Meine Meinung
Renaturierung Teichtal: Tolle Maßnahme, aber viele Fragen
Gestern veröffentlichte die nnz einen Beitrag über geplante Renaturierungsmaßnahmen im Teichtal bei Hainrode. Ein Text, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet, meint Bodo Schwarzberg in seiner Kolumne...
Ich kenne das Teichtal gut. Schon länger mähe ich dort einmal jährlich eine kleine Fläche, in der mehrere, teils überregional bedeutsame Pflanzenarten siedeln. Und ich freue mich natürlich darüber, dass es der Unteren Naturschutzbehörde gelang, das ehemalige Schwimmbecken im gleichnamigen Naherholungsgebiet nun womöglich wieder in ein Laichgewässer für die angesichts der immer mehr austrocknenden Landschaft mehr denn je bedrohten Amphibien zu verwandeln. Denn laut der gestrigen Pressemitteilung soll das Schwimmbecken zum Naturteich renaturiert werden.
Das aber ist fast die einzige konkrete Information, die der erwartungsvolle nnz-Leser dem Beitrag entnehmen kann. - Immerhin erfahren wir noch, dass die Finanzierung über eine notwendige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme auf dem Gebiet der Landgemeinde Bleicherode erfolgen soll.
Genau betrachtet, ist also die Renaturierung des Ex-Schwimmbades die Folge einer Denaturierung ein paar Kilometer weiter. Unter dem Strich wird also möglicherweise gar nichts renaturiert sondern der Landschaft nur etwas zurückgegeben, das ihr woanders entzogen wird? Ein Nullsummenspiel also? Nebulöse Sprach- und Behördensprechakrobatik ist es allemal, um etwas nicht zwingend Positives positiv erscheinen zu lassen. -
Man sollte also, lieber Landkreis, den Leser bitte für voll nehmen, und ihm schon eine konkrete Gewinn- und Verlustrechnung vorsetzen: Was also und wieviel genau wird wo in Bleicherode versiegelt bzw. im Verhältnis zur renaturierten Fläche im Teichtal an naturnaher Landschaft zerstört?
Während es bis zu diesem Punkt noch wenigstens halbwegs konkret zuging, im gestrigen Text, wird es danach wirklich nebulös:
Naturschutz und touristische Entwicklung müssten im Teichtal keine Gegensätze sein, so Dirk Schimm, heißt es wenige Zeilen weiter unten. Nur was der Zweite Beigeordnete des Landkreises Nordhausen mit diesem Satz genau meint, wird dem Leser vorenthalten. Ich frage ihn hiermit: Wie genau möchten Sie und Ihre Untere Naturschutzbehörde den Tourismus und den Naturschutz miteinander in Einklang bringen? Womit konkret? Es seien ja erste Gespräche zu dieser Thematik mit der Landgemeinde geführt worden.
Ich persönlich kann meist nur Gegensätze zwischen Naturschutz und Tourismus im Landkreis feststellen, etwa, dass es zum Beispiel keinerlei Kontrollen gibt, wenn Touristen in Naturschutzgebieten die erlaubten Wege verlassen, um die letzten, von behördlichen Entscheidungen oder behördlicher Ignoranz noch verschonten Orchideenbestände, mit Kameras oder auch mal mit Spaten zum Ausgraben der letzten Orchideen aufzusuchen.
Weiter unten im Text wird die dort aufgebaute Molchhütte als Ausdruck für Naturerlebnis und Umweltbildung benannt. Warum ergänzen die Vertreter des Landkreises diese Information nicht mit Fakten? Also zum Beispiel, wie viele Schulklassen sich im letzten Jahr über Kammmolch und Feuersalamander in der Molchhütte informiert haben? Oder was die Schüler dort sonst noch über die Natur des Teichtales lernen können?
Und es bleibt weiterhin nebulös: Was genau soll sich der denkende Leser denn unter dem folgenden Satz vorstellen?
Unabhängig von früheren Überlegungen rund um die ehemalige Bungalowsiedlung wird damit jetzt zunächst eine ganz konkrete Grundlage geschaffen: Altlasten werden beseitigt, der Naturraum gestärkt und gleichzeitig neue Möglichkeiten für eine nachhaltige touristische Entwicklung eröffnet.
