Streik am Badehaus
Lost in communication
Nach 25 Jahren Betriebsgeschichte legten die Mitarbeiter der Badehaus Nordhausen GmbH heute zum ersten Mal im Streik die Arbeit nieder. So richtig glücklich ist damit weder die eine noch die andere Seite…
Freitag früh, neun Uhr, im Schein der März Sonne werden vor dem Badehaus die Fahnen der Gewerkschaft verdi gehisst - Arbeitskampf am Hallenbad, die Beschäftigten der GmbH fordern mehr Gehalt. Für das überschaubare Team von rund 26 Mitarbeitern ist das ein Novum, in den 25 Jahren seit der Erweiterung des alten Bades hin zum Badehaus war das noch nie nötig.
Das man diesen Schritt nun doch habe gehen müssen sei nicht leicht gefallen, heißt es am morgen vor der Treppe am Haupteingang, eigentlich hätte man einen Streik gerne vermieden, so einer der Streikenden. Drinnen steht Geschäftsführer Jens Eisenschmidt heute selber am Becken und muss die Aufsicht übernehmen, seit halb neun steht Schulschwimmen auf dem Programm. Dass die Mitarbeiter mehr Entlohnung wünschten, sei verständlich und der Streik ihr gutes Recht, sagt der Badehaus-Chef am Beckenrand und dass die Kollegen hier offensichtlich geschlossen an einem Strang ziehen, sei eigentlich auch ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt im Team. Nur die Art und Weise, mit der die Gewerkschaft hier agiere, sei nicht die richtige, die Höhe der Förderungen keine Ausgangsbasis für Verhandlungen.
Geschäftsführer Jens Eisenschmidt stand heute als Aufsicht am Becken (Foto: agl)
Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung aller Grundentgelte zum 1. Januar 2026 um 200 Euro pro Monat und eine weitere Erhöhung um 8 Prozent zum 1. Januar 2027, im Badehaus-Etat sind aktuell Lohnerhöhungen von drei Prozent eingeplant. Üblicherweise findet sich die Lösung in Tarifverhandlungen irgendwo in der Mitte, nur zum Verhandeln ist man noch nicht so recht gekommen, die Frage nach dem Warum wird vor der Tür und am Becken jeweils unterschiedlich beantwortet.
Der Werdegang
Im Sommer 2025 hatte die Gewerkschaft den Haustarifvertrag zum Jahresende gekündigt, im Oktober übermittelte man die Forderungen an Eisenschmidt. Der stimmt die Verhandlungsstrategie mit einem örtlichen Rechtsanwalt ab und unterbreitet am 13.11. einen Vorschlag. Die Gewerkschaft antwortet am 14. Januar per E-Mail, die Geschäftsführung reagiert am 20. Februar erneut via Anwalt. Rund einen Monat später folgt nun der Streik. Verfehlungen sieht man hier wie dort - dass die Gewerkschaft auf den ersten Vorschlag lange gar nicht reagiert habe stößt dem Geschäftsführer sauer auf, bei der Gewerkschaft kritisiert man, dass Eisenschmidt nur über den Anwalt kommuniziert. Beides - Verhandlungen via Gewerkschaft sowie Vertretung durch den Anwalt - übrigens laut Geschäftsführer Eisenschmidt ebenso ein Novum in den letzten 25 Jahren wie der Warnstreik.
Ein verhandlungsfähiges Angebot gebe es nicht, ebenso wenig einen Terminvorschlag für Entgeltverhandlungen, heißt in der ersten Pressemitteilung zur Ankündigung des Streiks, die am Donnerstagabend eingeht. Das stimmt in der Sache, wenn auch nicht im Geiste. Ein Gesprächstermin hat man vorgeschlagen und auch Angebote gibt es, unterstreicht Eisenschmidt, die Darstellung in der Pressemitteilung entspreche nicht der Wahrheit. Sowohl Terminvorschlag wie Angebot seien aber nicht im Sinne einer Entgeltverhandlung unter Teilnahme der innerbetrieblichen Tarifkommission vorgeschlagen worden, sondern als Sechs-Augen-Gespräch mit Fokus auf Arbeitszeitreduzierung und nicht Entgelt-Erhöhung, kritisiert der Gewerkschaftsvertreter Nathanael Falk. Der Termin im April sei zudem zu spät angesetzt. Verdi wirft der Hausleitung mangelnde Kooperation, der Geschäftsführer der Gewerkschaft unfaire Methoden vor. Das die Mitarbeiter des Badehauses mehr Lohn verdient haben, sagen beide Seiten.
