Der Lindwurm

Das fehlende Wunder

Nordhausen hatte einst seine eigenen „Sieben Wunder“. Wer sich ein wenig auskennt, kann sie noch heute finden, nur eines bleibt verschollen: der Lindwurm. Wie der ausgesehen haben könnte, darüber macht sich Michael Garke Gedanken…

Auch die alten Nordhäuser hielten einst hohe Stücke auf die Renaissance der Antike und zwar in solchem Maße, dass man sich gleich selber sieben Wunder gab. Die Elisabethquelle und der Theodosius-Stein gehören dazu, Mühlgraben, Roland, Rathaus und Aar. Bis auf die „Canalis“, den Mühlgraben, sind alle noch zu sehen und letzterer immerhin noch zu erahnen. Geraubt und verschollen bleibt allein der „Lindwurm“, das Prunkgeschütz der alten Reichsstadt.

Michael Garke vor dem Schaukasten der Gästeführergilde und seiner Vision vom "Lindwurm" (Foto: agl) Michael Garke vor dem Schaukasten der Gästeführergilde und seiner Vision vom "Lindwurm" (Foto: agl)


Die Kanone wurde anno 1519 in Nürnberg von Meisterhand gegossen, der Lauf reich verziert - Blattwerk, Wappen, ein Jüngling und natürlich der namensgebende Drache fanden auf dem Rohr Platz. Wie genau das „Wunder“ aussah und wie das gute Stück überhaupt nach Nordhausen kam, darüber macht sich Stadtführer Michael Garke seit einiger Zeit Gedanken.

„Wir wissen dass der Lindwurm 1519 vom Nürnberger Stückgießer Endres Pegnitzer gegossen wurde, denn so war es auf den Lauf graviert. Nur findet sich in den Nürnberger Auftragsbüchern für das Jahr Nordhausen mit keinem Wort. Es gibt aber ein paar interessante Hinweise und mögliche Verbindungen nach Südthüringen, denen man nachgehen kann“, sagt Garke.

Das verlorene Wunder fasziniert den passionierten Kenner der Stadtgeschichte schon länger, in seiner Funktion als „Roland“ konnte Garke sogar schon einmal einen (deutlich kleineren) Nachbau taufen. Das Original ging während des Siebenjährigen Krieges verlustig, ein preußischer Oberst beschlagnahmte das Geschütz und es ward nie wieder gesehen, trotz wiederholter Nachfrage der Stadt bei der preußischen Obrigkeit.

Einen Blick auf das siebente Nordhäuser Wunder kann man seit dem Wochenende am Rathausplatz werfen. Am Schaukasten der Gästeführergilde hat Garke einen Entwurf eingehangen, um einen Eindruck vom verlorenen Erbe zu vermitteln. „Wir haben ganz gute Beschreibungen zum Aussehen. Das ist jetzt noch eine recht grobe Skizze aus meiner Hand und ich bin sicher vieles, aber kein Künstler. Wenn möglich, werden wir bald eine akkuratere Zeichnung haben, die einen plastischen Eindruck von unserem Lindwurm vermittelt“.

Und wer einen neugierigen Blick auf den Schaukasten wirft, der findet hier auch die nächsten Termine für die Führungen der Stadt- und Gästeführergilde. Zum 30jährigen Gildejubiläum wird es am 31. Mai zudem kostenlose Führungen zu unterschiedlichen Nordhäuser Sehenswürdigkeiten geben. Die Detail werden noch bekannt gegeben, demnächst im Schaukasten und sicher auch bei der nnz.
Angelo Glashagel