Heimatgeschichte: Ein Gruß aus Jerusalem auf der Burg Hohnstein

Wenn Geschichte heimkehrt

Gezähmte Leoparden, königliche Schätze und ein ewiges Licht in Jerusalem. Was all das mit der Burg Hohnstein bei Neustadt in Harztor zu tun hat, überrascht mitunter selbst Kenner der Region. Zum Jubiläum des Burggasthofes kehrt ein außergewöhnliches Stück Geschichte an seinen Ursprungsort zurück...

Manchmal kehrt Geschichte an jenen Ort zurück, an dem sie einst begann – leise, würdevoll und voller Geschichten. Anlässlich des anstehenden Jubiläums des Burggasthofs auf der Burg Hohnstein mit Miles Kai Prengel wird in diesen Tagen ein außergewöhnlicher historischer Gruß sichtbar: In gerahmter Urkundenform erinnert er an ein Ereignis, das weit über die Region hinausreicht – die große Pilgerreise Herzog Heinrichs des Löwen nach Jerusalem in den Jahren 1172/73.

Zeitgenössische Quellen berichten, dass Herzog Heinrich der Löwe nicht als einfacher Pilger aufbrach, sondern als Fürst von europäischem Rang. Sein Zug glich einer hoheitlichen Reise: begleitet von Hunderten Reitern (500?), kostbaren Schätzen – und sogar gezähmten Jagdleoparden, jenen exotischen Tieren, die im Mittelalter als Sinnbild für Macht, Reichtum und weltläufige Herrschaft galten. Wo Heinrich erschien, staunte man. Mit ihm zog auch ein Graf von Hohnstein.

Überliefert ist zudem, dass ein Graf von Hohnstein zu seinem engen Gefolge gehörte. Damit wird deutlich: Die Burg Hohnstein war schon im Hochmittelalter Teil einer großen Geschichte. Ihre Herren standen an der Seite eines der mächtigsten Fürsten ihrer Zeit – auf einer Reise, die von Braunschweig über Byzanz und Akkon bis in die Heilige Stadt Jerusalem führte.

Dort angekommen, empfing der Klerus den Herzog mit Hymnen und feierlichen Ehren. Heinrich wiederum hinterließ bleibende Zeichen: Er stiftete kostbare Geschenke und – besonders eindrucksvoll – ein dreifaches ewiges Licht in der Grabeskirche zu Jerusalem. Diese Stiftung, Sinnbild der Dreifaltigkeit und des fortwährenden Gebets, war ein Privileg, das sonst Königen und Kaisern vorbehalten blieb. Sie machte den Namen des Herzogs – und seines Gefolges – dauerhaft im Herzen der Christenheit präsent. Vor dem Hintergrund von Ilfelds „Ewiger Lampe“ und der Klostergründung ein besonderes Detail.

Die nun überreichte Urkunde zu 1172 versteht sich als Hommage an diese Geschichte: als Gruß an die Heimat Harztor und Thüringen, als Zeichen der Verbundenheit mit Braunschweig und Hannover, als Erinnerung an große Wege und weite Horizonte der Hohnsteiner – und als Hinweis darauf, dass die Burg Hohnstein mehr ist als ein Bauwerk aus Stein. Sie ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt – damals wie heute.
(Anmerkung: Früher schrieb sich „Hohnstein“ durchgängig ohne „h“.)
Tim Schäfer