Streit zwischen den Bogenschützen des Nordhäuser Bowteams und der Stadtverwaltung

TV-Bericht bringt Nordhausen in Erklärungsnot

Ein Fernsehbeitrag über Nordhausen sorgt für Wirbel in der Stadt: Am Montagabend berichtete der MDR in seiner Sendung „Mach dich ran“ über den Streit zwischen den Bogenschützen des Nordhäuser Bowteams und der Stadtverwaltung. Vor allem der Umgang des Nordhäuser Rathauses mit den Fernsehjournalisten sorgt für Kritik...

Steffi Helbing, Vereinschefin Bowteam, und ihr Stellvertreter Michael Caspari.  (Foto: Screenshot MDR/ssc) Steffi Helbing, Vereinschefin Bowteam, und ihr Stellvertreter Michael Caspari. (Foto: Screenshot MDR/ssc)
Hintergrund: Das Bowteam Nordhausen musste im vergangenen Jahr sein bisheriges Trainingsgelände an der Rothleimmühle aufgeben, nachdem die Stadt es an das Jugendsozialwerk verkauft hat. Das Jugendsozialwerk will das Gelände zu einem Generationencampus ausbauen.

Zunächst schien es jedoch eine Lösung zu geben: Ein neues Gelände Am Salzagraben am Nordhäuser Stadtrand wurde den Bogenschützen angeboten. Die Stadt sagte zu, das Areal, das dicht bewachsen ist, für die Sportler herzurichten und von Bewuchs zu befreien. Eine Nutzungsvereinbarung wurde unterzeichnet.

Dann der Dämpfer: Das Gelände könnte ein Biotop sein. Damit war die Untere Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung gefragt. Seit dreieinhalb Monaten, so die Bowteam-Vereinschefin Steffi Helbing, gebe es jedoch keine Auskunft zum Stand der Prüfung.

Kreissprecherin Jessica Piper erklärte vor der Kamera des Fernsehteams, dass bislang offiziell noch gar keine Anfrage des Nordhäuser Rathauses bei der Unteren Naturschutzbehörde eingegangen sei. Und ohne Antrag könne auch nichts abgelehnt oder geprüft worden sein. Sicherheitshalber fragte sie jedoch den tagesaktuellen Stand ab. Kurz darauf folgte die nüchterne Einschätzung: „Noch haben wir keine entscheidungsreifen Unterlagen vorliegen. Für eine naturschutzrechtliche Genehmigung braucht man eine Eingriffsausgleichsbilanzierung, und dazu gehört auch eine artenschutzrechtliche Prüfung.“ Man müsse prüfen, welche Auswirkungen das Vorhaben auf die Natur habe.

Eine Nachfrage des Reporters im Rathaus zu dem Vorgang blieb unbeantwortet. Am Drehtag wollte die Stadtverwaltung nicht mehr vor der Kamera sprechen, kündigte stattdessen laut MDR ein schriftliches Statement an. Sogar bis zur Ausstrahlung am 2. März haben die Macher der Sendung nach eigenen Angaben keine Stellungnahme von der Pressestelle der Stadt erhalten.

Dem aufmerksamen Zuschauer dürfte aufgefallen sein, dass die Sendung bereits Ende vergangenen Jahres aufgenommen wurde. Nach Auskunft von Michael Caspari, dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden des Bowteams, hat sich am Verfahrensstand bisher nichts geändert. „Die Sendung und deren Ergebnis sind so aktuell wie noch nie zuvor“, sagte Caspari der nnz-online.

Mittlerweile gibt es auch Kritik aus dem Stadtrat: Das Bild, das die Sendung bundesweit von Nordhausen zeichnete, ist für die AfD-Fraktion ein Armutszeugnis. Die Stadtverwaltung und ihr Pressesprecher würden „ein inhaltlich und kommunikativ beschämendes Verhalten“ gegenüber dem Verein und der Presse zeigen. „Unsere Stadt – immerhin ein Oberzentrum – steht damit thüringenweit in einem äußerst schlechten Licht da“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Frank Kramer. „Das Auftreten der Verwaltung wirkt nicht nur gegenüber den Medien arrogant, sondern zeugt vor allem von einer tiefen Respektlosigkeit gegenüber den engagierten Vereinsmitgliedern“, ergänzte die Nordhäuser Landtagsabgeordnete Kerstin Düben-Schaumann.

Die anderen Parteien im Stadtrat haben sich bisher zu der TV-Sendung und ihrer Wirkung nicht geäußert. Lediglich Patrick Börsch, SPD-Stadtrat und Geschäftsführer des Kreissportbundes, sprach in der Sendung, dass er sich von der Stadtverwaltung nach dem Grundstücksverkauf mehr Professionalität gewünscht hätte.
Susanne Schedwill