Am Freitag wird in der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei zum ersten Mal "Der Flaschengeist" beschworen und einer der Mitwirkenden hat dann gleich doppelt Anlass zum Lampenfieber. Tenor Marian Kalus steht nicht nur als Geisterjäger Magnus Weißkern auf der Bühne, sondern hat die musikalische Spukgeschichte auch geschrieben...
Mit seinem ersten Bühnenstück reiht er sich in die langjährige Tradition der Zusammenarbeit zwischen Theater und Traditionsbrennerei ein, die 2008 mit »Prost, Henriette!« begann und nun vor ihrer sechsten Premiere steht.
Faszination Schreiben
Das Schreiben hat Marian Kalus seit seiner Jugend fasziniert. Als Teenager und junger Erwachsener träumte er sogar davon, einmal einen Roman zu veröffentlichen. »Aber daraus ist nicht viel geworden«, erzählt er. Obwohl er immer wieder an eigenen Texten arbeitete. Auch Gedichte hatten es ihm eine Zeitlang angetan. Und für seine erste Regiearbeit am Theater Nordhausen, die Oper »Die Perlenfischer«, verfasste er Prosatexte, die er in den Operntext einflocht und in den Vorstellungen selbst sprach.
Szene aus "Der Flaschengeist" (Foto: Theater Nordhausen)
Aber ein ganzes Stück, das war eine neue Herausforderung. Die Traditionsbrennerei kennt Marian Kalus gut, nachdem er dort auch in der letzten Erfolgsproduktion »Brenner und Brenner« auf der Bühne gestanden hat. Er weiß genau, was dort szenisch möglich ist, in einem Raum ohne eine klassische Theaterbühne mit Bühnenmaschinerie und dem gewohnten Theaterzauber. Ein paar Vorgaben bekam er vom Theater mit auf den Weg: Ein Happy End sollte es geben, Juliane Bischoff, er selbst und der 2. Kapellmeister Luca Marcossi sollten besetzt sein, letzterer auch als Pianist. Denn wie in den vorigen Kooperationen würde Musik eine wichtige Rolle spielen. Und natürlich sollte die Geschichte mit der Nordhäuser Tradition des Kornbrennens zu tun haben.
Geistergeschichte im doppelten Sinn
Bald fand Marian Kalus die Grundidee für die Komödie: Eine Geistergeschichte sollte es werden. Wobei das Wort »Geist« im doppelten Sinne zu verstehen ist: als Gespenst einerseits, aber auch im Sinne »geistiger« Getränke. Als das erst einmal klar war, sprudelte die Geschichte nur so aus ihm heraus. »Es hat Spaß gemacht, diese Mischung aus Blödelei und Humor, aber auch einem künstlerischen Anspruch und einer wirklichen Geschichte zwischen den Figuren, zu schreiben«, sagt der vielseitige Künstler. Verortet ist sie genau dort, wo sie aufgeführt wird: in der Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei, der Kornbrennerei der Familie Seidel, die für den Namen der Hauptfigur Sabine Seidel Pate stand.
Da ist heraus, der Flaschengeist (Foto: Theater Nordhausen)
Derzeit laufen noch die Proben. Wie ist es für den Autor und Darsteller Marian Kalus, in seinem eigenen Stück auf der Bühne zu stehen? »Schon ein bisschen seltsam«, gibt er zu, denn man hinterfrage seinen eigenen Text natürlich immer mehr als den eines anderen. »Aber ich finde mich immer besser hinein, den Text als fertig zu betrachten und mich ihm als Darsteller neu zu nähern.« Er empfindet es als sehr bereichernd, dass Operndirektor Benjamin Prins als Regisseur nun seinen eigenen Geist und seine Inspiration mit in die Waagschale gibt. »Wir werfen uns die Ideen gegenseitig zu«, erzählt er. Und freut sich, dass seine beiden Mitspieler so perfekt auf die skurrilen Figuren passen, die er ihnen auf den Leib geschrieben hat.
Am Freitag wird das Stück uraufgeführt. Genug Zeit für etwas Lampenfieber, das sich aber, so Marian Kalus, in Grenzen hält. Und genug Zeit für die Vorfreude auf die erste Premiere als Bühnenautor und Darsteller in einer Person.
Der Flaschengeist
Eine musikalische Spukgeschichte von Marian Kalus
Uraufführung: 27. September, 19.30 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei
Weitere Termine:
4. und 18. Oktober, 18.00 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei
24. Oktober, 19.30 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennere
5. November, 19.30 Uhr, Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei