Tag des Bibers

Wasserbauer im Ehrenamt

Darauf macht der Naturschutzbund NABU anlässlich des "Tags des Bibers" am 7. April aufmerksam. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Der Biber (Castor fiber) vollzieht, insbesondere an kleinen Fließgewässern, zentrale Aufgaben der Gewässerrevitalisierung schneller, günstiger und unbürokratischer als jede technische Maßnahme – wenn man ihn machen lässt...

Marcus Orlamünder, der Naturschutzreferent des NABU Thüringen, weiß um die Qualitäten des größten Nagetieres Europas: „Biber sind wahre Landschaftsarchitekten. Wo sie am Werk sind, steigt der Artenreichtum enorm. Das zeigen wissenschaftliche Studien aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland. Sehr viele Tier- und Pflanzenarten profitieren von Biberlandschaften, darunter Libellen, Vögel, Fische, Fledermäuse, Amphibien, kleine Wasserlebewesen und nicht zuletzt wir Menschen.

Ein Biber bei der Arbeit (Foto: P. Wächtershäuser) Ein Biber bei der Arbeit (Foto: P. Wächtershäuser)

Biber stabilisieren den Wasserhaushalt in der Landschaft, dämpfen Hochwasserspitzen, halten Nährstoffe wie Nitrat zurück und verbessern die Wasserqualität der Fließgewässer. Der Biber ist sogar ein Verbündeter im Klimaschutz, seine Auen wirken als natürliche CO2-Senken.“

Dass Biber schnell und günstig renaturieren können, zeigt eine aktuelle Kosten-Nutzenanalyse, welche der NABU in Auftrag gegeben hat. Am Beispiel eines 1,2 Kilometer langen Gewässerabschnitts des Bampfen bei Baindt im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg zeigt sich, dass die vielfältigen Biberleistungen für Natur und Mensch nur mit erheblichem Aufwand zu ersetzen wären. Hier haben Biber aus einer unattraktiven Gewässerrinne durch das Bauen von Dämmen eine strukturreiche Auenlandschaft erschaffen. Der Biber hat dort mosaikartige Lebensraumstrukturen und andere Ökosystemdienstleistungen geschaffen, die der Mensch, unabhängig von den hohen Kosten, in einer derartigen Geschwindigkeit nicht herstellen könnte. Planung, Genehmigungen und Bau vergleichbarer Maßnahmen würden über 100.000 Euro kosten und viele Jahre in Anspruch nehmen, zuzüglich jährlicher Instandhaltungskosten von rund 5.600 € im Fall Bampfen. Bezogen auf die rund 17.500 Kilometer Fließgewässer zweiter Ordnung im Zuständigkeitsbereich der Thüringer Kommunen ergeben sich durch den Biber hochgerechnet Kostenvorteile in Milliardenhöhe.

Angesichts der dringenden Notwendigkeit, bei Klimaschutz und Klimawandelanpassung sowie beim Erhalt der Artenvielfalt schneller und effektiver voranzukommen, braucht es laut NABU Thüringen einen Perspektivwechsel: „Der Biber arbeitet ohne Antrag, Ausschreibung oder Rechnung. Gerade in Zeiten knapper Kassen sollten wir diese Leistung anerkennen und viel stärker für uns nutzen. Während alle von Bürokratieabbau und Planungsbeschleunigung reden, setzt der Biber einfach um“, erklärt Marcus Orlamünder. „Deshalb ist es wichtig, Biber zu unterstützen und an Gewässern den notwendigen Raum zu ermöglichen. Ein zehn Meter breiter Schutzstreifen an Gewässern würden dabei schon helfen – unter anderem auch, um Konflikte mit Landnutzung zu minimieren.“

An strukturarmen Gewässern bietet es sich sogar an, Hilfsmaßnahmen wie zum Beispiel Weidenstecklinge in den Boden zu bringen, damit diese als Winternahrung für den Nager und zur Strukturverbesserung verfügbar sind. „Erst kürzlich haben wir gemeinsam mit dem Gewässerunterhaltungsverband Obere Saale/Orla und mit 20 ehrenamtlichen Helfenden eine Weidensteckaktion an der Orla zwischen Pößneck und Kleindembach durchgeführt. An derartigen Gewässern sind solche Maßnahmen sehr hilfreich, um Lücken im Gehölzsaum zu schließen. Davon profitieren auch andere Tierarten wie Vögel, Amphibien und Insekten sowie das Gewässer selbst“, berichtet der NABU-Experte.