Moderne Arbeitszeitmodelle bringen Bewegung in alte Rollenmuster

Frauen am Nordthüringer Arbeitsmarkt

Frauen sind unverzichtbar für eine stabile Wirtschaft. Sie stellen etwa die Hälfte aller Beschäftigten. Aber auch heute noch erschweren traditionelle Rollenmuster ihr Arbeitsleben. Danach sind Frauen hauptverantwortlich für Sorgearbeit...

Symbolbild Frauen im Beruf (Foto: Pixabay-hamonazaryan1) Symbolbild Frauen im Beruf (Foto: Pixabay-hamonazaryan1)


Teilzeitverträge sind oft die unweigerliche Folge um Beruf und Familie in Einklang miteinander bringen zu können. „Frauen können ihr Potenzial am Arbeitsmarkt viel stärker einbringen, wenn die Unternehmenskultur es Männern erleichtert, Familienaufgaben zu übernehmen“, so Nicole Wedler-Wehlisch, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Thüringen Nord. Ein Paradigmenwechsel in diese Richtung sei langsam wahrnehmbar – in den letzten zehn Jahren stieg vor allem die Zahl der Männer in Teilzeitbeschäftigung.

Klassische „Frauenberufe“ sind weniger konjunktursensibel
Letztes Jahr gingen mit 33.214 Beschäftigten im Unstrut-Hainich-Kreis 44 Personen weniger einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach als noch vor zehn Jahren. Frauen machten dabei zuletzt 51,4 Prozent der Gesamtbeschäftigung im Landkreis aus. Der Beschäftigungsrückgang ist zum einen konjunkturell begründet. Gegenwärtige Betriebsschließungen und Entlassungen im gewerblichen Sektor betreffen vor allem Männer. Aber auch das Ausscheiden älterer Mitarbeitender sorgt für sinkende Zahlen, wenn ihre Stellen nicht nachbesetzt werden können.

Die Demografie wirkt dabei branchenübergreifend und trifft sowohl Männer als auch Frauen. Während Männer im Unstrut-Hainich-Kreis insbesondere Berufe der Fahrzeugführung im Straßenverkehr, der Lagerwirtschaft und der Maschinenbau- und Betriebstechnik ausüben, sind Frauen zumeist in konjunkturell weniger abhängigen Berufsfeldern tätig. Die meisten Frauen arbeiten im Landkreis in der Erziehung / Sozialarbeit / Heilerziehungspflege, in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie im Büro und Sekretariat.

Führung bleibt häufig Männersache
Selbst in Branchen, in denen Frauen mehr als die Hälfte aller Beschäftigten stellen, sind Führungspositionen häufiger von Männern besetzt. Im Unstrut-Hainich-Kreis zeigt sich das besonders stark im Bereich der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Dazu gehören beispielsweise Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungen, Architektur- und Ingenieurbüros aber auch Werbeagenturen. Obwohl 65,6 Prozent der Beschäftigten dort weiblich sind, übernehmen Frauen nur 36,5 Prozent der Leitungsaufgaben.

Anders sieht es in Bereichen wie Erziehung und Unterricht oder auch im Gesundheits- und Sozialwesen aus. Hier sind mehr als drei Viertel aller Beschäftigten weiblich und auch die Leitungsaufgaben werden überwiegend von Frauen ausgeübt.

Mehr Führung in Teilzeit – bessere Chancen für Frauen
Die Zahl von Frauen in Führungspositionen ist im Unstrut-Hainich-Kreis in den letzten zehn Jahren um 7,7 Prozent auf 519 Beschäftigte gestiegen. Damit sind 32,5 Prozent der Führungskräfte im Landkreis eine Frau. Thüringenweit liegt der Anteil von Frauen mit Leitungsaufgaben bei 32,1 Prozent.

Ein wichtiger Faktor für eine positive Entwicklung sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle: Die Zahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten mit Leitungsaufgaben wuchs seit 2015 um 44,5 Prozent; die der Vollzeitbeschäftigten sank um 4,4 Prozent. Letztes Jahr arbeiteten im Landkreis 172 weibliche Führungskräfte in Teilzeit und 347 in Vollzeit.

Langsamer Paradigmenwechsel – Mehr Männer in Teilzeit
Insgesamt ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten im Unstrut-Hainich-Kreis in den letzten zehn Jahren um 18,8 Prozent auf 9.622 Personen gestiegen. Besonders auffällig ist dabei der wachsende Männeranteil. Während vor zehn Jahren noch 13,9 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten Männer waren, lag ihr Anteil zuletzt bei 15,8 Prozent.

Der zunehmende Einstieg von Männern in Teilzeit kann langfristig dazu beitragen, Sorgearbeit gerechter zu verteilen und so auch die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu erhöhen.