Was für eine Bungalowsiedlung? Nicht alle Leser kennen das Teichtal: Was soll mit ihr passieren? Welche konkrete Grundlage wird womit geschaffen? Welche Altlasten sollen beseitigt werden? Atommüll vielleicht? Wie genau sollen der Naturraum gestärkt und Möglichkeiten für eine nachhaltige touristische Entwicklung eröffnet werden? – Es gibt keinerlei nähere Erklärungen zu diesen im Text angerissenen, den Leser interessierenden Themen.
Und wer nun glaubt, das Rätselraten hat wenigstens jetzt ein Ende, den enttäuschen die Absender des gestrigen Textes:
Damit bekommt das Teichtal Hainrode Schritt für Schritt die Chance, sich zu einem Ort zu entwickeln, an dem Natur, Erholung und sanfter Tourismus gemeinsam gedacht werden, unterstreicht Dirk Schimm.
Wie und was bitte genau, Herr Schimm? Was meinen Sie damit?
Abschließend möchte wenigstens ich konkret werden: Im Teichtal unweit des alten Schwimmbades gibt es einen verbuschenden Halbtrockenrasen, um den sich niemand mehr kümmert. Wird der künftig einmal jährlich gemäht um dessen Artenvielfalt zu erhalten? Profitiert er auch von den so genannten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen? Das wäre ganz wichtig.
Und es gäbe noch viele andere sehr konkrete Fragen, mit denen ich Herrn Schimm und die Untere Naturschutzbehörde noch konfrontieren würde. Einige schrieb ich auch schon öffentlich. Sie sind ihnen längst bekannt.
Eines aber steht fest: Einen solchen Text wie den gestrigen in der nnz über das Teichtal, sollten Sie liebe Landkreisverantwortliche, der Öffentlichkeit künftig bitte nicht mehr zumuten. Die Menschen möchten Antworten, statt immer neue, unbeantwortete Fragen vorgesetzt zu bekommen.
Vor allem von Personen, die an verantwortlicher Stelle sitzen und unser aller Steuergeld bekommen.
Eigentlich könnte das der Schlusssatz sein: Aber da ist ja noch das Foto im gestrigen nnz-Text: Was soll es aussagen? Wer und was ist zu sehen? Auch dessen Qualität ist nicht unbedingt pressetauglich.
Bodo Schwarzberg
Ich kenne das Teichtal gut. Schon länger mähe ich dort einmal jährlich eine kleine Fläche, in der mehrere, teils überregional bedeutsame Pflanzenarten siedeln. Und ich freue mich natürlich darüber, dass es der Unteren Naturschutzbehörde gelang, das ehemalige Schwimmbecken im gleichnamigen Naherholungsgebiet nun womöglich wieder in ein Laichgewässer für die angesichts der immer mehr austrocknenden Landschaft mehr denn je bedrohten Amphibien zu verwandeln. Denn laut der gestrigen Pressemitteilung soll das Schwimmbecken zum Naturteich renaturiert werden.
Das aber ist fast die einzige konkrete Information, die der erwartungsvolle nnz-Leser dem Beitrag entnehmen kann. - Immerhin erfahren wir noch, dass die Finanzierung über eine notwendige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme auf dem Gebiet der Landgemeinde Bleicherode erfolgen soll.
Genau betrachtet, ist also die Renaturierung des Ex-Schwimmbades die Folge einer Denaturierung ein paar Kilometer weiter. Unter dem Strich wird also möglicherweise gar nichts renaturiert sondern der Landschaft nur etwas zurückgegeben, das ihr woanders entzogen wird? Ein Nullsummenspiel also? Nebulöse Sprach- und Behördensprechakrobatik ist es allemal, um etwas nicht zwingend Positives positiv erscheinen zu lassen. -
Man sollte also, lieber Landkreis, den Leser bitte für voll nehmen, und ihm schon eine konkrete Gewinn- und Verlustrechnung vorsetzen: Was also und wieviel genau wird wo in Bleicherode versiegelt bzw. im Verhältnis zur renaturierten Fläche im Teichtal an naturnaher Landschaft zerstört?
