Bislang galt Biogas als der neue Energielieferant schlechthin. Unbegrenzte Ressourcen und hohe Ökonomie sprechen für die Gewinnung aus Biomasse. Doch in der Politik regt sich nun Gegenwind, der die Weiterentwicklung dramatisch einbremsen könnte...
Gas mit Biogas-Anteil ist inzwischen auch beim Verbraucher angekommen. Mit dem
Online-Rechner von Lichtblick.de kann man kalkulieren, wie teuer das neue Gas für den eigenen Bedarf ist. Dabei zeigt sich: Schon heute gibt es Angebote auf demselben Preisniveau wie herkömmliches Gas.
Doch das sollte eigentlich nur der Anfang sein. Je besser die Technologie wird, desto günstiger kann Biogas verkauft werden. Fortschritte kosten zunächst allerdings Geld, und der Staat ist momentan wieder einmal auf Sparkurs.
Sind Sparmaßnahmen sinnvoll?
Geht es nach Energieminister Sigmar Gabriel (SPD), soll der Neubau von Biogasanlagen eingegrenzt werden. Vor dem Hintergrund der geplanten Energiewende ist das nicht unbedingt ein positives Signal. Bislang konnten Landwirte mithilfe von Subventionen relativ günstige Biogasanlagen errichten, doch durch eine Kürzung würde die Quote rapide sinken. Agrarminister Friedrich (CSU) bezieht deswegen die Gegenposition: Die Energiewende dürfe sich nicht alleine auf Sonnen- und Windkraft konzentrieren, auch Biogas müsse weiterhin gefördert werden.
Biogas darf nicht vergessen werden
Gerade in den kommenden Monaten rückt die Sonnenenergie ohnehin wieder in den Mittelpunkt. Mit dem Sommer kommen mehr Sonnenstunden, im besten Fall weht ein starker Wind, auch wenn dieser den verbreiteten
Heuschnupfen noch verstärkt. Dennoch: Die Energiewende profitiert von einem sonnigen, windstarken Sommer. Die Diskussion um Biogas wird alleine deswegen zurückstecken müssen. Das ist jedoch nur kurzfristig gedacht, denn die Biogasbranche verspricht Arbeitsplätze im Mittelstand, ist CO2-neutral und beliefert praktisch alle Bereiche, sei es Strom, Kraftstoff oder Wärme.
Energiewende als Summe ihrer Teile
Nicht ohne Grund fließt Biogas in die Kalkulation der Ziele bis 2020 ein. Es ist neben Sonne, Wind und Wasser das vierte Standbein der Energiewende; bis 2020 sollen rund 20 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs durch alternative Energien gedeckt werden. Diese Richtung ist schon seit Jahren vorgegeben, auch das
umstrittene E10-Benzin war eine der Maßnahmen. Gerade dort hat sich jedoch gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt, da Experten dem Kraftstoff keine uneingeschränkte Marktreife zugesprochen haben. Für den Erfolg auf dem Massenmarkt sind solche Faktoren jedoch unerlässlich. Neben den Technologien selbst müssen also auch Kommunikation und Vertrieb optimiert werden, mit einer Kürzung der Biogas-Vergütungssätze ist es lange nicht getan.
Philipp Pohlmann / PIXELIO