Neustadt 1531

Das Siegel von NAVENSTHAT

Sonnabend
22.01.2022, 10:04 Uhr
Autor:
red
veröffentlicht unter:
Neustadt im Südharz begeht offiziell sein 650 Jahrfeier in diesem Jahr 2022. Der Ort blickt auf eine vielfältige und eindrucksvoll-faszinierende Geschichte zurück. Dabei lag Neustadt selbst lange im geschichtlichen Kernschatten der bedeutenden Grafschaft Honstein. Aber warum führte Neustadt ein eigenes Siegel? Tim Schäfer ist der Frage nachgegangen...

Leider sind einige Dinge in der Geschichte vergessen, in Archiven noch nicht entdeckt oder schlicht vernichtet worden. Wie durch den großen Brand im Städtchen Neustadt Anno 1678.

Aus der Geschichte gibt es Fragen, die nun bezüglich des Siegels von Neustadt selbst, sich weiter klären lassen. Häufig sind in Siegeln Elemente oder Abbildungen von Wappen verwendet worden. Für Neustadt in der heutigen Gemeinde Harztor, war diese Frage in der Betrachtung zur Heimatgeschichte des Öfteren schon eine Fragestellung, die durchaus unterschiedlich beantwortet worden ist. Nur drei Beispiele. Zur Grafschaft Honstein und zu NAVENSTHAT (1531). Ziehen wir die Festschrift zur 200jährigen Jubelfeier der Vereinigung der Grafschaft Hohnstein mit dem brandenburgisch-preußischen Staate zu Rate (1899), und siehe da, wir werden fündig. Dort steht auf S. 7 ff. geschrieben „ Die Meinungen über das Wappen der Grafen von Hohnstein gehen auseinander. Eckstorm bringt die Abbildung eines schwarzen Hirsches im silbernen Felde und darüber ein Hirschgeweih“,...wogegen auch... „als Wappen der Grafen von Hohnstein das zwölffeldige rote und weiße Schachschild mit Hirschstangen“ bezeichnet wird.

Dieses Wappen nutzt Neustadt seit 1531 (Foto: Tim Schäfer) Dieses Wappen nutzt Neustadt seit 1531 (Foto: Tim Schäfer)


Die berühmte Grafschaft Honstein führte natürlich ein Wappen, nebst einem Siegel. Laut Auskunft des Thüringer Hauptstaatsarchiv aus 2002 war das Wappen der Grafschaft Honstein „in sich geschacht (ist) von Silber und Rot auf zwölf Plätzen“. Deren Zentrum sei der Ort Neustadt unterm Hohnstein gewesen, in dem die Bürger im Jahre 1485 Stadtrechte bekamen und sich ein Rathaus bauten. Nach dem von Iffland aufgelegten, von 1790 stammenden Buch „Geschichte der Grafschaft Hohnstein“, s.S. 88 ff., führten die gräflichen Häuser Hohnstein ein Wappen, “welches hernach an Braunschweig gekommen ist.

Es war ein im silbernen Felde fortschreitender Hirsch. "Wir können das noch weiter aufklären, wollen aber zu Neustadt selbst ff. feststellen. Offenbar klärt sich genauer das eigentliche Siegel von Neustadt. Um 1530 bestand ein Rat und Bürgermeister von Neustadt (Nawstadt) war Andres Hasenrodt, wie es in zwei Schuldverschreibungen des Jahres 1531 ausgewiesen ist. Offenbar gab es zu diesem Zeitpunkt ein eigenes Siegel. Es zeigt einen „kurzen Mittelturm mit langem Spitzendach und zu beiden Seiten ein Stück Mauer mit kleinen Ecktürmchen. Unten unter einem Halbmond der Stolbergische Hirsch und zwar- jedenfalls nur des knappen Raumes wegen- liegend. Umschrift: NAVENSTHAT. Dies hat seinerzeit offenbar die Grafschaft und Graf Botho zu Stolberg urkundlich bestätigt. Demnach liegt es auf der Hand, dass Neustadt dieses Siegel führte.

Heute, ganz aktuell benutzt man für Neustadt ein Wappen, welche der Beschreibung von 1531 ähnelt. Die Proportionen scheinen der damaligen Beschreibung in den Details zum kurzen Mittelturm mit langem Spitzendach und zu den kleinen Ecktürmchen aber nicht gelungen. In der Gesamtsicht aber gibt es wohl ein ausgewogeneres, proportionales Bild. Leider gibt es die damalige Umschrift „NAVENSTHAT“ nicht mehr.

Weitere Quellen/Literatur: nnz-online 21.08.2002, Fürstliches Archiv Sonderhausen, Zeitschrift Harz-Vereins Altertum 1871 -04, Jacobs, Eduard (Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde e. V.)- Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB); Wappen Neustadt Harz - Neustadt/Harz Wikipedia; neustadt-harz: Tourismus; Harztor
Die Siegel des Adels der Wettiner Lande bis zum Jahre 1500 (1917) Otto Posse, Sächsisches Staatsarchiv Dresden, Düsseldorf: Universitäts- und Landesbibliothek
Tim Schäfer