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Der Landrat und die Arbeitsunwilligen

Aus Afghanistan geflohen, fand Shamsul Ahmadi in Deutschland eine neue Heimat. Heute (nnz berichtete) geht er gern in Nordhausen zur Arbeit, verdient sich seinen Lebensunterhalt selbst. Dazu Anmerkungen von Kurt Frank...

Jendricke in dieser Wochen auf dem Hexenbesen in Rothesütte (Foto: nnz) Jendricke in dieser Wochen auf dem Hexenbesen in Rothesütte (Foto: nnz)
Es gibt viele solcher Ahmadis hierzulande. Sie helfen, Lücken zu schließen: im Gesundheitswesen, im Bau, der Gastronomie, in der Wirtschaft allgemein. Sie verdienen Respekt.

Doch nicht jeder, der an Deutschlands Türen klopft, respektiert Regeln und Gesetze, belastet das Sozialsystem. Aber, und das gehört zur Wahrheit, auch einheimische junge Mitbürger, die zwar gesund und munter in den Tag hineinleben, ansonsten eher auf Bürgergeld als auf eine reguläre Arbeit setzen.

Diese Leute will Landrat Matthias Jendricke in Arbeit bringen. Es nennt sich Arbeitsmark-Projekt und soll junge Bürgergeldempfänger unter 25 Jahren mit Beschäftigungen wie das Pflegen von Grün-und Parkanlagen, Arbeiten auf dem Bauhof, in Werkstätten des Horizont Vereins und in anderen Bereichen, ihren Fähigkeiten und Kenntnissen entsprechend, zu einer sinnvollen Tätigkeit verhelfen, sie für einen Einstieg in das Berufsleben oder einer Ausbildung gewinnen.

Von 60 Jugendlichen, die man höflich zu einem ersten Treffen eingeladen hatte, waren immerhin 30 erschienen. Laut Gesetzbuch haben indes Empfänger von sozialen Leistungen wie dem Bürgergeld die Pflicht, an Maßnahmen teilzunehmen, die ihre Integration in den Arbeitsmarkt fördern. Diese „Förderung“ erfolgte bei Nichterschienenen mit Hilfe der Polizei, die bei ihnen daheim an der Wohnungstür klingelte. Für Ann-Sophie Bohm, Landessprecherin der Thüringer Grünen, ist das der Angriffspunkt gegen den Landrat. Sie nennt es Stigmatisierung und Demütigung. Mag sich jeder selbst seine eigene Meinung bilden.

Ich unterstelle dem Landrat nicht, sich einen Lorbeerkranz flechten zu wollen, um deutschlandweit auf die Schulter geklopft zu werden. Ich meine, der Mann hat sein Ohr an der Masse, kennt Stimmungen und Meinungen. Die arbeitende Bevölkerung dürfte ihm Beifall klatschen. Werden Jendrickes Bemühungen letztlich von Erfolg sein? Da kommen dem Initiator wohl selbst Zweifel. Laut ihm müsse man die Sanktionsmöglichkeiten beim Bürgergeld verschärfen, um wirksamere Hebel in die Hand zu bekommen, Arbeitsunwilligen auf die Sprünge zu verhelfen. Wenn es sein muss mit Hilfe von Beamten.

Wird Jendrickes oberster Genosse in Regierungsverantwortung in Berlin wirksamere Sanktionen auf den Weg bringen? Da sehe ich ein großes Fragezeichen. Klingbeil ist kein Mann der harten Kante. Kommt nicht, was der Landrat wünscht, wird wohl seinen Ideen, so löblich sie auch sein mögen, die Krone verwehrt bleiben. Man darf gespannt bleiben.
Kurt Frank