Wie weiter?
Ich verstehe die Mitarbeiter und wir haben hier auch eigentlich alle einen guten Draht zueinander. Das Team hat hier gestern Abend noch alles dafür getan, dass wir heute trotz Streik aufmachen und das Schulschwimmen ordentlich betreuen können. Und im Haushaltsplan sind Lohnerhöhungen auch schon eingeplant, aber die Forderungen der Gewerkschaft überschreiten das Maß, sagt Eisenschmidt.
Die Einschränkung von Arbeitszeit (auch bei vollem Lohnausgleich) gehe an der Sache vorbei - man wolle ja gerne arbeiten - und werde auch nicht funktionieren, heißt es bei den Streikenden vor der Tür. Schon jetzt habe man zwar eine Fünf-Tage-Woche im Vertrag stehen, die Realität sei bei einigen Kollegen aber eher, dass man an drei Wochen im Monat sechs Tage geht. Wir wollen echte Verhandlungen zum Entgelt mit den Mitgliedern der Tarifkommission und nicht an ihnen vorbei, unterstreicht Badehaus-Mitarbeiter Michael Nickel.
Die wird man wohl bekommen und womöglich auch früher als zunächst - Eisenschmidt sagt gegenüber der nnz, man werde in der kommenden Woche versuchen einen neuen Gesprächstermin zu finden, um gangbare Lösungen für die Zukunft zu finden. Sollte das zeitnah gelingen wäre das im Sinne des Erfinders und ein Praxisbeispiel für Bedeutung, Anwendung und Wirkweise des Streikrechts.
Angelo Glashagel
Freitag früh, neun Uhr, im Schein der März Sonne werden vor dem Badehaus die Fahnen der Gewerkschaft verdi gehisst - Arbeitskampf am Hallenbad, die Beschäftigten der GmbH fordern mehr Gehalt. Für das überschaubare Team von rund 26 Mitarbeitern ist das ein Novum, in den 25 Jahren seit der Erweiterung des alten Bades hin zum Badehaus war das noch nie nötig.
Das man diesen Schritt nun doch habe gehen müssen sei nicht leicht gefallen, heißt es am morgen vor der Treppe am Haupteingang, eigentlich hätte man einen Streik gerne vermieden, so einer der Streikenden. Drinnen steht Geschäftsführer Jens Eisenschmidt heute selber am Becken und muss die Aufsicht übernehmen, seit halb neun steht Schulschwimmen auf dem Programm. Dass die Mitarbeiter mehr Entlohnung wünschten, sei verständlich und der Streik ihr gutes Recht, sagt der Badehaus-Chef am Beckenrand und dass die Kollegen hier offensichtlich geschlossen an einem Strang ziehen, sei eigentlich auch ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt im Team. Nur die Art und Weise, mit der die Gewerkschaft hier agiere, sei nicht die richtige, die Höhe der Förderungen keine Ausgangsbasis für Verhandlungen.
