Mehr als Fassade:

Was hinter dem Kunstwerk in der Leinefelder Bachstraße steckt

Das neue Wandbild an der Bachstraße 2 zieht die Blicke auf sich. Doch hinter der Fassade steckt noch viel mehr: ein Haus mit bewegter Geschichte, ein starkes Sanierungsprojekt und ein sichtbares Zeichen für den Wandel in Leinefelde...

Mit der feierlichen Enthüllung des großflächigen Wandbildes an der Bachstraße 2 ist am Eingang zur Landesgartenschau ein neuer Blickfang entstanden. Hinter der frisch gestalteten Fassade verbirgt sich jedoch weit mehr als ein optisches Signal zum Start ins Ausstellungsgelände.

Neues Wandbild in Leinefelde (Foto: Stadt Leinefelde-Worbis) Neues Wandbild in Leinefelde (Foto: Stadt Leinefelde-Worbis)

Das Gebäude selbst erzählt ein Stück Leinefelder Stadtgeschichte und steht heute sinnbildlich für Wandel, Erneuerung und Aufbruch. Errichtet wurde der Wohnblock im Jahr 1978 als Gebäude für altersadäquates Wohnen. Damals entstanden in der Bachstraße 2 insgesamt 108 Wohneinheiten. Im Erdgeschoss befanden sich zudem zwei Arztpraxen. Im Laufe der Jahrzehnte erlebte das Haus sehr unterschiedliche Nutzungen und blickt damit auf eine bewegte Geschichte zurück. Zwischenzeitlich diente das Gebäude auch als Obdachlosenunterkunft und als Asylaufnahme.

Heute steht die Immobilie für einen anderen Weg. Schritt für Schritt wird das Haus energetisch und optisch aufgewertet. So erhielt die Bachstraße 2 bereits eine vollständig erneuerte Fernwärmeanschlussstation. Die alten Holzfenster wurden beziehungsweise werden durch moderne Kunststofffenster ersetzt. Auch der Südgiebel wurde gedämmt und damit baulich auf einen neuen Stand gebracht.

Parallel dazu lief in den vergangenen Jahren eine bewusste Weiterentwicklung des gesamten Umfeldes. Einen wichtigen Beitrag leistete die Stadt mit der Aufwertung des Wohnumfeldes vor dem Gebäude. Hinzu kam die Herrichtung der ehemaligen Praxisräume zu einem Stadtteilbüro durch die Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH Leinefelde Worbis (WVL) als Trägerin des Stadtteilmanagements. Auch im Inneren entstanden neue Perspektiven. Mehr als 25 Einraumwohnungen wurden grundhaft saniert und möbliert, um Monteurswohnungen zu schaffen, unter anderem auch für Mitwirkende der Landesgartenschau.

Für WVL-Geschäftsführer Tino Hartlep war früh klar, dass mit Blick auf die Gartenschau auch der markante Südgiebel eine besondere Lösung braucht. „Unser Ziel war es, die Besucherinnen und Besucher schon beim ersten Eintreffen zu begeistern, Lust auf die Landesgartenschau zu machen und gleichzeitig aufzuzeigen, was Leinefelde-Worbis darüber hinaus zu bieten hat“, sagt Hartlep.

In den Vorgesprächen zur Landesgartenschau sei deshalb schnell die Idee gereift, die letzte noch verbliebene WVL-Immobilie im Musikerviertel gestalterisch in Szene zu setzen. Der Südgiebel direkt neben dem Hauptparkplatz der Landesgartenschau sollte mehr werden als eine sanierte Hauswand. Er sollte ein sichtbares Zeichen setzen.

„Nach intensiver Recherche kamen zwei Künstler in die engere Auswahl und wurden zu einem Ortstermin eingeladen. Nach den ersten Entwürfen fiel die Entscheidung schließlich auf den Künstler Tino Schneider aus Groitzsch“, so Hartlep.

Die inhaltliche Zielstellung sei anspruchsvoll gewesen. Auf dem rund 25 Meter hohen und 17 Meter breiten Giebel sollte die Pionierleistung des Leinefelder Stadtumbaus sichtbar werden. Elemente des EXPO-Quartiers sollten sich ebenso im Motiv wiederfinden wie Bezüge zur prämierten Einsteinstraße und Büchnerstraße. Entstanden ist ein Werk mit räumlicher Wirkung, das den Blick entlang einer grünen Achse hinauf in die Stadt lenkt und damit bewusst auf die städtebauliche Entwicklung Leinefeldes verweist. Vom Dorf über die DDR-Industriestadt bis hin zum Vorbild für Stadtentwicklung und Städtebau spannt das Bild einen weiten erzählerischen Bogen.

Von September bis Oktober 2025 erhielt die Giebelfassade zunächst ein Wärmedämmverbundsystem. Erst danach begann der künstlerische Teil der Umsetzung. Seit der Enthüllung am vergangenen Donnerstag zeigt sich das Werk nun in voller Größe und ist als Geschenk der WVL an die Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau sowie an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt gedacht. Eine ergänzende Tafel mit Erläuterungen zum Kunstwerk soll in Kürze folgen.

Hartlep betont dabei ausdrücklich den Gemeinschaftscharakter des Projekts: „Die Idee, etwas Besonderes zu schaffen, wurde von allen sofort aufgenommen und mit Herzblut vorangetrieben. Dies ist eine stadtbildprägende Gemeinschaftsleistung.“ Sein Dank gilt den beteiligten Subunternehmern, den Mitarbeitern von mehrWert und WVL sowie dem Künstler Tino Schneider.

Und das nächste Kapitel ist bereits geplant. Auch der Nordgiebel des Gebäudes soll im Sommer dieses Jahres gedämmt und mit einem weiteren Kunstwerk gestaltet werden. Die Idee dahinter: Passantinnen und Passanten sowie Gäste der Landesgartenschau sollen dem Künstler dann sogar direkt bei der Arbeit zusehen können.

So steht die Leinefelder Bachstraße 2 heute nicht nur für ein Stück Stadtgeschichte, sondern auch für den sichtbaren Wandel eines Quartiers. Das nun enthüllte Wandbild knüpft an die Geschichte des Hauses an und macht gleichzeitig deutlich, wohin der Blick geht: nach vorn.