Während es bis zu diesem Punkt noch wenigstens halbwegs konkret zuging, im gestrigen Text, wird es danach wirklich nebulös:
Naturschutz und touristische Entwicklung müssten im Teichtal keine Gegensätze sein, so Dirk Schimm, heißt es wenige Zeilen weiter unten. Nur was der Zweite Beigeordnete des Landkreises Nordhausen mit diesem Satz genau meint, wird dem Leser vorenthalten. Ich frage ihn hiermit: Wie genau möchten Sie und Ihre Untere Naturschutzbehörde den Tourismus und den Naturschutz miteinander in Einklang bringen? Womit konkret? Es seien ja erste Gespräche zu dieser Thematik mit der Landgemeinde geführt worden.
Ich persönlich kann meist nur Gegensätze zwischen Naturschutz und Tourismus im Landkreis feststellen, etwa, dass es zum Beispiel keinerlei Kontrollen gibt, wenn Touristen in Naturschutzgebieten die erlaubten Wege verlassen, um die letzten, von behördlichen Entscheidungen oder behördlicher Ignoranz noch verschonten Orchideenbestände, mit Kameras oder auch mal mit Spaten zum Ausgraben der letzten Orchideen aufzusuchen.
Weiter unten im Text wird die dort aufgebaute Molchhütte als Ausdruck für Naturerlebnis und Umweltbildung benannt. Warum ergänzen die Vertreter des Landkreises diese Information nicht mit Fakten? Also zum Beispiel, wie viele Schulklassen sich im letzten Jahr über Kammmolch und Feuersalamander in der Molchhütte informiert haben? Oder was die Schüler dort sonst noch über die Natur des Teichtales lernen können?
Und es bleibt weiterhin nebulös: Was genau soll sich der denkende Leser denn unter dem folgenden Satz vorstellen?
Unabhängig von früheren Überlegungen rund um die ehemalige Bungalowsiedlung wird damit jetzt zunächst eine ganz konkrete Grundlage geschaffen: Altlasten werden beseitigt, der Naturraum gestärkt und gleichzeitig neue Möglichkeiten für eine nachhaltige touristische Entwicklung eröffnet.
Was für eine Bungalowsiedlung? Nicht alle Leser kennen das Teichtal: Was soll mit ihr passieren? Welche konkrete Grundlage wird womit geschaffen? Welche Altlasten sollen beseitigt werden? Atommüll vielleicht? Wie genau sollen der Naturraum gestärkt und Möglichkeiten für eine nachhaltige touristische Entwicklung eröffnet werden? – Es gibt keinerlei nähere Erklärungen zu diesen im Text angerissenen, den Leser interessierenden Themen.
Und wer nun glaubt, das Rätselraten hat wenigstens jetzt ein Ende, den enttäuschen die Absender des gestrigen Textes:
Damit bekommt das Teichtal Hainrode Schritt für Schritt die Chance, sich zu einem Ort zu entwickeln, an dem Natur, Erholung und sanfter Tourismus gemeinsam gedacht werden, unterstreicht Dirk Schimm.
Wie und was bitte genau, Herr Schimm? Was meinen Sie damit?
Abschließend möchte wenigstens ich konkret werden: Im Teichtal unweit des alten Schwimmbades gibt es einen verbuschenden Halbtrockenrasen, um den sich niemand mehr kümmert. Wird der künftig einmal jährlich gemäht um dessen Artenvielfalt zu erhalten? Profitiert er auch von den so genannten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen? Das wäre ganz wichtig.
Und es gäbe noch viele andere sehr konkrete Fragen, mit denen ich Herrn Schimm und die Untere Naturschutzbehörde noch konfrontieren würde. Einige schrieb ich auch schon öffentlich. Sie sind ihnen längst bekannt.
Eines aber steht fest: Einen solchen Text wie den gestrigen in der nnz über das Teichtal, sollten Sie liebe Landkreisverantwortliche, der Öffentlichkeit künftig bitte nicht mehr zumuten. Die Menschen möchten Antworten, statt immer neue, unbeantwortete Fragen vorgesetzt zu bekommen.
Vor allem von Personen, die an verantwortlicher Stelle sitzen und unser aller Steuergeld bekommen.
Eigentlich könnte das der Schlusssatz sein: Aber da ist ja noch das Foto im gestrigen nnz-Text: Was soll es aussagen? Wer und was ist zu sehen? Auch dessen Qualität ist nicht unbedingt pressetauglich.
Bodo Schwarzberg