Vier Pfoten zum Tag des Haustieres

Einheitliche Regelung für Wildtierhaltung gefordert

Donnerstag
11.04.2024, 16:47 Uhr
Autor:
emw
veröffentlicht unter:
Nicht nur in zoologischen Gärten und Tierparks werden Wildtiere gehalten, auch in deutschen Wohnzimmern erfreuen sich nicht domestizierte Tierarten großer Beliebtheit. Dabei ist eine artgemäße Haltung von Wildtieren in Privathand kaum möglich, denn die Ansprüche vieler Tierarten hinsichtlich Ernährung, Unterbringung, Raumklima und Sozialstruktur sind sehr komplex...



Heute am Tag des Haustieres fordert die globale Tierschutzstiftung VIER PFOTEN eine bundesweite einheitliche Regelung zur Privathaltung von Wildtieren und bittet Tierliebhaber, von der Anschaffung eines Wildtieres abzusehen.



Polarfuchs Wukk vegetierte als Baby in einem winzigen Käfig in einer Privatwohnung vor sich hin, bis Behörden auf den Fall aufmerksam wurden und das exotische Wildtier beschlagnahmten.

In der TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN hat Wukk jetzt ein dauerhaftes Zuhause gefunden, das seinen natürlichen Bedürfnissen entspricht. „Wukk hatte Glück im Unglück. Polarfüchse stammen aus arktischen Gefilden, besiedeln riesige Territorien und leben in der Regel mit Artgenossen zusammen.

Viele Menschen sehen diese flauschigen, weißen Fuchsbabys und wünschen sie sich als Heimtier. Aber Füchse sind Wildtiere. Sie haben Bedürfnisse, die in privater Haltung nicht erfüllt werden können. Auch wenn wir Wukk bei uns leider kein arktisches Klima bieten können, führt er hier ein artgemäßes Leben, umgeben von Artgenossen“, sagt Diplom-Biologin Eva Lindenschmidt, stellvertretende Betriebsleiterin der TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN.

Ein großer Teil der gehandelten Exoten stammt aus der freien Wildbahn.

Wildfänge und der Handel mit ihnen stellen eine große Bedrohung für die Artenvielfalt dar. Vom Fang über den Transport, den mehrstufigen Zwischenhandel und dem Endhändler bis hin zum Endkunden: Auf allen Etappen lassen viele Tiere aufgrund völlig inakzeptabler Fang- und Transportbedingungen ihr Leben.

Im Privathaushalt angekommen sind hohe Krankheitsraten aufgrund von Haltungsfehlern kaum zu vermeiden. „Viele Krankheiten werden häufig gar nicht oder zu spät erkannt, so dass eine Behandlung oft zu spät erfolgt. Und selbst viele Tierärzte sind mit den neuen Patienten überfordert, so dass eine gute medizinische Versorgung nur schwer zu gewährleisten ist", erklärt VIER PFOTEN Wildtierexpertin Eva Lindenschmidt.

Erhöhtes Risiko von Zoonosen
„Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit Wildtieren, die aus der freien Wildbahn gefangen werden, ist das erhöhte Risiko von Zoonosen, also Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Etwa drei Viertel aller neu auftretenden Infektionskrankheiten sind Zoonosen, und mehr als 70 Prozent dieser Krankheiten gehen auf Wildtiere zurück", erklärt Nadine Ronco Alarcon, Expertin für internationale Politik bei VIER PFOTEN.

Problematische Regelung: private Wildtierhaltung in Deutschland
Bislang gibt es keine einheitliche Regelung auf Bundesebene, die das Problem der privaten Wildtierhaltung in Deutschland endlich angehen würde. Inzwischen haben bereits zehn Bundesländer auf das Fehlen bundeseinheitlicher Regelungen reagiert und Verordnungen oder Gesetze über die Haltung gefährlicher oder giftiger Tiere erlassen. In den Bundesländern Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt dürfen jedoch weiterhin gefährliche oder giftige Tiere wie beispielsweise Löwen oder Klapperschlangen legal gehalten werden. Nach dem Fall der angeblich entlaufenen Löwin im brandenburgischen Kleinmachnow im vergangenen Jahr, die sich zwar letztendlich als Wildschwein entpuppte, aber davor für viel Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung sorgte, plant das Land Brandenburg, Maßnahmen zur Wildtierhaltung und zum Wildtierhandel einzuführen.

VIER PFOTEN fordert eine einheitliche Regelung für die Privathaltung von Wildtieren
„Die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern reichen nicht. VIER PFOTEN fordert die Bundesregierung dazu auf, endlich bundeseinheitliche Regelungen einzuführen, und zwar in Form einer sogenannten Positivliste. Dies ist eine Liste, die anhand von Kriterien festlegt, welche Tierarten für den Handel und die Privathaltung geeignet sind. Alle Tierarten, die nicht auf der Positivliste vorkommen (inkl. Subspezies und Hybride), sind automatisch für die Privathaltung verboten.

Dies ist ein sehr einfaches Instrument, um dem unkontrollierten Handel und der Privathaltung mit Wildtieren angemessen entgegenzutreten. Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir, hat nun die Möglichkeit, die Positivliste in der aktuellen Revision des Tierschutzgesetzes zu verankern und endlich auf die vielfältigen Probleme im Zusammenhang mit der privaten Wildtierhaltung zu reagieren", so Nadine Ronco Alarcon.

TIERART Wildtierstation
Die TIERART Wildtierstation beherbergt und pflegt zahlreiche heimische Wildtiere wie Füchse, Dachse, Wildkatzen, Waschbären, Hasen oder Igel. Manche Schützlinge sind nur vorübergehende Gäste. Nachdem sie medizinisch versorgt wurden und genesen sind, werden sie wieder in die Wildnis entlassen. Tiere, die nicht wieder in die freie Natur ausgewildert werden können, finden hier ein dauerhaftes, artgemäßes Zuhause.