Aus für "Studio Johanna" in Nordhausen

Nachfolger für besonderen Begegnungsort gesucht

Leicht hat sich Johanna Lautenbach diese Entscheidung nicht gemacht. Der Entschluss reifte langsam in ihr: Sie wird ihr „Studio Johanna“ in der Kurzen Meile aufgeben...

Johanna Lautenbach in ihrem Studio in der Kurzen Meile in Nordhausen.  (Foto: ssc) Johanna Lautenbach in ihrem Studio in der Kurzen Meile in Nordhausen. (Foto: ssc)
Als die Petersdorferin im Dezember 2023 ihr „Studio Johanna – Catering & Dekoration“ in der Barfüßerstraße 30 in Nordhausen eröffnete, war das eine innovative Geschäftsidee in der Nordhäuser Altstadt. Sie machte ihre Leidenschaft fürs Kochen und Dekorieren zum Beruf und schuf mitten in der Altstadt einen Ort für Workshops, Yoga, Firmenveranstaltungen und Familienfeiern. Ihr Geschäftskonzept inspirierte andere: Auch in Bleicherode und in Ilfeld eröffneten derweil konzeptionell ähnliche Begegnungsorte. „In den letzten Wochen und Monaten habe ich gemerkt, dass ich aus der Sache einfach herausgewachsen bin“, sagt die heute 33-Jährige.

Dabei sei die Entscheidung keine wirtschaftliche gewesen, betont Lautenbach. „Es hat sich finanziell gelohnt. Nur mein Herz schlägt einfach nicht mehr so stark dafür.“ Vor allem das Catering und die Dekoration, mit denen sie ursprünglich gestartet war, bereiteten ihr zuletzt immer weniger Freude. Beides sei sehr arbeits- und zeitintensiv. Das habe sie in ihrem Entschluss bestärkt, ihr Herzensprojekt aufzugeben. „Ich bin ein Mensch, der Dinge entweder ganz oder gar nicht macht.“

Nun möchte sie ihr Studio in andere Hände geben. Konzeptionell ist sie offen. Noch bis Ende April 2027 ist sie Mieterin der Räume. „Ich kann mir auch vorstellen, das Studio erst einmal unterzuvermieten – gern auch an zwei oder drei Menschen, die hier gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen.“ Wichtig sei ihr, dass jemand den Ort mit Leben füllt und einen ähnlichen Spirit mitbringt. „Ich bin offen für eine coole Lösung“, sagt die Jungunternehmerin.

Blick in das Buchcafé am Lutherplatz am Tag der Eröffnung.  (Foto: Archivbild: ssc) Blick in das Buchcafé am Lutherplatz am Tag der Eröffnung. (Foto: Archivbild: ssc) Auch die Doppelbelastung mit ihrem Buchcafé „Kapitel J“ am Lutherplatz spielte bei der Entscheidung eine Rolle. Dieses hat sie im August vergangenen Jahres eröffnet. „Ich habe gemerkt, dass ich noch mehr Buchhändlerin sein möchte, mir dafür aber durch die Doppelbelastung die Zeit fehlt“, sagt Lautenbach. Inzwischen habe sie sich eine treue Stammkundschaft aufgebaut. „Ich bin zufrieden, wie es bisher läuft.“

In ihrem Buchcafé bietet sie eine kuratierte Auswahl an Büchern, insbesondere feministische und gesellschaftskritische Literatur sowie Kinderbücher, an. Ergänzt wird das Sortiment durch Postkarten, Wolle und Strickutensilien. „Bei mir kann man grundsätzlich alle Bücher bestellen und dann hier auch abholen“, erklärt sie. Erst vor wenigen Tagen war sie auf der Leipziger Buchmesse und ließ sich dort inspirieren. Außerdem gibt es selbstgebackenen Kuchen, Kaffeespezialitäten und eine kleine Mittagskarte.

Künftig will Lautenbach auch Workshops und kleinere Veranstaltungen in ihrem Buchcafé anbieten; kleinere geschlossene Feiern sind ebenfalls möglich. Unterstützt wird sie dabei inzwischen von ihrer Mutter und drei Aushilfen.

Lautenbach richtet ihren Blick klar nach vorn: Im Café könne sie anders mit Menschen in Kontakt treten als im Studio. Interessenten für die Räume in der Kurzen Meilen sollten im besten Fall eine konkrete Idee mitbringen und sich direkt bei ihr melden. Anzutreffen ist sie im Buchcafé am Lutherplatz.
Susanne Schedwill