Nach Todesfall

Ärzte-Ehepaar sichert Versorgung für Patienten

Der Tod ihrer Hausärztin Dr. Antje Hagen hat viele Patienten verunsichert. In Sundhausen finden sie nun eine neue Anlaufstelle bei dem Ärzte-Ehepaar Mociran. Es setzt alles daran, die Versorgung aufrechtzuerhalten…

Mihai und Irina Mociran betreuen in ihrer Landarztpraxis in Sundhausen auch die Patienten der verstorbenen Dr. Antje Hagen. (Foto: ssc) Mihai und Irina Mociran betreuen in ihrer Landarztpraxis in Sundhausen auch die Patienten der verstorbenen Dr. Antje Hagen. (Foto: ssc)
Die Treppen vor dem roten Backsteinhaus sind neu, ebenso die weißen Sprossenfenster und die Solaranlage auf dem Dach: „Wo Vertrauen wächst, da entsteht Gesundheit“, steht im Eingang der neuen Landarztpraxis in Sundhausen. Hausärztin Irina Mociran hat sich hier in der Giekersgasse 14 ihren Traum erfüllt. Die modernen Räume sind nun auch eine Anlaufstelle für viele Nordhäuser. Denn Irina Mociran und ihr Mann Mihai Mociran wollen dort auch die Patienten der Nordhäuser Hausärztin Dr. Antje Hagen betreuen. Diese war nach kurzer, schwerer Krankheit im Dezember vergangenen Jahres unerwartet gestorben.

Aufreibende Wochen und Monate für Medizinerpaar .
Im Februar eröffnete die Fachärztin für Innere Medizin und Palliativmedizin im Schreiberschen Rittergut ihre Landarztpraxis. In dem früheren Pferdestall entstanden neben einem Labor, ein Funktionsraum und einem Ultraschallzimmer drei Behandlungszimmer: eines für die 40-jährige Irina Mociran, eines für ihren Mann Mihai Mociran und eines für Antje Hagen. Doch die beliebte Hausärztin konnte ihre Arbeit dort nie aufnehmen.
In dem Backsteinhaus befindet sich die Landarztpraxis in Sundhausen. (Foto: ssc) In dem Backsteinhaus befindet sich die Landarztpraxis in Sundhausen. (Foto: ssc)

Bis zu ihrem Tod führte die Allgemeinmedizinerin Hagen in der Oskar-Cohn-Straße in Nordhausen eine gut etablierte Hausarztpraxis mit rund 1200 Patienten. Mihai Mociran, Urologe, war dort angestellt und absolvierte seine Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner. „Ich konnte mir keine bessere Chefin vorstellen“, sagt der 39-Jährige, der zuvor viele Jahre am Südharz-Klinikum arbeitete, unter anderem fast drei Jahre als Oberarzt in der Urologie. Mociran und Hagen arbeiteten eng und vertrauensvoll zusammen.

Nicht erfolgte Praxisübergabe
Der Plan war klar: Nach Abschluss seiner Facharztausbildung im April sollte Mihai Mociran die Praxis und damit auch den Kassensitz von Antje Hagen übernehmen. Sie selbst wollte anschließend im Angestelltenverhältnis in der Landarztpraxis in Sundhausen noch stundenweise weiterarbeiten. Doch dazu kam es nie. Ihr plötzlicher Tod zwang das Ehepaar zum Umdenken.  

Übergangslösung für die Patienten 
Initial erfolgte die Weiterführung der Praxis durch die sogenannte Notbeauftragung durch Irina Mociran. Doch konnte die Praxisübergabe so wie geplant nicht stattfinden. Die Gründe hierfür liegen laut Mocirans in persönlichen Entscheidungen innerhalb der Erbengemeinschaft. „Uns war und ist wichtig, dass wir die Patienten von Antje Hagen weiterhin gut betreuen“, sagt Irina Mociran. Dafür haben sie als Ärzte und das gesamte Team in den vergangenen Monaten viele zusätzliche Stunden geleistet.

Patienten werden in Sundhausen betreut
Das Ärzte-Ehepaar steht täglich in Kontakt mit den beiden Arzthelferinnen Anja Lehmann und Stefanie Große, die in der Oscar-Cohn-Straße die Stellung halten. „Auch jetzt ist die Praxis von Antje Hagen nicht vollständig geschlossen. Beide Arzthelferinnen sind weiterhin telefonisch erreichbar und geben Patientenakten aus. Die Abwicklung der Praxis soll noch vermutlich bis zur Jahresmitte erfolgen“, erklärt Irina Mociran.

Mihai Mociran führt seit dem 23. Februar seine ärztliche Tätigkeit in Sundhausen fort. „Jeder, der möchte, kann gern in unsere Praxis kommen“, sagt er. Auch organisatorische Hürden sollen kein Problem sein: „Die Patientenakten holen wir, wir regeln alles.“ Auch Hausbesuche für ältere Patienten werden weiterhin angeboten.

Durch die besondere Situation und die kommissarische Leitung seien die beiden Praxis-Teams noch enger zusammengewachsen. Zum 1. April wird deshalb auch Schwester Stefanie Große in Sundhausen anfangen. Mit steigender Patientenzahl benötigt die Praxis zusätzliche Unterstützung im medizinischen Bereich. „Unser Wunsch ist, das Team zu vervollständigen“. Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch der fehlende Kassensitz. „Ein Kassensitz finanziert in der Regel einen Arzt und etwa zwei bis drei medizinische Fachangestellte“, erläutert Irina Mociran. Das Ehepaar hofft nun auf eine baldige Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung.

Die Praxis in Sundhausen ist montags bis mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet, dienstags zusätzlich von 14 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 17 Uhr.
 Susanne Schedwill