler auch in Sachen Bahn und Bus endlich ernstnimmt“ begründet Frank Uhlenhaut, Geschäftsführer von EIN HARZ, die Vorschläge, die nunmehr den Ministerien und Aufgabenträgern vorgelegt und mit ihnen erörtert werden sollen.

Neue Pläne der Bundesregierung und EuGH-Entscheidung bergen große Gefahren für den Harz
Das nachdrückliche Beharren auf besserer Anbindung unseres Mittelgebirges ist vor dem Hintergrund der jüngsten Pläne von Bundesregierung und Deutscher Bahn zur Verbesserung der Pünktlichkeit aktueller denn je. Denn werden diese umgesetzt, ist eine Ausdünnung des Angebots im Zulauf u.a. auf Hannover zu erwarten – Züge aus dem Harz würden dann z.B. in Hildesheim enden und beginnen, um den Knoten Hannover zu entlasten. Hier gilt es, sehr frühzeitig einen Riegel vorzuschieben, damit es nicht ein weiteres Mal den ländlichen Raum zugunsten der Verbindung zwischen den Großstädten trifft.

Ein weiteres großes Problem tut sich nach der Entscheidung des EuGH in Luxemburg zu den Trassenpreisen auf, denn dadurch drohen für den Regionalverkehr massive Verteuerungen, die, wenn der Bund nicht nachsteuert (wofür gegenwärtig nichts spricht), zu massenhaften Abbestellungen von Zugleistungen führen werden. Und auch hier wird es vorrangig die ländlichen Räume treffen.
Michael Reinboth