Geschäftsführer Jens Eisenschmidt stand heute als Aufsicht am Becken (Foto: agl)
Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung aller Grundentgelte zum 1. Januar 2026 um 200 Euro pro Monat und eine weitere Erhöhung um 8 Prozent zum 1. Januar 2027, im Badehaus-Etat sind aktuell Lohnerhöhungen von drei Prozent eingeplant. Üblicherweise findet sich die Lösung in Tarifverhandlungen irgendwo in der Mitte, nur zum Verhandeln ist man noch nicht so recht gekommen, die Frage nach dem Warum wird vor der Tür und am Becken jeweils unterschiedlich beantwortet. Der Werdegang
Im Sommer 2025 hatte die Gewerkschaft den Haustarifvertrag zum Jahresende gekündigt, im Oktober übermittelte man die Forderungen an Eisenschmidt. Der stimmt die Verhandlungsstrategie mit einem örtlichen Rechtsanwalt ab und unterbreitet am 13.11. einen Vorschlag. Die Gewerkschaft antwortet am 14. Januar per E-Mail, die Geschäftsführung reagiert am 20. Februar erneut via Anwalt. Rund einen Monat später folgt nun der Streik. Verfehlungen sieht man hier wie dort - dass die Gewerkschaft auf den ersten Vorschlag lange gar nicht reagiert habe stößt dem Geschäftsführer sauer auf, bei der Gewerkschaft kritisiert man, dass Eisenschmidt nur über den Anwalt kommuniziert. Beides - Verhandlungen via Gewerkschaft sowie Vertretung durch den Anwalt - übrigens laut Geschäftsführer Eisenschmidt ebenso ein Novum in den letzten 25 Jahren wie der Warnstreik.
Ein verhandlungsfähiges Angebot gebe es nicht, ebenso wenig einen Terminvorschlag für Entgeltverhandlungen, heißt in der ersten Pressemitteilung zur Ankündigung des Streiks, die am Donnerstagabend eingeht. Das stimmt in der Sache, wenn auch nicht im Geiste. Ein Gesprächstermin hat man vorgeschlagen und auch Angebote gibt es, unterstreicht Eisenschmidt, die Darstellung in der Pressemitteilung entspreche nicht der Wahrheit. Sowohl Terminvorschlag wie Angebot seien aber nicht im Sinne einer Entgeltverhandlung unter Teilnahme der innerbetrieblichen Tarifkommission vorgeschlagen worden, sondern als Sechs-Augen-Gespräch mit Fokus auf Arbeitszeitreduzierung und nicht Entgelt-Erhöhung, kritisiert der Gewerkschaftsvertreter Nathanael Falk. Der Termin im April sei zudem zu spät angesetzt. Verdi wirft der Hausleitung mangelnde Kooperation, der Geschäftsführer der Gewerkschaft unfaire Methoden vor. Das die Mitarbeiter des Badehauses mehr Lohn verdient haben, sagen beide Seiten.
Wie weiter?
Ich verstehe die Mitarbeiter und wir haben hier auch eigentlich alle einen guten Draht zueinander. Das Team hat hier gestern Abend noch alles dafür getan, dass wir heute trotz Streik aufmachen und das Schulschwimmen ordentlich betreuen können. Und im Haushaltsplan sind Lohnerhöhungen auch schon eingeplant, aber die Forderungen der Gewerkschaft überschreiten das Maß, sagt Eisenschmidt.
Die Einschränkung von Arbeitszeit (auch bei vollem Lohnausgleich) gehe an der Sache vorbei - man wolle ja gerne arbeiten - und werde auch nicht funktionieren, heißt es bei den Streikenden vor der Tür. Schon jetzt habe man zwar eine Fünf-Tage-Woche im Vertrag stehen, die Realität sei bei einigen Kollegen aber eher, dass man an drei Wochen im Monat sechs Tage geht. Wir wollen echte Verhandlungen zum Entgelt mit den Mitgliedern der Tarifkommission und nicht an ihnen vorbei, unterstreicht Badehaus-Mitarbeiter Michael Nickel.
Die wird man wohl bekommen und womöglich auch früher als zunächst - Eisenschmidt sagt gegenüber der nnz, man werde in der kommenden Woche versuchen einen neuen Gesprächstermin zu finden, um gangbare Lösungen für die Zukunft zu finden. Sollte das zeitnah gelingen wäre das im Sinne des Erfinders und ein Praxisbeispiel für Bedeutung, Anwendung und Wirkweise des Streikrechts.
Angelo Glashagel
